Heute Urteil gegen Soner Ö. erwartet

Dass Soner Ö. den Sozialamtsleiter getötet hat, ist unstrittig, er gestand die Tat. Im Prozess geklärt werden soll lediglich, ob es sich um Mord oder Totschlag handelte.  Fotos: Klaus Hartinger

Dass Soner Ö. den Sozialamtsleiter getötet hat, ist unstrittig, er gestand die Tat. Im Prozess geklärt werden soll lediglich, ob es sich um Mord oder Totschlag handelte.  Fotos: Klaus Hartinger

Am letzten der angesetzten drei Verhandlungstage soll heute das Strafmaß gegen den BH-Bluttäter verkündet werden. Er gilt als zurechnungsfähig.

Soner Ö. war zum Zeitpunkt der Bluttat in der BH Dornbirn zurechnungsfähig. Das ist die zentrale Erkenntnis des zweiten Verhandlungstages im Prozess gegen den 35-Jährigen. Die Einvernahme des Sachverständigen Reinhard Haller und dessen Gutachten waren – nach der Aussage des Angeklagten selbst – wohl die am drängendsten erwarteten Punkte des Prozesses.

Psychisch eingeschränkt, aber nicht krank

Um diese Frage zu klären, begann Haller seine Ausführungen vor Gericht in der Kindheit Soner Ö.’s. Er habe wohl an ADHS gelitten, was allerdings nicht diagnostiziert und daher nicht professionell behandelt wurde – außer vom Angeklagten selbst: Es sei typisch, dass hyperaktive Personen sich mit Alkohol und Drogen selbst therapieren. So auch Soner Ö. Er habe bereits mit acht Jahren Alkohol getrunken und mit 14 Jahren Cannabis geraucht. Dieser frühe Konsum habe zu psychischen Einschränkungen bei dem Angeklagten geführt. Ebenso die Folter, die er nach eigener Aussage nach der Abschiebung in die Türkei und der dortigen Dissertation aus dem Militär erlitten habe. Es handele sich dabei, so Haller, aber lediglich um Einschränkungen, nicht um psychische Erkrankungen, die einer Zurechnungsfähigkeit entgegen stehen würden. Mit 1,25 Promille zum Zeitpunkt der Tat sei der Angeklagte auch nicht im Vollrausch gewesen. Bleibt ein letzter Punkt zum Vorliegen von Unzurechnungsfähigkeit: der Affekt. Soner Ö. gab den Polizisten zu Protokoll, was er nach den 14 Messerstichen zum Opfer gesagt habe: „Jetzt werden deine schönen blauen Augen erlöschen.“ Eine solch genaue Erinnerung aber sei laut dem Sachverständigen untypisch für eine Affekthandlung, nach der man sich in der Regel kaum an Einzelheiten erinnern könne. Insgesamt lasse sich die Tat durch die Vorgeschichte Soner Ö.’s erklären, nicht aber durch seine Psyche. Er könne eine Strafe somit in einer normalen Haftanstalt mit psychischer Begleitung verbüßen und gehöre nicht in eine Haftanstalt für geistig abnorme Täter.

Soner Ö.’s Verhalten sorgt weiter für Irritationen

Nach Haller wurden gestern auch sieben Arbeitskollegen des Getöteten gehört, darunter jener, der sich während der Tat im Büro des Opfers aufhielt. Alle Zeugen widersprachen der Darstellung Soner Ö.’s, wonach der Tat ein Streit zwischen beiden vorausgegangen sei. Lediglich der Angeklagte sei laut geworden. Wie schon am ersten Verhandlungstag sorgte auch gestern das Verhalten des Angeklagten erneut für Irritationen. So lief Soner Ö. inmitten des Prozesses immer wieder unvermittelt zu seinen Verteidigern. Gleich zweimal musste er vom Gericht zur Ordnung gerufen werden. Am Montag hatte er mit seinen Aussagen für Irritationen gesorgt. So wisse er genau, wie man töte und habe dem Opfer lediglich den Nackenmuskel durchtrennen wollen. Außerdem sei der Sozialamtsleiter selbst Schuld an seinem eigenen Tod, weil er ihn verärgert habe und im falschen Moment aufgestanden sei, so der Angeklagte. Ö. plädierte auf nicht schuldig im Sinne der Anklage.

<p class="caption">Sachverständiger Reinhard Haller im Gespräch mit Ö.’s Verteidiger Weh.</p>

Sachverständiger Reinhard Haller im Gespräch mit Ö.’s Verteidiger Weh.

Info



Der Prozess gegen Soner Ö.


Heute werden der Innsbrucker Gerichtsmediziner Walter Rabl, die Plädoyers und schließlich das Urteil erwartet.

Bei Mord drohen zehn bis 20 Jahre oder lebenslängliche Haft, bei Totschlag fünf bis zehn Jahre.