Coronavirus: „Zuwachsraten machen ein Handeln notwendig!“

Ab heute werden per Erlass alle Outdoor-Veranstaltungen über 500 Teilnehmer bis 3. April abgesagt, ebenso alle Indoor-Veranstaltungen über 100 Teilnehmer.

Die Regierung hat gestern im Kampf gegen das Coronavirus erstmals derart drastische Maßnahmen verkündet, dass das öffentliche Leben in Österreich in den kommenden Wochen massiv beeinträchtigt werden wird. Bis 3. April werden größere Veranstaltungen inklusive Demos verboten. Es gibt einen Einreisestopp aus Italien, nur Österreicher sollen zurückgeholt werden. Unis schließen ebenfalls.

Drei Bereiche

„Heute ist es soweit“, sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) bei einer Pressekonferenz in Wien. Nun sei der Tag gekommen, an dem Einschränkungen im öffentlichen Leben notwendig werden würden, kündigte er die Maßnahmen der Regierung an. Die Zahl der Infizierten in Österreich sei zwar vergleichsweise gering, die Zuwachsraten machten ein Handeln aber notwendig, so Kurz. Die Maßnahmen der Regierung gliedern sich in drei Bereiche. Erstens solle die Einschleppung aus Italien verhindert werden, sagte Kurz. Daher gelte ab sofort ein Einreisestopp, die Grenzen werden dicht gemacht. Einreisen dürfen nur Menschen mit einem ärztlichen Attest, sagte Kurz. Auch die Durchreise ist möglich, allerdings nur, wenn in Österreich keine Pausen gemacht werden. Die Heimholung von in Italien befindlichen Österreichern werde derzeit organisiert, danach gelte für diese Personen zwei Wochen lang häusliche Isolation. Weiters müsse die Verbreitung in Österreich eingedämmt werden, kündigte die Regierung an. Das bedeute unter anderem Einschränkungen bei Veranstaltungen. Ab heute werden per Erlass alle Outdoor-Veranstaltungen über 500 Teilnehmer bis Anfang April abgesagt, ebenso alle Indoor-Veranstaltungen über 100 Teilnehmer. Ab Montag nächster Woche soll es an Universitäten und Fachhochschulen keine Lehrveranstaltungen mehr geben, teilte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) mit. Drittens appellierte Kurz eindringlich an die gesamte Bevölkerung. „Jeder kann einen Beitrag leisten“, sagte er vor der versammelten Presse. Durch die Reduktion sozialer Kontakte könnten auch junge Menschen dafür sorgen, dass Ältere geschützt werden. „Wir können nicht verhindern, dass sich das Coronavirus in Europa verbreitet“, merkte Kurz an. Die Verbreitung müsste aber eingedämmt, der Peak bis nach der Grippewelle verzögert werden. Wer soziale Kontakte in den kommenden Wochen reduziert, könne jetzt einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leisten, so Kurz.

Veranstalter betroffen

Bei Veranstaltern ortet der Minister eine große Bereitschaft, auf Events zu verzichten. Der Erlass werde präzise formuliert, damit für jeden klar ist, was gemeint ist. Theater, Kinos, Konzerte werden aber davon betroffen sein. Restaurants zu schließen, sei derzeit nicht angedacht. Sportveranstaltungen könnten aber etwa ohne Zuschauer stattfinden. Die gesetzlichen Vorgaben der Regierung nun umzusetzen, liege nun bei den Veranstaltern, so Kurz, der auch an den Hausverstand appellierte. „Es ist ein Straftatbestand nicht daran mitzuwirken, dass sich eine Epidemie ausbreitet“, ergänzte Innenminister Nehammer. Dass die Maßnahmen der Regierung durchaus große Auswirkungen auf das Leben in Österreich haben werden, ist den Politikern bewusst. „Wir müssen unser Leben für ein paar Monate verändern“, sagte Anschober. Jeder Einzelne müsse in der kommenden Wochen überlegen, wie man das Risiko einer Verbreitung des Coronavirus minimieren könne.

<p class="caption">„Wir müssen unser Leben für ein paar Monate verändern“, sagte gestern Gesundheitsminister Anschober.  Fotos: APA/AP</p>

„Wir müssen unser Leben für ein paar Monate verändern“, sagte gestern Gesundheitsminister Anschober.  Fotos: APA/AP

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