„Wir Vorarlberger sind stark genug“

Landeshauptmann Markus Wallner ist aktuell in ständiger Abstimmung mit derBundesregierung und Gesundheitsexperten. Foto: Sams

Landeshauptmann Markus Wallner ist aktuell in ständiger Abstimmung mit der
Bundesregierung und Gesundheitsexperten. Foto: Sams

Als Landeshauptmann führt Markus Wallner Vorarlberg durch die Corona-Krise. W&W sprach mit ihm über die Herausforderungen und Strategien.

WANN & WO: Corona hat Vorarlberg fest im Griff. Welche Maßnahmen kommen jetzt auf uns zu?

Markus Wallner: Um das Virus schnellstmöglich eindämmen zu können, haben wir in Abstimmung mit der Bundesregierung wichtige Maßnahmen gesetzt. Davon sind alle Gesellschaftsbereiche betroffen. Wir haben die Schulen und die Betreuungseinrichtungen quasi geschlossen, die Wintersaison wurde beendet, Geschäfte mit einer Sperrstundenregelung versehen. In den Spitälern und Pflegeheimen besteht Besuchsverbot. Kommen werden auch Grenzkontrollen.

WANN & WO: Wie steht es um die Grundversorgung? Muss sich die Bevölkerung Sorgen machen?

Markus Wallner: Das ist mir ganz wichtig zu betonen: Die Grundversorgung für die Bevölkerung ist sichergestellt! Die Lager der Lebensmittelläden sind voll und deshalb geht mein dringender Appell an die Bevölkerung, auf Hamsterkäufe zu verzichten. Auch die Versorgung mit Strom und Wasser ist sicher.

WANN & WO: Worauf müssen wir die nächste Zeit verzichten?

Markus Wallner: In dieser Phase ist es jetzt ganz entscheidend, dass wir unsere Sozialkontakte einschränken. Das ist wahrscheinlich die einschneidendste, aber auch wichtigste Maßnahme. Deshalb werden wir für eine gewisse Zeit unser Leben ein wenig umstellen müssen. Dies ist aber gleichzeitig auch die wirksamste Methode im Kampf gegen das Coronavirus.

WANN & WO: Wieso sind derart konsequente Maßnahmen gerade jetzt so wichtig? Wie kann man Zweifler von der Dringlichkeit überzeugen?

Markus Wallner: Wir haben gesehen, dass das Coronavirus auch vor Österreich nicht Halt macht und täglich steigt die Zahl der Infizierten um 35 bis 40 Prozent. Ein Blick über die Grenze nach Italien sollte auch die letzten Zweifler überzeugen. Wir müssen die Ausbreitung des Virus bestmöglich verhindern und die Gesundheitsversorgung aufrechterhalten. Dorthin gehen unsere Bemühungen. Wir treffen die Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung und dabei vor allem zum Schutz der älteren Generation.

WANN & WO: Die Ankündigung am Freitag sorgte teilweise für heftige Reaktionen wie Hamsterkäufe, auf Social Media kursieren Fake-News und die Menschen haben Angst. Wie können wir diese Situation meistern?

Markus Wallner: Ganz wichtig ist jetzt, dass wir zusammenhalten. Wir Vorarlbergerinnen und Vorarlberger sind stark genug, um diese schwierige Situation meistern zu können. Wir informieren täglich transparent und live über die neueste Lage in Vorarlberg. Aktuelle News sowie alle Hotlines können jederzeit unter www.vorarlberg.at/corona abgerufen werden.

WANN & WO: Der Begriff „Ausgangssperre“ kursiert ebenfalls auf Social Media. Diverse Gebiete befindet sich in Quarantäne. Ab wann könnte sich so eine Situation im Ländle einstellen?

Markus Wallner: Darüber ist bisher nicht diskutiert worden. Wenn die Maßnahmen den gewünschten Effekt zeigen, muss es auch nicht soweit kommen. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass sich die Bevölkerung an die Ratschläge hält und die sozialen Kontakte einschränkt. Das ist die bestmögliche Methode, um das Virus einzudämmen.

WANN & WO: Ab morgen ist die Skisaison beendet, Hotels schließen und auch die Gastronomie wird eingeschränkt – für viele Betriebe existenzielle Probleme. Gibt es hier von Seiten des Landes oder des Bundes schon Unterstützungsangebote?

Markus Wallner: Die Planungen zur Unterstützung dieser Betriebe laufen derzeit auf Hochtouren und wir stehen in direktem Kontakt mit dem Bund. Gestern wurde ein 4. Mrd. Euro schweres Hilfspaket geschnürt, welches heute im Nationalrat beschlossen wird. In Abstimmung mit den Sozialpartnern im Land, helfen wir mit, diese Hilfsmaßnahmen an die Betriebe zu bringen. Existenzbedrohende Situation für Mitarbeiter und Betriebe müssen unbedingt verhindert werden.

WANN & WO: Wie wird die Situation an der Grenze zur Schweiz aussehen?

Markus Wallner: Die Grenzkontrollen werden derzeit schrittweise ausgebaut. Ab Mittwoch schließen die kleinen Grenzübergänge, bei den größeren wird es Stichproben-Kontrollen geben. Damit ist auch klar, dass diese Grenzübergänge für die Grenzgänger selbstverständlich weiterhin offen bleiben. Auch der Transit- und Güterverkehr wird
weiter funktionieren.

WANN & WO: Welchen abschließenden Rat haben sie an die Bürger?

Markus Wallner: Wir Vorarlberger sind ein Team, in dem jeder seinen Beitrag leisten kann! Wenn wir alle gemeinsam zusammenhelfen und ruhig bleiben, können wir es schaffen, gefährdete Menschen und unsere ältere Generation zu schützen!

„Wir müssen unsere Kontakte einschränken. Das ist wahrscheinlich die einschneidenste, aber auch wichtigste Maßnahme.“ LH Markus Wallner

314 Verdachtsfälle gibt es im Ländle (Stand gestern). 34 davon wurden positiv getestet. 66 waren bis Redaktionsschluss in Abklärung. 144 Personen befinden sich in Quarantäne.

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