„Gemeinsam Leben retten“

„Durchhalten, Abstand halten, zusammen­halten!“ – Landeshauptmann Markus Wallner sprach mit WANN & WO über die aktuelle Lage.



Wie bereitet sich das Land auf den „Peak“ in der Krise vor? Wie sehen die Prognosen aus?
Wir sind bereits seit Wochen im ständigen Kontakt mit allen wichtigen Stellen. Der Krisenstab tagt mehrmals in der Woche, um die aktuelle Lage genau zu beobachten und frühzeitig Entscheidungen zu treffen. Aktuell haben wir Maßnahmen getroffen, um die Bettenkapazitäten an den Spitälern schnell steigern zu können. Die Prognosen deuten darauf hin, dass die Zahlen in Vorarlberg weiter steigen werden und wir den „Peak“ eventuell in etwa zwei Wochen erreichen könnten. Deshalb an dieser Stelle noch einmal mein eindringlicher Appell, auch weiterhin die Sozial­­kontakte auf ein Minimum zu reduzieren.

Wie steht es um die Kapazität des Gesundheitswesens, gerade bei dringend benötigten Intensiv-Betten, Beatmungsgeräten oder Schutzausrüstung? Die Bettenkapazität wird ausgeweitet und 420 Betten sind aktuell sofort verfügbar. Wir rechnen nach heutigem Stand am Höhepunkt der Ausbreitung mit etwa 900 mit Covid-Patienten belegten Betten im Spital. Davon sind 100 Betten mit Beatmungsgeräten ausgestattet. Sehr erfreulich ist, dass unsere heimische Wirtschaft begonnen hat, Vorarlberger Atemschutzmasken zu produzieren. Die ersten Mund-Nasen-Masken für den Gesundheitsbereich sind bereits verfügbar. Die Produktion wird jetzt von täglich 12.000 Stück bis auf 100.000 Stück hochgefahren. Das ist schon sehr beeindruckend. Auch die Aktion von Freihof in Lustenau, die aus altem Alkohol Desinfektionsmittel herstellen, zeigt die Kreativität und Innovationskraft unserer Betriebe.

Ab wann dürfen Betriebe mit Geldern aus dem Vorarlberger Paket zur Unterstützung der Wirtschaft rechnen? Die Antragstellung für die Mittel aus dem Bundeshärtefonds laufen bereits seit Freitag. Im Schulter­­schluss mit den Vorarlberger Sozialpartnern und den regionalen Banken hat sich auch die Landesregierung auf ein Maßnahmenpaket für die heimische Wirtschaft und die Arbeitnehmerinnen bzw. Arbeitnehmer verständigt. In einem ersten Schritt wird ein Vorarl­berger Soforthilfefonds gegründet, der mit rund zwölf Millionen Euro dotiert ist. Weiters wird an einem Haftungsmodell im Umfang von acht Millionen Euro gearbeitet. Ab nächster Woche läuft die Beantragung und wir versuchen dann sofort, dieses Geld fließen zu lassen.

Wie verläuft die Koordination und die Kommunikation mit der Bundesregierung. Bundeskanzler Kurz sprach von eventuellen Lockerungen der Maßnahmen nach Ostern. Zeichnet sich hier schon eine Art Exit-Strategie ab, um einen Wirtschaftskollaps abzufedern? Wir sind in ständigem Kontakt mit Wien. Dazu gibt es wöchentlich mehrmals Video­konferenzen aller Landeshauptleute mit Bundeskanzler Sebastian Kurz und dem Gesundheitsminister, die zur Absprache und Koordination der Maßnahmen dienen. Ich möchte derzeit noch keine Signale einer frühzeitigen Öffnung geben, weil diese aus meiner Sicht nicht seriös beantwortet werden können. Wir steuern derzeit auf den „Peak“ zu. Deshalb gibt es von mir derzeit keine Spekulationen in diese Richtung.

Laut Florian Klenk vom Falter sei aus Regierungskreisen durchgesickert, dass Überlegungen im Raum stehen, Schulen bis zum Sommer nicht mehr zu öffnen. Wie stehen Sie zu diesen Gedanken? Diese Information kann ich nicht verifizieren. Stand jetzt ist geplant, die Schulen sowie alle anderen Einrichtungen bis inklusive Ostermontag geschlossen zu halten. Ob und welche Maßnahmen verlängert werden müssen, können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Ziel muss es weiterhin bleiben, die Wachstumsrate des Coronavirus in den einstelligen Bereich zu bekommen.

Gerade jetzt ist eine starke Welle der Solidarität spürbar. Was möchten Sie der Bevölkerung abschließend mitgeben? Durchhalten, Abstand halten und Zusammenhalten! In dieser Situation ist es ganz wichtig, dass die Bevölkerung ruhig bleibt und sich wirklich jeder an die getroffenen Maßnahmen hält. Wir sorgen dafür, dass die Grundversorgung – Lebensmittelversorgung, Spitäler, Pflege – weiterhin funktioniert. Wir Vorarlberger müssen jetzt das tun, was wir am besten können: Durchhalten und Disziplin zeigen. Nur nid lugg lo! Jeder, der sich an die Maßnahmen hält, hilft Leben zu retten.

3020 Verdachtsfälle traten auf. 2323 davon wurden negativ getestet. 134 befinden sich in Aklärung. 563 positiv (45 hospitalisiert, 13 intensiv).

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