„Müssen lernen, mit dem Virus zu leben“

W&W traf Landeshauptmann Markus Wallner zum Interview im Rio Café Feldkirch.  Fotos: Sams

W&W traf Landeshauptmann Markus Wallner zum Interview im Rio Café Feldkirch.  Fotos: Sams

WANN & WO sprach mit Landeshauptmann Markus Wallner über den herausfordernden Herbst, Wintertourismus, Verschwörungstheorien, Corona-Skepsis, Impfpflicht und das Los der Veranstaltungsbranche.



Welchen Einfluss hatte Covid-19 auf das Familienleben im Hause Wallner?
Mit Beginn der Pandemie habe ich mich dann auch zuhause in eine Art „Quarantäne“ begeben und mich in ein Gästezimmer einquartiert, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Meine beiden Töchter kamen aus Wien zurück. Damit hatten wir mit meinem Sohn drei Kinder im „Home-Office“, was wir auch dank meiner Frau gemeistert haben. Persönlich habe ich mir als Urlaubsziel und Gegenthese zu Covid-19 vorgenommen, 19 Berggipfel zu besteigen. Ich konnte auch für mich viele neue Facetten unseres schönen Landes entdecken.

Wie geht Vorarlberg in die für seine Hoteliers und Fremdenverkehrsregionen so wichtige Wintersaison? Unsere Touristiker lernen schnell, mit schwierigen Situationen umzugehen – das zeigen die positiven Nächtigungszahlen im Sommer. Das Land war mit verschiedenen Maßnahmen wie finanzieller Unterstützung, Werbekampagnen oder Angeboten wie der V-Card bemüht, den heimischen Tourismus zu fördern. Im Winter stehen wir vor ganz neuen Herausforderungen und müssen aufpassen, dass wir nicht zu „Corona-Hotspots“ werden. Wir bereiten gerade einen eigenen Wintergipfel vor, in dem wir Schutzmaßnahmen ausarbeiten werden. Lokale Sicherheitsvorkehrungen werden den Ausschlag geben, ob sich Gäste Vorarlberg als Land für ihren Winterurlaub aussuchen werden.

Regionale Konzepte – wie stehen Sie zum gerade installierten Ampel­system? Ich sehe die „Ampel“ auch als Signal für die Bevölkerung, um sich besser orientieren zu können. Nur mit der Hilfe der Gesellschaft können wir Maßnahmen umsetzen, die eine Rückkehr in eine „Normalität“ermöglichen.

Stichwort Nightlife – Was können Sie Betreibern von Clubs oder Nachtlokalen mit auf den Weg geben? Angesichts der jüngsten Erkenntnisse haben es gerade diese Lokalitäten besonders schwierig. Mit der Poolbar haben wir im Sommer ein Leuchtturm-Projekt realisiert, das aufgrund der Konzerte im Außenbereich gut funktioniert hat. Im Winter haben wir weniger Möglichkeiten, Clubs oder das Nachtleben nach draußen zu verlagern. Es stehen auch weitere finanzielle Unterstützungspakete des Bundes für die Betroffenen Unternehmer im Raum.

Wie blicken Sie nächste Woche auf den Auftakt der Dornbirner Messe? Die Messe wird die größte Veranstaltung des Herbstes. Das Schutzkonzept sieht das Tragen der Maske und eine elektronische Registrierung vor. Wir müssen lernen, mit dem Virus umzugehen, wenn wir einen weiteren Shutdown verhindern wollen.

Wie gehen Sie mit Corona-Skeptikern und Verschwörungstheoretikern um? Wie weit darf die freie Meinungsäußerung gehen? Der Blick nach Deutschland hat schon irritiert. Jeder soll seine Meinung haben. Wenn aber Staatsverweigerer vor dem Reichstag mit Nazi-Flaggen aufmarschieren, muss ein Staat reagieren. Zumal viele dieser Gruppen versuchen, Menschen mit berechtigten Zweifeln für sich zu gewinnen und die Demos unterwandern. Wir beobachten die Situation in Vorarlberg sehr genau, in Bregenz waren ebenfalls schon auffällige Gruppierungen vor Ort, auf die der Verfassungsschutz ein Auge wirft. Wir werden auf jeden Fall verhindern, dass wir zur bodenseeübergreifenden Drehscheibe für Fanatiker werden.

Impfen ab Jänner: Wie sehen sie die Ankündigung von GM Anschober? Sind sie für eine generelle Impflicht? Ich war immer gegen eine Impfpflicht, jeder sollte selbst entscheiden. Wenn ein zugelassener und geprüfter Impfstoff verfügbar wird, würde ich mich persönlich impfen lassen. Berufsgruppen wie Ärzte oder medizinisches und pädagogisches Personal sollte auf jeden Fall zuerst mit den Impfstoffen versorgt werden.

Schulbeginn: Wie verhindert man die Gefahr einer „verlorenen Generation Corona“? Kinder und Jugendliche sind nicht die „primären“ Virenverbreiter. Unser Ziel muss sein, Schul- oder Klassenschließungen zu verhindern und im Falle einer Infektion gezielte Maßnahmen zu setzen. Hier spielt auch die Möglichkeit der Sonderbetreuungszeiten, im Falle dass ein Kind zuhause bleiben soll, eine wichtige Rolle. Unsere Jugend darf nicht zum großen Verlierer der Krise werden – das ist erklärtes Ziel.

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