Ampel: Vorarlberg stellt um

Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher bei der gestrigen Pressekonferenz. Grafik: asdf

Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher bei der gestrigen Pressekonferenz. Grafik: asdf

Die Landesregierung informierte gestern über die mit der verschärften Situationen einhergehenden Maßnahmen – Appell an Bevölkerung.

Die Vorarlberger Landesregierung hat nach der Umfärbung der Corona-Ampel für weite Teile des Landes damit zusammenhängende Maßnahmen empfohlen. Entsprechende rechtliche Grundlagen gebe es noch keine, wurde eingeräumt. Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) appellierte jedoch an die Bevölkerung, die Maßnahmen mitzutragen. „Wir brauchen die Mitarbeit der Bevölkerung“, unterstrich er. Stand die Corona-Ampel in Vorarlberg bis Montag noch für alle vier Bezirke auf „Grün“, präsentierte sich die Situation gestern auf dem Dashboard des Landes stark verändert. Der Bezirk Dornbirn war zur Gänze orange eingefärbt, ebenso Teile des Bezirks Bludenz. Feldkirch und Dornbirn waren komplett gelb gefärbt, dazu auch Teile des Bezirks Bregenz. Weiterhin „grün“ blieben lediglich der Bregenzerwald und Lech am Arlberg, das zum Bezirk Bludenz gehört.

Regionale Differenzierung

Public-Health-Experte Armin Fidler, der Vorarlberg in der Corona-Kommission des Bundes vertritt, stellte fest, dass „wir im Sommer vielleicht zu sorglos gelebt“ haben, verwies er auf strengere Corona-Maßnahmen in den Nachbarländern Deutschland, Schweiz und Italien. Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher (ÖVP) erläuterte das Zustandekommen der Ampelfarben und erklärte, dass die Letztentscheidung bei der Politik liege – die Corona-Kommissionen von Bund und Land würden lediglich Empfehlungen aussprechen. Das war auch die Erklärung dafür, dass nicht die gesamten Bezirke Bregenz und Bludenz „gelb“ bzw. „orange“ geschaltet wurden. „Wir haben regionales Datenmaterial zur Verfügung, das eine regionale Einschätzung erlaubt“, sagte Rüscher. Als empfohlene Maßnahmen für „gelbe“ und „orange“ Regionen nannte sie etwa das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes im Umgang mit Risikogruppen oder eine Kontaktdatenerhebung bei Veranstaltungen, deren Besucherkapazitäten eingeschränkt werden sollen. Für die Krankenhäuser des Landes gilt ein Besuchsverbot, die Ambulanzen stehen nur Notfällen und Überweisungs-Patienten offen. In den Sozialeinrichtungen sollen Besuche koordiniert und reduziert werden. Sportarten mit Körperkontakt – wie Fußball – sollen im „orangen“ Bezirk Dornbirn nicht ausgeübt werden. Die Umsetzung der Maßnahmen erfolge ab Mittwoch, so die Landesrätin. Wallner betonte, dass man sich in einer anderen Situation befinde als im Frühjahr, weil die Nachverfolgung der Fälle wesentlich besser gelinge und viel größere Testkapazitäten bestünden. Es sei jedoch keine Frage, dass das Virus beginne, „sich stärker auszubreiten“, sagte der Landeshauptmann. Auch im Bereich von Schule und Kinderbetreuung seien mittlerweile neun Fälle bekannt, „damit musste man rechnen“. Um die Infektionsketten noch schneller unterbrechen zu können, werde das Infektionsteam weiter aufgestockt und in die Messehalle 14 in Dornbirn umgesiedelt. Dort werden bis zu 92 Arbeitsplätze eingerichtet. Eine Prognose für die nächsten Wochen abzugeben sei schwierig. „Wir hoffen, das Risiko rechtzeitig erkannt zu haben“, setzte der Regierungschef auf die Mithilfe der Bevölkerung.

73.911 Corona-Tests wurden mit Stand gestern (16 Uhr) in Vorarlberg durchgeführt. 1441 der Tests lieferten ein positives Ergebnis. 1113 Menschen in Vorarlberg gelten wieder als genesen. 308 der Testpersonen sind noch aktiv positiv auf das Virus getestet.

Infos

Empfohlene Maßnahmen
Es handelt sich dabei um dringende Empfehlungen und keine gesetzlichen Vorschriften. Die Landesregierung appelliert aber an die Bevölkerung, diese Empfehlungen einzuhalten.


Zusätzlich bei „Gelb“:
• Mundschutz beim Kontakt mit
Risikogruppen
• Bei Veranstaltungen sollen Kontaktdaten der Besucher erhoben werden
• Kinderbetreuung vermehrt im Freien
• Kontaktdatenerhebung bei
Sozialeinrichtungen
• Anwesenheitlisten bei Proben im
Kulturbereich
• Konstante Trainingsgruppen im Sport (keine Durchmischung)

Zusätzlich bei „Orange“:
• Mundschutz in allen öffentlichen Bereichen in geschlossenen Räumen (auch in der Gastronomie abseits des Sitzplatzes)
• Mundschutz auch im Freien, wenn der Abstand nicht eingehalten werden kann
• Bei Veranstaltungen ohne zugewiesene Sitzplätze nur 25 Gäste Indoor und 50 Outdoor bzw. 200/500 bei zugewiesenen Sitzplätzen
• kein Gastro-Betrieb bei Veranstaltungen
• Besuchsverbot bei Spitälern (gilt für alle Krankenhäuser)
• Schulbetrieb mit erhöhten Schutzmaßnahmen
• Kultur: Anwesenheitslisten bei Proben. Chor-, Theater- und Blasmusikproben nur in Kleingruppen
• Sport: Kein Training bzw. keine Sportausübung mit Körperkontakt
• Auch Messeveranstaltungen nur noch mit 250 Besuchern

Weitere Infos zum Gastronomie-Betrieb auf Seite 16.