ÖGB: „Coronakrise verschärft Armut“

Reinhard Stemmer, ÖGB-Landesvorsitzender, fordert „nachhaltige Maßnahmen und eine Millionärssteuer, um die soziale Ungleichheit nicht weiter ausufern zu lassen“.

Die Corona-Pandemie hat die soziale Ungleichheit weiter verstärkt. Das zeigt eine aktuelle Studie der österreichischen Armutskonferenz. Eine weitere Studie hat außerdem ergeben, dass Superreiche in der Krise noch reicher wurden. „Diese soziale Ungerechtigkeit muss dringend ausgeglichen werden, sonst droht die Schere zwischen Arm und Reich noch weiter auseinanderzugehen“, warnt ÖGB-Landesvorsitzender Reinhard Stemmer. „Es braucht zudem nachhaltige Lösungen zur Bewältigung der Arbeitsmarktkrise – die Einmalzahlungen der Bundesregierung sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein!“

70.000 Vorarlberger
sind armutsgefährdet

Nach wie vor sind in Vorarlberg über 14.000 Menschen auf Arbeitssuche – die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist Ende September auf über 2400 gestiegen. „Viele Menschen stehen vor einer Existenzkrise. Jene, die sich bereits vor der Krise am Arbeitsmarkt schwergetan haben, sehen sich nun mit großer Perspektivenlosigkeit konfrontiert. Hinzu kommen jene, die während der Krise ihren Job verloren haben und aufgrund der geringen Personalnachfrage ebenfalls in die Langzeitarbeitslosigkeit abzurutschen drohen“, blickt Stemmer kritisch auf die derzeitige Arbeitsmarktlage. Laut dem jüngsten Bericht der Armutskonferenz sind in Vorarlberg fast 70.000 Menschen armutsgefährdet. Und die Zahl dürfte mit Fortdauer der Krise weiter steigen. Um die sozialen Folgen abzufedern, würden die Einmalzahlungen der Bundesregierung nicht ausreichen, ist Stemmer überzeugt. „Es braucht nachhaltige Maßnahmen im Kampf gegen die ansteigende Armut und soziale Ungleichheit. Bislang ist der Regierung dazu nicht viel eingefallen.“ Der ÖGB-Landesvorsitzende fordert die Einführung einer bundesweiten Arbeitsstiftung, um speziell ältere Personen aufzufangen. Zudem müsse die Nettoersatzrate des Arbeitslosengeldes auf 70 Prozent angehoben werden. Schließlich könnte durch eine Arbeitszeitverkürzung die noch vorhandene Arbeit besser verteilt werden, um wieder mehr Menschen in Beschäftigung zu bringen. Die Finanzierung der Krise müsse dabei gerechter verteilt werden, damit die Schere zwischen Arm und Reich nicht noch weiter auseinandergeht.

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