„Kinderschutz geht uns alle etwas an!“

LR Katharina Wiesflecker appelliert an alle betoffenen Familien, sich Hilfe zu holen. Foto: handout/VLK

LR Katharina Wiesflecker appelliert an alle betoffenen Familien, sich Hilfe zu holen. Foto: handout/VLK

Landesrätin Katharina Wiesflecker im Interview zur Wiederaufnahme der Kinderschutz- Kampagne.

Frau Landesrätin, die Kampagne zum Schutz der Kinder vor Gewalt wurde eigentlich im Frühjahr beendet. Warum haben Sie sich entschlossen, die Kampagne nun wiederaufzunehmen? Nach dem zweiten Lockdown Ende November und dem Ausfall des Unterrichts an den Schulen verstärkten sich die Wahrnehmungen, dass die Stimmung in den Familien angespannter wurde. Homeoffice und Homeschooling bedeuten, dass viel Zeit miteinander daheim verbracht wird. Nicht alle haben dafür gute Voraussetzungen. Es gibt Studien, wo jedes vierte Kind angibt, dass es zu Hause zu mehr Streitigkeiten käme. Wir möchten mit der Wiederaufnahme der Kampagne zeigen, dass es Alternativen zu möglicher Gewalt gibt. Bevor ein Streit eskaliert, ist es zum Beispiel besser, an die Luft zu gehen und eine Runde zu machen. Und wenn es nötig ist, sollte man sich unbedingt professionelle Hilfe holen.

Wie sieht es in Corona-zeiten damit aus? Sind die Beratungsstellen offen? Und wohin kann man sich ­wenden? Es ist mir ganz wichtig zu betonen, dass alle Beratungsangebote, aber auch die öffentliche Kinder- und Jugendhilfe offen haben. Auch zwischen den Feiertagen sind die Unterstützungsangebote geöffnet. Alle Ansprechpersonen und Adressen finden sich auf der Seite von Kinderschutz Vorarlberg unter vorarlberg.at/kinderschutz.

Viele Eltern haben Hemmungen, sich Hilfe zu holen, sie schämen sich, dass sie gegenüber ihren Kindern Aggressionen haben. Was raten Sie diesen Erziehungsberechtigten? Es muss sich niemand schämen, wenn er oder sie sich Hilfe und Unterstützung holt. Es ist für uns alle eine wirklich schwierige Zeit: Stress, Zukunftssorgen, Angst um die Gesundheit, finanzielle Nöte – das alles kann zusammenkommen. Dazu kommt noch die dunkle und kalte Jahreszeit, in der man sich auch nur bedingt im Freien aufhalten kann oder mag. Ich kann an dieser Stelle nur alle auffordern, sich die Hilfe zu holen, die es braucht. Unsere Beratungsstellen sind in der Regel ganz niederschwellig und bieten einen unkomplizierten Zugang. Es gibt auch die Möglichkeit der anonymen Beratung. Aber auch alle Menschen, die beruflich mit Kindern zu tun haben, wie bspw. KleinkindbetreuerInnen, KindergartenpädagogInnen oder Lehrpersonen, können sich an die Beratungsstellen wenden, wenn sie das Gefühl haben, dass womöglich Gewalt im Spiel ist. Generell gilt: Kinderschutz geht uns alle etwas an, schauen Sie hin! MH

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