Verbliebene in Mariupol hoffen auf Evakuierung durch das Rote Kreuz.

Russland nimmt Südukraine ins Visier

Ein Mädchen schaut durch das Fenster eines Busses, der sie aus Mariupol bringt. Die Evakuierungen stocken. Fotos: AFP

Ein Mädchen schaut durch das Fenster eines Busses, der sie aus Mariupol bringt. Die Evakuierungen stocken. Fotos: AFP

Die geplante Evakuierung der Menschen über Flucht-korridore gestaltet sich weiter extrem schwierig.

Im Ukraine-Krieg hat Russland seine Angriffe gestern auf den Süden des Nachbarlands konzentriert. In der stark zerstörten Stadt Mariupol hofften viele der verbliebenen Einwohner auf einen neuen Versuch des Roten Kreuzes, mit Bussen evakuiert zu werden – zunächst vergeblich. Parallel dazu war nach Angaben von Vize-Ministerpräsidentin Irina Wereschtschuk geplant, Menschen in Privat-
autos aus Mariupol herauszubringen. Ähnliche Fluchtkorridore sollte es in weiteren umkämpften Städten geben, darunter im westlich von Mariupol gelegenen Berdjansk.

Explosionen bei Dnipro

Weiter nördlich, aus der Umgebung von Dnipro, wurden in der Nacht auf gestern schwere Explosionen gemeldet, wie das Online-Portal „Ukrajinska Prawda“ unter Berufung auf die Gebietsverwaltung berichtete. Auch die Umgebung der südukrainischen Stadt Krywyj Rih wurde demnach mit Mehrfachraketenwerfern vom Typ Grad (Hagel) beschossen. Wie alle Berichte aus den Kampfzonen waren die Angaben nicht unabhängig überprüfbar. Am Freitagabend wurde auch die Hafenstadt Odessa am Schwarzen Meer mit Raketen angegriffen. In der Nähe von Dnipro wurde nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums ein Militärflugplatz zerstört, ebenso wie ein weiterer bei Poltawa. Insgesamt seien innerhalb eines Tages 67 militärische Objekte zerstört worden, darunter auch Munitionslager, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Zudem seien zwei Kampfhubschrauber vom Typ Mi-24 sowie 24 Drohnen abgeschossen worden.

Parallel zu den Kämpfen liefen im Hintergrund auch weitere Verhandlungen zwischen den Kriegsparteien. Zum Stand der Gespräche, die in der Regel per Videoschalte stattfinden, wurde aus den Delegationen bis Redaktionsschluss nichts bekannt.