KOPFSTÜCKE

Vom Wählen



Ich weiß schon, die heurige Nationalratswahl ist eine vorgezogene. Über die Gründe der Vorverlegung wurde schon trefflich analysiert, geredet, geschimpft und geschrieben. Also lass ich all das. Nur eine Bemerkung sei mir dazu gestattet. Obwohl von Scheidung die Rede war: Scheidung war der Bruch der Koalition im heurigen Frühjahr – Sie erinnern sich? – keine.

Ich hatte nie das Gefühl, dass eine Koalition eine Ehe wäre. Wenn ein großer Teil der österreichischen Politiker sogar gegen die Homoehe ist, wieso sollte denn das gemeinsame Regieren so etwas wie eine Ehe sein? Wer Regierungen mit einer Ehe vergleicht, irrt. Und wer ihr Scheitern mit einer Scheidung gleichtut ebenso. Regierungskoalitionen sind reine Arbeitsübereinkommen zwischen zwei – vielleicht nach der nächsten Wahl drei – Parteien. Die, so hoffe ich als unverbesserlicher Optimist immer noch, das Beste fürs Land wollen. Und weniger für den eigenen Machterhalt oder gar das eigene Bankkonto. Wobei, kann man sich da sicher sein? Einiges ist in diesem Zusammenhang ja durch Untersuchungsausschüsse und diverse Gerichte aufzuarbeiten. Es bleibt nur zu hoffen, dass dies auch gelingt.

Weil etwas ist schon eigenartig. Entscheidungen, so weltfremd und ins Geld gehend sie auch sind: sie haben wenig Konsequenzen. Gut, manch einer wird abgewählt. Aber sonst? Auf den Kosten bleiben die Generationen sitzen, die nachfolgen. Aber so richtig gerade stehen für eine große Fehlentscheidung? Fehlanzeige. Mir jedenfalls ist nichts bekannt. Also was tun am 15. Oktober 2017? Ganz einfach: wählen gehen. Alle Wahlmüden können sich ja damit trösten, dass wir nach alter Wahlordnung sowieso alle vier Jahre wählen gehen konnten.

Erst durch die Verlängerung der Legislaturperiode wurden fünf Jahre daraus. Jetzt sind es halt wieder nur vier. Und im Übrigen haben Sie Recht: Wer das Kreuz überhaupt und an der richtigen Stelle macht beweist Verantwortung. Soviel sollte uns die Demokratie wert sein. Oder?

In „Kopfstücke“ hat der Gastkommentator
Peter Kopf Raum für seine persönliche Meinung.
Diese muss nicht mit der der

Redaktion übereinstimmen.

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