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4321

Vor Kurzem habe ich ein Buch gelesen, dass ich zu den wichtigsten Büchern zähle, die ich lesen durfte. Den Titel finden Sie in der Überschrift: 4321. Der Autor heißt Paul Auster. Ich habe das Buch verschlungen. Ja, ich weiß, man soll nicht schlingen. Das hat mir schon meine Mutter beigebracht. Vor allem nicht dann, wenn es viel zu essen gibt. Gerade dann soll man langsam sein. Und auch dieses Buch hat es in sich, wenn man den Umfang betrachtet. 1250 Seiten sind nicht ohne. Aber diese 1250 Seiten lohnen sich.

Jede einzelne. Keine Angst, Sie bekommen jetzt keine ausführliche Rezension von mir geliefert. Ich wüsste nicht, wo anfangen und wo aufhören. Ich beschränke mich auf zwei Passagen, die es mir angetan haben. Die erste. Hallie Doyle, eine junge, engagierte Frau, meint in einer Diskussion, in der es darum geht, ob man anderen helfen soll oder zuerst die Gesellschaft verbessern muss, dann würde es den Menschen automatisch auch besser gehen, lapidar: „Nur zu, verbessert ihr die Gesellschaft aber bis dahin helfe ich den Menschen, die leiden. Ich muss meine Arbeit tun.“ Der Satz sitzt. Und drückt genau das aus, was viele Menschen tun. Helfen und nicht darauf warten, dass sich die Gesellschaft ändert. Gerade heute, wo jeder, der sehen will, sieht, dass sich die Gesellschaft nicht unbedingt verbessert. Oder sind Sie da anderer Meinung? Obwohl ich immer schon ein verzweifelter Optimist war, kommt mir der langsam abhanden.

Und im Übrigen haben Sie Recht: Ich bin Ihnen noch die zweite Passage aus dem wunderbaren Buch schuldig. Als ein junger Mensch durch seine eigene Verträumtheit bei einem Unglücksfall ums Leben kommt, schreibt Auster: „Die Götter sahen von ihrem Berg hinunter und zuckten die Achseln.“ Das sind Sätze für die Ewigkeit. Am besten Sie besorgen sich das Buch und lesen selbst.


In „Kopfstücke“ hat der
Gastkommentator Peter Kopf Raum
für seine persönliche Meinung.
Diese muss nicht mit der der
Redaktion übereinstimmen.