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Böse Kartoffel

Kennen Sie Topsy Küppers? Sie ist eine – ich glaube man darf’s sagen – ältere Dame, Schauspielerin und offenbar eine mit Humor gesegnete Frau. Ich habe ihr im heurigen Fasching im Radio zugehört. Da hat sie darüber geredet. Über Humor nämlich. Und sie hat mich so richtig zum Lachen gebracht. Sie müssen nämlich wissen, dass Frau Küppers Kartoffeln liebt. Drei Mal in der Woche isst sie welche. Mindestens. Und das soll zum Lachen sein? Nein, so schnell bringt man auch mich, der sehr gerne lacht, nicht dazu. Aber der Reihe nach. Frau Küppers hat in ihrem Beitrag über eine Heilige geredet. Hildegard von Bingen. Die ist wohl vielen von Ihnen bekannt. Und eben diese Heilige soll eines der Lieblingsgerichte von Frau Küppers, die Kartoffel, als giftig bezeichnet haben. Viele glauben das ja. Wer sich aber kundig macht und, wie Frau Küppers, googelt, der staunt. Die Kartoffel kam 1630 nach Europa. Und wissen Sie, wann die heilige Hildegard von Bingen gelebt hat? Richtig, von 1098 bis 1179. 451 Jahre bevor die Kartoffel den Weg zu uns gefunden hat. Und da soll sie schon gewusst haben, dass unsere köstliche Kartoffel giftig ist? Das glaubt wohl keiner, der lesen und rechnen kann.

Mit der Biografie von Hildegard von Bingen wird es wohl auch so sein wie mit vielen anderen Lebensdarstellungen. Da wird posthum vieles hineingeschrieben, was der Schreiber oder die Schreiberin sich selbst ausdenken oder wünschen. „Kartoffeln sind giftig?“ „Lassen wir das doch Hildegard von Bingen sagen!“ Viele glauben daran was sie sagt und sie selbst kann sich nicht mehr wehren.

Und im Übrigen haben Sie Recht: Schon mein Vater hat gemeint, dass die Steigerung von Lüge Wahlrede und dann Grabrede ist. Wenn einmal einer tot ist, dann muss er halt vieles über sich ergehen lassen. Im Guten wie im Schlechten.

In „Kopfstücke“ hat der Gastkommentator
Peter Kopf Raum für seine persönliche
Meinung. Diese muss nicht mit der der Redaktion übereinstimmen.