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Sommer in Island

Ich weiß, Island ist nicht die erste Destination, an die wohl die meisten von uns denken, wenn wir unseren Sommerurlaub planen. Und die Isländer sollen mittlerweile beinahe froh um jeden sein, der nicht zu ihnen kommt. Die Insel im Atlantik wird nämlich seit einigen Jahren von Menschenmassen geradezu überrollt. Dabei ist Island aber sehr dünn besiedelt. Das liegt an der unwirtlichen, von Vulkanen geprägten, Landschaft. Die 350.000 Einwohner – das entspricht in etwa der Einwohnerzahl von Vorarlberg – konzentrieren sich zu mehr als 60 Prozent auf die Region um die Hauptstadt Reykjavik. Wer also Island einen Besuch abstattet, der muss die Insel mit den vielen anderen teilen. Da fühlen sich manche Isländer überfordert.

Und dabei ist Island ein wunderbares Land mit einer sehr feinen und sympathischen Bevölkerung. Ich durfte vor einigen Jahren Land und Leute ein wenig kennen lernen.

Bei dieser Gelegenheit habe ich etwas erfahren, das mich in großes Erstaunen versetzt hat. Wer in Island als Schüler oder Schülerin im Sommer keinen Ferialjob hat, der wird schief angeschaut. Zu Zeiten der Finanzkrise, vor etwa zehn Jahren, halfen die Kommunen aus und stellten Ferialjobs in ausreichendem Maß zur Verfügung. Heute, da die Wirtschaft und auch der Tourismus florieren, suchen diese zum Teil händeringend nach jungen Menschen, die im Sommer mithelfen. Da tun sich mittlerweile die Kommunen schwer, genügend Leute zu finden.

Warum ich Ihnen das erzähle? Weil ich hierzulande eine andere Erfahrung mache. Nein, auch die hiesige Wirtschaft, der Tourismus und die Kommunen stellen Ferialer ein. Ich höre aber von vielen Eltern, dass ihre Jugendlichen daran gar kein Interesse haben. Nach einem anstrengenden Schuljahr sei jetzt einmal chillen angesagt.

Und im Übrigen haben Sie Recht: Das verstehe ich. Wir Menschen brauchen beides. Arbeit und Erholung. Warum die Erholung aber neun Wochen dauern soll, das erschließt sich mir nicht. Halbehalbe wäre doch eine gute Mischung. Oder?

In „Kopfstücke“ hat der
Gastkommentator Peter Kopf Raum
für seine persönliche Meinung.
Diese muss nicht mit der der
Redaktion übereinstimmen.