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Lkw-Stau

Sehr geehrter Herr Mag. Rüdisser, sehr geehrter Herr Spalt! Ich schreibe Ihnen als die für die Verkehrsplanung im Land und in der Stadt Feldkirch zuständigen Politiker. Die Just-In-Time Produktion sowie der von Ihnen betriebene Ausbau von Verkehrswegen, führen zu einer steten Zunahme des Lkw-Verkehrs. In unserem Nachbarland Schweiz haben Verkehrspolitiker erfolgreich Maßnahmen ergriffen, den Lkw-Verkehr zu vermindern. In Tirol ist man dabei, die Bevölkerung vor Auswüchsen ständig wachsenden Verkehrs zu schützen. Anders der weltweit wahrscheinlich einmalige Ansatz, den Sie seit vielen Jahren beim Transit durch Vorarlberg in die Schweiz und Liechtenstein verfolgen: Sie leiten den Schwerlastverkehr von den Autobahnen herunter und lassen ihn in die grenznahen Wohngebiete sickern, wo er dann quälend langsam über die Grenze tröpfelt. So stehen an fast jedem Werktag am Morgen Lkws vor unserer Haustüre in Tisis (wie auch in anderen grenznahen Orten), die Nebenstraßen, Busbuchten und Hauseinfahrten zuparken sowie Lärm und Gestank mit sich bringen. „Stop-and-go“-Verkehr setzt um ein Vielfaches mehr Schadstoffe frei als rollender Verkehr. Im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung zum Feldkircher Stadttunnel wurden Sie darauf hingewiesen, dass es doch nicht anginge, eine Viertelmilliarde in den Bergen Feldkirchs zu versenken und dann jeden Morgen, da im Tunnel kein Rückstau erlaubt ist, den Tunnel für Lkws zu sperren und den Lkw-Verkehr wie bisher durch die Stadt zu leiten. Bei der kürzlich stattgefundenen Verhandlung zum Tunnelprojekt in Wien ging es auch um die Frage, ob jene Maßnahmen, die den Lkw-Transit beschränken, jetzt schon oder erst nach Inbetriebnahme des Tunnels zu tätigen sind. Dabei haben Sie energisch die Position vertreten, erst nach der Tunnel-Eröffnung, wenn überhaupt, eine Lösung dafür anzubieten, obwohl klar ist, dass während der Bauphase (mindestens zehn Jahre) das Verkehrschaos und die Belastung der Anwohner durch zusätzlichen Baustellenverkehr und Straßensperren erheblich zunehmen werden. Ihre Weigerung, eine akzeptable Lösung des Lkw-Transits anzustreben, schadet aufgrund überlanger Stehzeiten sowie erhöhten Treibstoffverbrauchs auch der Wirtschaft. Die grenznah wohnende Bevölkerung würde es Ihnen danken, wenn Sie Ihre Position auch im Lichte der neuen Klimapolitik des Landes überdenken würden.
 
 Dr. Johann Feichter,  Feldkirch-Tisis

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