Schöne neue Welt

Ob sie schön wird, die neue Welt, das werden wohl die Historiker in vielen Jahren zu beurteilen haben. Wer aber heute schon Meldungen über die aktuelle Welt liest, der zweifelt daran. Dabei rede ich heute gar nicht vom Klimawandel oder von extremen politischen Positionen oder dem bewussten Ausgrenzen ganzer Gruppen. Armut und der mangelnde Willen diese zu bekämpfen wäre ein weiteres Thema.

Nein, heute geht es um die freiwillige und in vielen Ländern mittlerweile erzwungene Aufgabe der eigenen Persönlichkeitsrechte. Mich erschreckt es mit welcher Selbstverständlichkeit wir unsere Daten hergeben. Sei es in den sozialen Medien oder dann, wenn wir Alexa oder Siri einen Auftrag geben. Die Konzerne dahinter hören mit und können mit den freiwillig gelieferten Daten weit mehr anfangen als wir denken. Algorithmen sind die Übersetzer, die den Datenimperien helfen uns zu analysieren um uns wirtschaftlich möglichst optimal zu nutzen. Dabei sind Algorithmen sehr oft hilfreich. Im Navi zum Beispiel. Sie können aber auch unsere Verhaltensweise aufschlüsseln und helfen uns zu steuern, zu beeinflussen oder berechnen, was wir selbst noch nicht von uns wissen. Sicher kennen Sie das. Sie suchen im Internet nach einem neuen Auto und erhalten flugs auch noch ein Angebot für eine dazugehörende Versicherung geliefert.

Im Reich der Mitte geht ein Finanzdienstleister noch weiter. Wenn Sie dort einen Versicherungsvertrag abschließen oder einen Kredit aufnehmen möchten, dann wird das Beratungsgespräch im Rahmen einer Videokonferenz durchgeführt. Dabei können ganz nebenbei der Body-Mass-Index und das Alter eingestuft werden. Und mittels Gesichtserkennung lässt sich die Glaubwürdigkeit der potentiellen Kunden feststellen. Besser als das jede Beratung von Angesicht zu Angesicht kann. Und auf Grund dieser Daten wird dann entschieden, ob Sie die Versicherung oder den Kredit zu welchem Preis oder überhaupt nicht bekommen.Und im Übrigen haben Sie Recht: Daten preiszugeben will überlegt sein und öfter mal den Stecker ziehen ist eine sinnvolle Sache.




In „Kopfstücke“ hat
Gastkommentator Peter Kopf
Raum für seine persönliche
Meinung. Diese muss nicht mit
der Redaktion übereinstimmen.

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