Ausnutzen der Parkplatznot

Bezugnehmend auf den Leserbrief von Herrn Michael Zündel (W&W, 9. 2. 2020), möchte ich gerne noch was ergänzen: So wie es Ihnen ergangen ist, ging es mir im Dezember 2019. Und so wie es uns beiden gegangen ist, geht es täglich wohl auch weiteren „Parksündern“. Das Ganze hat System und der besagte Besitzer in der Galuragasse 1 ist mittlerweile berühmt-berüchtigt. Die Beschilderung mit Parkverbot und Besitzstörungsklage ist absichtlich irreführend nicht auf dem Parkplatz oder zur Einfahrt auf den Parkplatz, sondern auf der gegenüberliegenden Straßenseite zur Einfahrt zum Finanzamt an der Gartenmauer der Galuragasse 3 angebracht. Kein normal denkender Zeitgenosse bringt diese Tafeln in Verbindung mit dem Parkplatz. Einziger, absichtlich klein gehaltener Hinweis auf dem Parkplatz, ist ein A4 großer Hinweis „Parken verboten“, angebracht an der Holzwand des Hauses Galuragasse 1. Herr Zündel, Sie machten den Vorschlag, der Besitzer könnte doch mit dem Finanzamt über die offizielle Benutzung verhandeln, natürlich gegen Entgeld. Naja, schön blöd wär er. Warum soll er um Krümeln verhandeln, wenn er wahrscheinlich monatlich die große Kohle steuerfrei absahnen kann. Wie ich darauf komme? Lassen wir mal den Gedanken freien Lauf: Bei lediglich zwei Parksündern täglich, sind das 180 Euro pro Tag (90 Euro pro Sünder). Bei 20 offenen Arbeitstagen des Finanzamtes sind das 3600 Euro pro Monat. Bei drei Sündern wären das schon 5400 Euro! Dabei ist der Aufwand nicht mal groß. Eine Kamera, die automatisch jedes einfahrende Auto aufnimmt und am Abend eine halbe Stunde, um dem beteiligten Anwalt die Bilder­sammlung zukommen zu lassen. Übrigens der Anwalt erhält den selben Betrag, 90 Euro pro Parksünder. Da kommt schon fast Bewunderung und Neid für diese Herrschaften auf. Was ich schade finde, ist, dass sich Rechtsanwälte für solch zwielichtige Aktionen hergeben und somit den Anwaltsberuf ins schiefe Licht rücken. Denn eigentlich müsste man solchen Machenschaften, wie jenen dieses Parkplatzbesitzers, das Handwerk legen. Ja, das Ganze hat System und ist gewollte, unverschämte Abzocke in Großformat. Herr Zündel, Sie finden solche Vorgehensweisen moralisch höchst bedenklich? Ja, das finde ich auch!

 
 Bruno König, Altach