Und dann hat sie doch glatt…

Kennen Sie das? Sie spazieren durch eine Stadt, durch einen Park, am See entlang oder durch eine Fußgängerzone. Auf Ihrem Weg begegnen Ihnen viele Menschen. Und tun, was Menschen so tun. Sie reden miteinander. Keineswegs wollen Sie diese Gespräche belauschen. Dazu sind Sie viel zu diskret. Das bleibt aber häufig ein frommer Wunsch. Ungewollt hören Sie mit, was sich da so erzählt wird. Aber halt nur ein Stückchen. Gesprächsfetzen nennt man das auch. Sie schnappen nur Bruchstücke eines Gesprächs auf, aus denen sich kein erkennbarer Zusammenhang erschließt.

So in etwa in der Art: „Und dann hat sie doch glatt…“ oder „Wenn morgen die Tante Anni nicht…“ oder „Weißt du schon, dass du immer…“ Manchmal ganz ruhig, nicht selten aber ziemlich laut und aufgeregt vorgetragen. Hie und da würde man dann gerne umkehren, um die Fortsetzung des Gesprächs zu erlauschen; Ich weiß schon, das tut man nicht. Öfter aber bin ich sehr froh, wenn ich nur diese paar Worte aufschnappen musste. Es genügt mir zu hören, was die „Tante Anni morgen nicht …“ oder „was er immer …“. Ich mache mir aber häufig das Vergnügen, die Sätze für mich fertig zu denken. „Und dann hat sie doch glatt … gemeint, dass sie viel mehr verdienen müsste als ich!“ oder „Wenn morgen die Tante Anni nicht … kommt und die ausgeliehene Salatschüssel zurückbringt, dann stelle ich sie zur Rede!“ Wenn mir das nicht reicht, wird auch manchmal eine längere Geschichte daraus. Vor allem dann, wenn ich allein unterwegs bin und mir die Zeit vertreiben möchte. Eine spannende Geschichte hat sich aus „Weißt du schon, dass du immer …“ entwickelt. Weil der Platz dafür zu kurz ist, um sie fertig zu erzählen, überlasse ich die Fortsetzung Ihrer Phantasie.

Und im Übrigen haben Sie Recht: Ich bin schon sehr auf Ihre Version gespannt 😉


In „Kopfstücke“ hat der
Gastkommentator Peter Kopf Raum
für seine persönliche Meinung.
Diese muss nicht mit der der
Redaktion übereinstimmen.