Gesundheits­system, Schelling

Ich lese, dass der ehemalige Finanzminister Schelling ein „Weißbuch“ initiiert hat. Mit der Mitwirkung von 300 Expertinnen zur Erstellung eines Konzeptes für das Gesundheitssystem. Jeder, der das Spitalsystem und das niedergelassene System durchlaufen hat, kennt die Problematik: Die getrennte Finanzierung des ambulanten Bereiches. Eine Änderung würde schlagartig die Ambulanzen entlasten. Die Deutschen haben das in den 70er-Jahren gemacht. Die Limitierungen bei der Facharztausbildung, was Österreich – trotz früherer Ärzteschwemme und die ältesten Neo-Fachärzte Europas – einen Fachärztemangel beschert hat und was es in dieser Form im Ausland nicht gibt. Die Limitierung der Hausärzte bezüglich ihrer Leistungen, was das österreichische „Herumschicksystem“ verursacht hat. Die Schweiz ist einen anderen Weg gegangen. Herr Schelling war der Vorsitzende des Hauptverbandes der Sozialversicherungen. Meines Erachtens ist da keine echte Reform passiert. Laut Medien wurden uns Ärzten auf Vorschlag von Herrn Schelling von SPÖ und ÖVP Scheinpatienten geschickt, die auf krank gemacht haben, um zu sehen, ob wir Krankenstand ausstellen oder falsche Leistungen verrechnen. Und nun gibt es ein Weißbuch, welches den Regierungen übergeben werden soll. Da kommt man aus dem
Staunen nicht heraus.
 
 Dr. Kurt Sandholzer

 Facharzt für Orthopädie und  Unfallchirurgie, Götzis

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