Über Nacht Risikogruppe

Ende Februar dieses Jahres wurde ich 65 Jahre alt. Am 1. März ging ich in Pension. Das ist mittlerweile schon einige Monate her. Ich kann Ihnen versichern, man gewöhnt sich daran. Aber gleichzeitig mit meiner Pensionierung begann auch die Corona-Krise, die uns leider immer noch mehr beschäftigt als wir damals meinten. Hoffnung ist angebracht. Und Gott sei Dank gibt es die.

Was mich aber in der Zeit aufgeschreckt hat ist noch etwas. Über Nacht gehörte ich zur Risikogruppe der über 65jährigen. Das saß. Plötzlich war ich einer von den Menschen, auf die man schauen soll, auf die man achten muss. Und das war nur meinem Geburtsdatum geschuldet. Vorerkrankungen habe ich keine. Ich versuche mich halbwegs fit zu halten, war und bin wann immer es geht draußen. Laufe, fahre Rad, spaziere viel. Ein Freund von Ausschweifungen war ich noch nie. Gut, auch ich habe manchmal über die Stränge geschlagen. Aber darüber wollen wir jetzt nicht sprechen…

Und trotzdem, ich gehöre zur Risikogruppe. Da nützt es auch nichts mit Augenzwinkern zu sagen, dass sechzig das neue vierzig ist. Das zieht nicht. Vor allem auch deshalb, weil ich mir mit vierzig nicht ausmalen konnte, dass ich einmal 65 sein werde. Gehofft, dass ich dann noch lebe, ja, das habe ich schon. Aber mir vorstellen können, dass ich es bin? Wirklich nicht. Und jetzt bin ich es. Und wenn ich ganz ehrlich bin, dann hoffe ich, dass noch viele Jahre dazu kommen. Während ich das schreibe sitze ich in meinem Arbeitszimmer, draußen scheint die Sonne von einem blitzblauen Himmel. Die Luft ist noch kühl, wie sie es am frühen Morgen sein soll.

Und im Übrigen haben Sie Recht: Heute gibt es noch einiges zu tun für mich. Wie vermutlich auch für Sie. Gleichgültig ob wir einer Risikogruppe angehören oder nicht. Legen wir los.


In „Kopfstücke“ hat ­Gastkommentator Peter Kopf
Raum für seine persönliche ­Meinung. Diese muss nicht mit der Redaktion übereinstimmen.

Wann & Wo | template