„Waren entsetzt und zutiefst beunruhigt“

„Henriettes Kinderbasar“schockiert, teilt aber auch ­Präventionsvideos.  Fotos: Facebook

„Henriettes Kinderbasar“schockiert, teilt aber auch ­Präventionsvideos.  Fotos: Facebook

Geteilte Kinderfotos auf Facebook – und das ohne Einverständnis der Eltern: ­Raphaela aus ­Bludenz wandte sich aus ­aktuellem Anlass an WANN & WO.

Bizarre Horror-Clowns, ­Kinderfotos, wohin das Auge reicht und im Titelbild der Spruch „Stell deine Privatsphäre um, sonst leck ich deine Kinder an“. Die Facebook-Seite „Henriettes Kinderbasar“ mag auf den ersten Blick verwirren oder gar auf illegale Aktivitäten schließen lassen, auf den zweiten Blick jedoch wird klar, was dahintersteckt: Der „Kinderbasar“ will mittels Schock­therapie Eltern klarmachen, was alles passieren kann, wenn sie Kinderfotos öffentlich einstellen. Dazu teilen sie die Bilder verschiedenster Profile auf ihrer Seite.

Eigenes Familienbild ­auf fremder Seite entdeckt

Die 27-jährige Raphaela aus ­Bludenz wandte sich an W&W: Ihr ­Bruder fand ebenfalls ein Familienfoto bei „Henriettes Kinderbasar“ wieder. Da dieser anonym bleiben möchte, sprach Raphaela mit W&W über den Vorfall. „Mein Bruder hatte ein Familienbild mit sich, seiner Frau und seinen Kindern, welche ebenfalls meine Gotakinder sind, als sein Profilbild auf Facebook eingestellt. Da die Personen auf dem Foto vollständig bekleidet waren, konnte er nichts Schlimmes daran erkennen“, erzählt die Bludenzerin. Eines Tages jedoch kommentierte eine fremde Person einen öffentlichen Beitrag auf seiner Seite: „Diese legte ihm nahe, dass er die Seite ‚Henriettes Kinderbasar‘ besuchen soll, da dort sein Profilfoto geteilt worden sei.“ Der Familienvater fand tatsächlich sein Bild auf der ihm bis dato unbekannten Seite. „Wir waren entsetzt und zutiefst beunruhigt. Mein Bruder teilte den Betreibern mit, dass sie den Beitrag löschen sollen, da er bereits Kontakt mit seinem Anwalt aufgenommen hätte.“ Doch die Aktivisten berührte diese Drohung nur wenig. Inzwischen hat der Bludenzer das Foto entfernt.

„Rechtslage ist ­einfach“

W&W schrieb „­Henriettes Kinderbasar“ auf Facebook an und erhielt eine Antwort eines Admins. „Wir sind nur ein paar, sagen wir, ‚anonyme Aktivisten‘. Es gibt unser Projekt schon seit mehreren Jahren unter verschiedenen Namen. Erst haben wir versucht, die Problematik von öffentlich geteilten Kinderbildern im Internet freundlich mit den Leuten zu besprechen. Die Folge waren stets dieselben Antworten, wenn nicht Beleidigungen, selbst aus dem eigenen Familien- oder Bekanntenkreis.“ So entstand der Beschluss, zu härteren Mitteln zu greifen. „Die Rechtslage ist eigentlich ganz einfach – wenn die User sich mal mit den Facebook AGB’s befassen würden“, so der Admin. „Die Fotos auf unsere Seite sind öffentliche Bilder, die jeder teilen darf. Man sollte sie nur nicht mit bösen Überschriften usw. verunglimpfen, was wir aber auch nicht machen. Die Kommentare bei den Beiträgen sind harmloser Natur und geben einen entsprechenden Kick zu unserer ‚Schocktherapie‘ dazu“, erzählt er weiter. „Wir greifen nur ein, wenn die Kommentatoren zu Beleidigungen und/oder Drohungen greifen, denn sowas geht überhaupt nicht. Die Person wird von uns erst abgemahnt und, sollte sie nochmals auffallen, gesperrt oder blockiert.“

Peinliche Fotos

Rechtlich gesehen sieht sich der „Kinderbasar“ also auf der sicheren Seite. Ob der Ansatz ethisch zu vertreten ist, ist eine andere Frage. Fakt ist, dass öffentlich gepostete Fotos jeder User privat abspeichern kann – so ist die vollständige Entfernung auch nach dem Löschen nicht gegeben. Außerdem: Kinder können meist noch kein Einverständnis zur Veröffentlichung geben und sich auch nicht dagegen wehren.

<p>Raphaela, 27</p>

Raphaela, 27

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