„52 Lebensretter haben wir bis heute schon gefunden!“

Susanne zusammen mit ihrem Golden Retriever „Happy“ im Garten.  Fotos: MiK

Susanne zusammen mit ihrem Golden Retriever „Happy“ im Garten.  Fotos: MiK

Powerfrau Susanne Marosch (43) im W&W Sonntags-Talk über „Geben für Leben“, ihre große Liebe und ihre Tätigkeit als Bar-Chefin, Polizistin und Weltenbummlerin.

WANN & WO: 2011 hast du den Verein „Geben für Leben“ deiner Mutter übernommen. War für dich klar, dass du in ihre Fußstapfen treten wirst?

Susanne Marosch: Nach zwölf Jahren Ehrenamt waren meine Mutter und ihre beiden Freundinnen ausgebrannt. Es war an der Zeit, dass es etwas moderner wird. Da es das Lebenswerk meiner Mutter ist, wäre es schade gewesen, wenn es nicht mehr weitergeführt worden wäre. Zu erben gab es nichts, also erbte ich eben eine Hilfsorganisation (schmunzelt). Natürlich fühle ich mich geehrt und bin glücklich darüber, wie der Verein gewachsen ist. Ich habe mir einiges überlegt, wusste es wird mich viel Freizeit kosten. Doch Entscheidungen traf ich immer schon zu 100 Prozent. Ganz oder gar nicht. Wir haben schon über 45.000 Typisierungen in Österreich möglich gemacht. In unserer Region muss es wirklich geniale DNA-Typen geben, das ist gewaltig. Insgesamt 52 Lebensretter haben wir bis heute schon
gefunden!

WANN & WO: Hattest du eine unbeschwerte Kindheit?

Susanne Marosch: Ja, größten Teils. Aufgewachsen bin ich im Oberland in einer Siedlung, zusammen mit vielen Kindern, wir spielten meistens draußen in der Natur. Allerdings gab es nach der Scheidung meiner Eltern einen Bruch, daran hatte ich schon etwas zu knabbern. Aber das hat mich auch gestärkt. Mein Glück war, dass meine Eltern vor uns Kindern nie gestritten haben. Das war wirklich ein Geschenk.

WANN & WO: Warum wolltest du nach der Tourismusschule Bludenz zur Gendarmarie?

Susanne Marosch: Ich wollte einen Job, bei dem ich nicht von 8 bis 18 Uhr in einem Büro arbeiten muss. Abwechslung und Action waren mir wichtig – auf jeden Fall wollte ich Gutes tun. Ich denke, mein Gerechtigkeitssinn ist sehr ausgeprägt. Das war damals genau das, was ich wollte. Zwei Dinge waren für mich von besonderer Bedeutung: Einerseits wollte ich mit Extremsituationen umgehen können – heute haut mich nicht mehr so schnell etwas um. Andererseits wollte ich in jeder Person etwas Menschliches sehen können – auch in einem Verbrecher. Die Tat ist zu verurteilen, kein Thema. Trotzdem muss man den Menschen dahinter erkennen. In den Verhören war das toll, ich hatte ein anderes Vertrauensverhältnis. Irgendwann hatte ich aber das Gefühl, in dem Job als Polizistin alles gelernt zu haben und bin weiter gezogen.

WANN & WO: Du warst eine der ersten Frauen, die in Vorarlberg diese Ausbildung gemacht haben. Hattest du mit Vorurteilen zu kämpfen?

Susanne Marosch: Früher war dieser Beruf oder die Ausbildung noch von Männern „dominiert“. Das war schon eine Herausforderung. Ich musste immer meinen „Mann“ stehen und den Kollegen das Gefühl vermitteln, dass man sich auf eine Frau verlassen kann. Es hat eine Zeit lang gedauert, aber es hat gut
funktioniert.

WANN & WO: Ist es schwieriger, sich als Frau durchzusetzen?

Susanne Marosch: Ich hatte nie Probleme, habe immer gute Erfahrungen gemacht. Natürlich muss man als Frau aber auch dementsprechend resolut auftreten. Auch was die Täter betrifft – als Frau ist man etwa bei Schlägereien in diesem Sinne kein Gegner, man geht anders auf eine Polizistin zu. Die Hemmschwelle ist hier viel größer. Viele unterschätzen Frauen aber auch! Am Schlimmsten ist es, wenn Frauen durchdrehen (schmunzelt). Manchmal braucht es gleich mehrere Männer, um eine „durchgeknallte“ Frau zu bändigen.

WANN & WO: Du warst unter anderem zuständig für den Schutz der Jugend vor Kriminalität und Drogen. Hat sich die Situation in Vorarlberg verändert?

Susanne Marosch: Kriminalität war immer schon da. Jetzt kommt vieles einfach nur schneller an die Öffentlichkeit, man ist gut vernetzt. Das Meiste passierte früher hinter verschlossenen Türen. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass in gewissen Bereichen die Hemmschwelle stark gesunken ist, etwa durch Internet, Gewaltvideos usw …

WANN & WO: Von der Gendarmarie bist du in die Gastronomie. Warum hast du die ehemalige „Churchill“ Bar in Feldkirch
übernommen?

Susanne Marosch: Eigentlich wollte ich auf Weltreise, es war schon alles geplant und die Tickets gekauft. Damals habe ich dann aber eine Freundin getroffen, der mehre Lokale gehörten. Sie wollte mit mir unbedingt noch auf einen Kaffee gehen und bot mir an, eine heruntergekomme Bar in Feldkirch zu übernehmen. Allerdings war ich quasi schon weg. Dann habe ich spontan meine Reise um ein Jahr verschoben und habe kurzerhand die Churchill-Bar (Anm. d. Red: jetzige Bunt Bar) eröffnet. Allerdings war diese herunter gewirtschaftet, doch ich wollte sehen, ob ich es zum Laufen bekäme. Nach etwa drei Monaten war die Bar total angesagt und wurde zum Szenelokal. Nach genau einem Jahr habe ich die Churchill-Bar aber wieder abgegeben und bin weiter gezogen.

WANN & WO: Nimmst du dir auch einmal Zeit für dich?

Susanne Marosch: Es gibt in meinem Leben immer etwas zu tun, doch ich verbringe meine Zeit gerne in der Natur, mit einem Hund muss man eben raus. Entspannen kann ich beim Yoga sowie zuhause in meinem Wellness-Raum. Das kann ich am Besten, wenn ich alleine bin. Meistens gehe ich spazieren und schalte mein Telefon einfach aus.

WANN & WO: Deine Mutter hat den Verein ursprünglich gegründet, da deine Cousine an Leukämie erkrankte. Wie fühlt es sich an, persönlich jemanden zu kennen, der darunter leidet?

Susanne Marosch: Meine Cousine Doris hatte Leukämie. Sie hat zwar die Chemotherapie ganz gut vertagen, galt kurzzeitig auch als geheilt, hatte dann aber einen Rückfall. Wir ließen uns alle typisieren, da wir nur noch wenig Zeit hatten. Als wir keinen passenden Spender gefunden haben, fingen wir an, Geld zu sammeln, um Typisierungen zu finanzieren. Sie fand eine Spenderin aus Wales, ist heute gesund und hat sogar ein Buch darüber geschrieben. Aus Dankbarkeit hat meine Mama dann den Verein gegründet. Wenn man sieht, was eine Familie mitmacht, wird man sensibler. Wir sahen auch die Hoffnung, als man von einem passenden Spender gehört hat, das treibt einen an.

WANN & WO: Dein Mann hilft dir auch mit dem Verein?

Susanne Marosch: Er hat gerade ein Buch geschrieben („Der kleine Prinz wird erwachsen“) und spendet zehn Prozent seines Autorenhonorars bis Weihnachten an den Verein – er unterstützt uns wo immer er kann. Er muss viel mittragen, hat viel Zeit mit dem Verein verbracht. Ich bin wirklich froh, ihn zu haben.

WANN & WO: Wie hast du deinen Partner kennengelernt?

Susanne Marosch: Er war früher Eventmanager, hatte dann zwei Burnouts und wollte das nicht noch einmal mitmachen. Also hat er seine Firma geschlossen und war drei Jahre lang als Matrose, dann als Skipper auf See. Eines Tages hatte er dann Landurlaub und war zu Besuch in Vorarlberg. Ich saß damals in der BeachBar in Bregenz und hatte gerade meinen ersten Urlaubstag, als ich ihn kennenlernte. Für mich war es ursprünglich ein perfekter Urlaubs-Flirt – jetzt, sechseinhalb Jahre später, ist er immer noch hier. Er hat seine Abreise immer wieder hinausgezögert und ist geblieben. Ich weiß noch wie er zu mir sagte: „Ich wäre der dümmste Mann auf der ganzen Welt, wenn ich jetzt, wo ich meine Traumfrau gefunden habe, wieder zurück auf See gehen würde. Das überlebt einfach keine Beziehung.“

WANN & WO: Gibt es etwas, das du bereust?

Susanne Marosch: Das Leben ist ein Abenteuer! Wenn ich heute den Planeten verlassen würde, hätte ich alles gemacht, was ich jemals wollte. Ich bereue nichts. Am Ende vom Leben zählen immer nur die Taten. Welche Herzenswünsche habe ich umgesetzt? Je mehr Fülle man in sich hat, umso bereichernd kommt es im Leben dann wieder zurück.

<p class="caption">Susanne Marosch im Gespräch mit WANN & WO.</p>

Susanne Marosch im Gespräch mit WANN & WO.

„Als wir keinen passenden Spender gefunden haben, fingen wir an, Geld zu sammeln, um Typisierungen zu ermöglichen.“ Susanne Marosch über die Entstehung des Vereins

WORDRAP



Reisen: War einmal wichtig für mich.

Geben für Leben: Absolute
Herzensangelegenheit.

Wünsche: Dafür da, um sie zu erfüllen.

Vorarlberg: Ganz spezielles Ländle.

Familie: Sehr wichtig!

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