Gunkls Blick auf das Ländle

Der „Philosoph unter den Kabarettisten“ ist heute im Alten Kino zu sehen. Foto: handout/gunkl.at

Der „Philosoph unter den Kabarettisten“ ist heute im Alten Kino zu sehen. Foto: handout/gunkl.at

Gunkl philosophiert mit WANN & WO über Kässpätzle im Weltraum und gibt Einblick in sein neues Programm.

WANN & WO: Nehmen wir an, Sie wären in Vorarlberg geboren, wie wäre Ihre Karriere dann verlaufen? Wäre sie in der Form überhaupt möglich gewesen?

Gunkl: Da machen wir aber ein dickes Buch auf. Wer wäre ich, wenn ich ein anderer wäre? Ich weiß es nicht. In Wien aufzuwachsen hat bestimmte Konsequenzen für das, wie dieser Mensch dann wird und ist. Ebenso, wenn man in Vorarlberg aufwächst. Ich weiß nicht einmal, ob ich auf die Idee gekommen wäre, Kabarett zu machen, wenn mein Leben in Wien nur ein bisschen anders verlaufen wäre.

WANN & WO: Die Phrase „Zwischen Ist und Soll“ ist auch in der Vorarlberger Politik momentan ein großes Thema. So wurden in Lustenau gerade die Pläne zum Bau eines Ikeas zurückgezogen. Was philosophiert ein Gunkl über dieses Thema, braucht jedes Land einen Ikea?

Gunkl: Wenn ich mir einmal eine so ganz romantische Überlegungen gestatten darf, dann finde ich, dass kein Land wirklich einen Ikea oder andere Möbelhäuser brauchen sollte. Wenn alle so viel verdienen, dass sie sich Möbel vom Tischler leisten können, dann hat der Tischler Arbeit und verdient so viel, dass er sich das, was es an anderen Gütern gibt, leisten kann, wodurch alle anderen wiederum so viel verdienen. Und die Möbel halten so lang, dass man sich nicht immer wieder neue billige vom Billigmöbelhaus kaufen muß. Naja, sehr romantisch, ich weiß.

WANN & WO: Ein weiteres Ländle-Thema: Ein 6,5 Hektar großer Speichersee mit einem Fassungsvermögen von 307200 Kubikmeter und einem 26 Meter hohen Damm soll zur Schneeerzeugung gebaut werden. Was meinen sie als Philosoph dazu?

Gunkl: Seit der Erfindung des Ackerbaus greift der Mensch gestaltend in die Umwelt ein. Wald zu roden, um Ackerfläche zu gewinnen, ist etwas, was wir schon lange machen. Entscheidend ist da meiner Meinung nach das Ausmaß und vor allem der Zweck, dem da Natur geopfert wird. Nahrung ist da sicher ein gültigeres Ziel, als Spaß-Sport. Und wenn es nicht mehr schneit, dann ist mehr kaputt, dann ist der Fehler größer, als er mit einer Beschneiungsanlage zu beheben ist.

WANN & WO: Wie unterscheidet sich ihrer Meinung nach das Vorarlberger vom Wiener Publikum?

Gunkl: Meiner Beobachtung nach unterscheiden sich vom Publikum her zwei Vorstellungen in Wien am selben Ort manchmal mehr als zwei Vorstellungen in Wien und Vorarlberg. Aber ich habe festgestellt, dass das Vorarlberger Publikum durchwegs sehr aufmerksam ist.

WANN & WO: Vor Kurzem haben Sie sich von der Idee losgerissen Dörrmelonen herzustellen. Könnten Sie sich vorstellen Dörr-Käsespätzle herzustellen?

Gunkl: Ich vermute, daß es sowas als Astronautennahrung sogar gibt.

WANN & WO: Ihr neues Programm läuft seit dem 12. September 2017. Seit der Premiere hat sich in Österreich einiges getan. Was für eine Bilanz ziehen Sie zur Regierung?

Gunkl: Bei aller sicher berechtigten Kritik an dieser Regierung, möchte ich als Raucher, der sich insofern ein bisschen in der Tradition der Kaffeehausliteraten sieht und als einer der beim Schreiben rauchen muss, muss ich sagen: Also, dass es weiterhin wenigstens einige Lokale gibt, in denen man rauchen darf, das finde ich gut. Das bessert die Gesamtbilanz aber sicher nicht auf.

WANN & WO: Mit Ihrem neuen Programm „Zwischen Ist und Soll – Menschsein halt“ gastieren Sie heute im Alten Kino in Rankweil. Die Presse feiert Ihr neues Programm und bezeichnet es als „rührend, eindringlich und hoch komisch“. Was erwartet das Vorarlberger Publikum?

Gunkl: Im Grunde ist das ein herkömmliches Kabarettprogramm – da steht einer auf der Bühne und redet darüber, wie er die Welt sieht. Das ganze ohne Tanzeinlagen, weil die würden ablenken – mich vor allem.

WANN & WO: Seit Ihrem ersten Soloprogramm sind mittlerweile 24 Jahre vergangen. Wie hat sich das österreichische Kabarett in dieser Zeit verändert?

Gunkl: Das ist eine gute Frage. Ich habe den Eindruck, dass das Kabarett ernsthafter geworden ist. Also es ist immer noch lustig, aber mir kommt vor, dass die Erscheinungen und Ereignisse nicht so sehr das größte Gewicht haben, sondern daß den Dingen mehr auf den Grund gegangen wird.

WANN & WO: Welche Themen behandeln Sie in ihrem Programm.

Gunkl: Da geht es um das Aspergersyndrom, grundlegende Schwierigkeiten des Verständnisses, ein bisserl Sprachkritik, die Konsequenzen der Quantifizierbarkeit der Welt, unser evolutionäres Erbe und derlei. Also klassische Kabarettthemen.

INFOS

Gunkl: Zwischen Ist und Soll - Menschsein halt

Termin und Tickets:

Heute, 18. April 20 Uhr
Altes Kino Rankweil

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