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„Alles rund um 20 Jahre grrrl*Power“

Bei den „mädchen*impulstagen“ vom Verein Amazone in Bregenz gibt es für junge Frauen und Mädchen viel zu entdecken.  Fotos: Sams, MiK, VLK

Bei den „mädchen*impulstagen“ vom Verein Amazone in Bregenz gibt es für junge Frauen und Mädchen viel zu entdecken.  Fotos: Sams, MiK, VLK

W&W sprach anlässlich der heute beginnenden „mädchen*impulstage“ mit Frauen-Landesrätin Katharina Wiesflecker.

WANN & WO: 100 Jahre Frauenwahlrecht – gibt es heute die Gleichberechtigung?

Katharina Wiesflecker: Es gibt sie, ja, sie ist seit vielen Jahren gesetzlich verankert. Die Gleichstellung gibt es nach wie vor nicht. Wir messen seit einigen Jahren jährlich anhand von 30 Indikatoren, inwieweit wir im Erreichen von gleichstellungspolitischen Zielen vorankommen. In manchen Bereichen gelingen sehr gute Fortschritte, wie zum Beispiel bei den Bildungsabschlüssen oder der Erhöhung des Frauenanteils in der Experinnenebene im Landesdienst. In manchen Bereichen gelingen kaum Fortschritte. Hier ist vor allem der Gender-Pay-Gap zu nennen, die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen. Für einige Vorhaben braucht es einen sehr langen Atem und viel Ausdauer.

WANN & WO: Wo sind heute die größten „Baustellen“, wenn es um Frauen geht?

Katharina Wiesflecker: Die größte Baustelle sind die tradierten Rollenzuschreibungen. Frauen sind nach wie vor für Betreuungsarbeit zuhause zuständig, ob es die Kinder betrifft oder pflegebedürftige Angehörige. Diese Rollenbilder verändern sich nur langsam, aber mit jungen, gut ausgebildeten Frauen und Männern, die Familie und Beruf vereinbaren wollen, können wir gemeinsam gut in die Zukunft blicken. Es geht nicht darum, dass ,entweder/oder‘, sondern ,sowohl als auch‘ möglich ist. Flexible Arbeitszeitmodelle, Role-Models für Frauen und Männer und Informationen über Auswirkungen von Teilzeit sind nur einige Themen, die ich nennen möchte.

WANN & WO: Wie sollten sich Arbeitszeitmodelle entwickeln, da­­mit sie der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklung entsprechen?

Katharina Wiesflecker: Ich bin eine Anhängerin der Arbeitszeitmodelle von Jutta Allmendinger, Professorin für Bildungssoziologie und Arbeitsmarktforschung an der Berliner Humboldt-Universität. Sie regt an, eine Zeitdiskussion zu führen, indem wir die klassische Arbeitszeit und die nicht entlohnte Familienarbeit anders zueinander stellen und diese Zeiten umverteilen. Würden z.B. Frauen und Männer während erhöhter familienrelevanter Betreuungszeiten – wenn Kinder klein sind, Kinder mehr Begleitung brauchen oder sich eine intensivere Pflegesituation abzeichnet – jeweils 30 bis 32 Stunden pro Woche arbeiten, würde kein Arbeitsvolumen verlorengehen. Dabei hätten auch die Frauen größere Chancen, im Berufsleben zu bleiben und sich im Alter abzusichern. Das sind aus meiner Sicht gesellschaftliche Modelle der Zukunft, bei denen alle profitieren.

WANN & WO: Warum schlägt die „#metoo“-Debatte so große Wellen?

Katharina Wiesflecker: Weil das nach wie vor ein Tabuthema darstellt und es besonders für Betroffene schwierig ist, darüber zu sprechen. Durch „#metoo“ ist wieder eine breite Öffentlichkeit entstanden. Wichtig ist, differenziert zu bleiben: Geht es um sexuelle Belästigung, um einen sexuellen Übergriff oder um eine Vergewaltigung. Das sind große Unterschiede.

WANN & WO: Weshalb sind Institutionen wie das Mädchenzentrum Amazone so wichtig?

Katharina Wiesflecker: Gerade in der Offenen Jugendarbeit werden nach wie vor vorwiegend männliche Jugendliche erreicht. Wichtig ist, Mädchen einen eigenen Raum zu geben abseits von Rollenbildern, der selbst gestaltbar ist. Die Amazone liefert über ihre Erfahrungen in der Mädchenarbeit aber auch die Fachstelle Gender wichtige Expertise für andere Institutionen der Offenen Jugendarbeit, die Schulen oder Betriebe. Der Verein Amazone bietet einen offenen Bereich als Treffpunkt, bietet Mädchen aber auch direkte Beratungen an. Das ist ein Gesamtpaket und nicht mehr wegzudenken!

WANN & WO: Wie hat sich dieser Themenkreis in den vergangenen 20 Jahren entwickelt?

Katharina Wiesflecker: Ich würde sagen, dass sich die Arbeit aus der Perspektive der Benachteiligung und des Opferdiskurses stärker hin zu Selbstbestimmung, Hinterfragung zugeordneter Rollen, Experimentierraum und Partizipation verändert hat.

WANN & WO: Sind die „mädchen* impulstage“ nur für Mädchen?

Katharina Wiesflecker: Ja, sie richten sich an alle, die sich der Kategorie „Mädchen“ zugehörig fühlen.

WANN & WO: Um welche zentralen Themen wird es bei den „mädchen* implustagen“ gehen?

Katharina Wiesflecker: Alles rund um 20 Jahre grrrl*power! Bitte ins Programm schauen unter www.amazone.or.at. Von Workshops zu Cybergrooming, Hasspostings und Sexting, über Belästigung im öffentlichen Raum oder rappen bis hin zu Tischfußball und Chill-out. Mädchen, die das Mädchenzentrum Amazone früher besuchten, haben am Konzept mitgearbeitet und leiten auch Workshops. Sei dabei!

<p>K. Wiesflecker</p>

K. Wiesflecker

INFOS

mädchen*impulstage

20 Jahre grrrl*power

WANN: 16. bis 18. Mai, 14 bis 18 Uhr
WO: Im und um das Mädchenzentrum
Amazone, Kirchstraße 39, Bregenz

Drei Tage lang ist das Mädchenzentrum
Amazone Schauplatz der mädchen* impulstage und feiert den 20. Geburtstag des Vereins! Kreative Workshops, spannendes Rahmenprogramm, Spaß und Infos zu 20 Jahren Mädchenarbeit!

Happy Hour: Täglich von 17 bis 18 Uhr gibt es an der AmazoneBar die Happy Hour mit gratis Cocktails für alle mädchen*impulstage Besucherinnen.

Infos & Kontakt:

Telefon: 05574 45801

Online: www.amazone.or.at