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„Durch die Hölle gegangen“

Der Dornbirner trägt seine Insulinpumpe immer bei sich – 24 Stunden täglich. Fotos: W&W

Der Dornbirner trägt seine Insulinpumpe immer bei sich – 24 Stunden täglich. Fotos: W&W

Philipp (27) aus Dornbirn bekam die Diagnose Diabetes Typ 1. Um anderen Mut zu machen, hat er den Account „SugarHero“ gegründet.

„Angefangen hat alles im Urlaub. Ich habe sehr viel Wasser getrunken und musste öfters auf die Toilette. Dabei gedacht habe ich mir lange Zeit nichts. Als meine Frau und ich wieder zuhause waren, habe ich innerhalb eines Monats 20 Kilo abgenommen – einfach so, ich hatte diese ständige Lustlosigkeit und war dauerhaft erschöpft“, beschreibt Philipp die ersten Monate, als seine Krankheit ausbrach. „Da ich davor korpulenter war, hat mich mein Gewichtsverlust anfangs nicht gestört und ich weigerte mich, zum Arzt zu gehen.“ Seine Frau überredete ihn dann aber und ging mit ihm zur Untersuchung, wo er die Diagnose Diabetes Typ 1 bekam.

„Hatte großes Glück“

„Für mich war das ein absoluter Schock, ich war am Boden zerstört und musste mein ganzes Leben umstrukturieren. Am nächsten Tag musste ich sofort ins Krankenhaus, um alles Weitere abzuklären. Der Arzt meinte zu mir, dass ich wirklich großes Glück hatte. Jede Nacht hätte ich ins Koma fallen können, im schlimmsten Fall sogar sterben, wenn ich nicht auf meinen Körper gehört hätte. In dieser Zeit hatte ich wohl einen großen Schutzengel an meiner Seite“, so der Dornbirner. Da die Krankheit vererbbar ist, hat der 27-Jährige noch immer Angst. Angst davor, dass er die Krankheit seinem kleinen Sohn übertragen haben könnte. „Fast täglich stelle ich mir dieselben Fragen. Wird mein Sohn auch einmal Diabetes haben? Ist das dann meine Schuld? Was kann ich dagegen machen? Ich habe einfach nur Angst, dass er das Gleiche durchmachen muss wie ich! Ich bin am Anfang sprichwörtlich durch die Hölle gegangen und ich möchte nicht, dass das auch meinem Baby passiert.“ Deshalb hat er einen Blog erstellt, wo er seine Eindrücke sowie Tipps und Tricks sammelt. Er möchte ungeklärte Fragen auch für andere beantworten. „Ich wäre damals froh gewesen, wenn ich jemanden gehabt hätte, der mir Fragen beantwortet, oder mir hilft, mit der Diagnose umzugehen. Deshalb habe ich mich nach einiger Zeit dazu entschieden, meine Seite ‚SugarHero‘ zu gründen. Dort lasse ich andere an meinem Leben als Diabetes-Patient teilhaben, gebe Tipps und beantworte auch gerne Fragen, um anderen zu helfen.“ Für ihn ist es wichtig, dass mehr Menschen über diese Krankheit Bescheid wissen. „Es ist komisch, jedem ist die Krankheit ein Begriff, aber niemand weiß so richtig, was es bedeutet, wenn man Diabetes hat. Ich hoffe, mit meinem Blog etwas bewegen zu können“, erklärt er abschließend. Infos: www.facebook.com/
sugarherophilipp/

<p class="caption">Auf dem Gerät wird ihm immer gleich angezeigt, wie hoch seine Werte sind.</p>

Auf dem Gerät wird ihm immer gleich angezeigt, wie hoch seine Werte sind.

<p class="caption">Blutzuckerspiegel messen: Routine für den 27-Jährigen.</p>

Blutzuckerspiegel messen: Routine für den 27-Jährigen.

„Für mich war das ein absoluter Schock, ich war am Boden zerstört und musste mein ganzes Leben umstrukturieren.“ Philipp Wohlgenannt