„Hätte ich so weitergemacht, würde ich nicht mehr leben“

WANN & WO besuchte Armin Fink in seinem Haus in Schwarzach, von wo aus er einen herrlichen Ausblick auf das Rheintal hat.  Fotos: Sams

WANN & WO besuchte Armin Fink in seinem Haus in Schwarzach, von wo aus er einen herrlichen Ausblick auf das Rheintal hat.  Fotos: Sams

Armin Fink (79), Gründer vom Autoland Fink, im Talk über den Familien­betrieb, Alkoholsucht und den Jakobsweg.

WANN & WO: Waren Sie heute schon im Autoland?

Armin Fink: Am Morgen war ich zuerst eine Runde joggen – 10 km in einer Stunde, 20 Minuten. Dann musste ich auf die Beerdigung eines Mitglieds aus meiner Tennis-Clique. Ich habe kurz im Autoland vorbeigeschaut, sonst bin ich jeden Tag dort.

WANN & WO: Ist es schwierig, das „Baby“ alleine zu lassen?

Armin Fink: Da ich es von Null aufgebaut habe, hänge ich schon daran. Mein Sohn ist aber auch schon 55 Jahre alt und etwa 30 Jahre im Geschäft. Er macht das wirklich gut. Ich gehe noch gerne hin, weil man Leute trifft und so etwas frisch bleibt. Ich rede aber nicht mehr hinein und kümmere mich nicht ums Tagesgeschäft. Meine Frau hat außerdem ein kleines Friseurgeschäft und ist auch den ganzen Tag nicht da.

WANN & WO: Wie haben Sie die Gründungszeit in Erinnerung?

Armin Fink: Sehr gut. Ich hatte in Lustenau gearbeitet, mit siebzehneinhalb Jahren bin ich in die Schmugglergemeinde gekommen. Davor hatte ich bei meinem Vater in Schwarzenberg die Lehre als Huf- und Wagenschmied gemacht. Mein Ding war es aber, Automechaniker zu werden, das ich habe in Lustenau gelernt. Ich war dann Meister bei VW Sperger, hatte aber immer den inneren Drang, etwas Eigenes zu machen. Ursprünglich hatte ich die Idee, in Schwarzenberg die elterliche Schmiede in Richtung Landmaschinenmechanik zu entwickeln. Das hat sich aber zerschlagen und so konnte ich 1963 in Klaus eine kleine Werkstatt pachten. Bis 1965 habe ich dann einen Boden in Koblach gekauft und gebaut.

WANN & WO: Wie waren die Anfänge vom Autoland Fink?

Armin Fink: Hart, kein Geld, Schulden bis über beide Ohren. Alle sagten, der Fink hat einen Vogel, da in der „Pampa“ sowas machen zu wollen. Rundherum war nichts, nur grüne Wiese. Ich habe es ihnen aber bewiesen, weil ich gebuckelt habe, wie ein Wahnsinniger. Einen Grund in einem Ballungsraum konnte ich mir aber schlichtweg nicht leisten. Ich habe vom Vater 13.000 Schilling ausgeliehen und ihm halt nie wieder zurückgegeben (schmunzelt).

WANN & WO: Mussten Sie Ihren Sohn Christoph lange überreden, den Betrieb zu übernehmen?

Armin Fink: Überhaupt nicht. Ich habe es mir schon gewünscht, ihm aber diesbezüglich nie Druck gemacht. Er kam zu einem Zeitpunkt in den Betrieb, als es wirtschaftlich nicht gut aussah. 1980 machte ich einen großen Anbau mit der Ausstellungshalle. Es wundert mich heute noch, dass ich von der Bank immer Geld bekommen habe. Dann hat mir der Buchhalter auch noch Schilling in Millionenhöhe unterschlagen und wollte alles anzünden, als man ihm draufkam – und das zu einem extrem ungünstigen Zeitpunkt. Ich hatte nur die Wahl, entweder fertig zu bauen, oder den Rohbau stehen zu lassen. Das habe ich aber alles überlebt.

WANN & WO: Es gab ja auch einen weiteren, harten Einschnitt in ihrem Privatleben?

Armin Fink: Ja, ich war alkoholkrank. Ich mochte den Alkohol immer gerne, verteufle ihn auch heute nicht. Früher habe ich wirklich die Sau rausgelassen. Irgendwie bin ich da aber immer tiefer hineingerutscht. Es kam so weit, dass ich den Überblick verloren habe, süchtig war und schon am Morgen einen großen Schluck harten Alkohol nehmen musste, damit ich aufhörte zu zittern. Ich hatte aber keinen Grund dafür, die Sorgen waren trotz Schulden und einer Scheidung nicht so groß, dass ich sie hätte ertränken müssen. Wenn man mich fragte, warum ich trinke, sagte ich, weil es mir schmeckt.

WANN & WO: Wie sind Sie vom Alkohol weggekommen?

Armin Fink: Bei der Gesundenuntersuchung sagte der Arzt: „Armin, jetzt musst du dir langsam etwas einfallen lassen, deine Leberwerte werden von Jahr zu Jahr schlechter. Wenn das noch lange so weitergeht, kannst du bald den Deckel zumachen.“ Das habe ich nicht gleich geglaubt, aber viele sagten, ich müsse mir helfen lassen. Man hat mich schon im Ort unten zusammenlesen müssen und Auto gefahren bin ich natürlich auch besoffen. Zum Glück ist nie etwas passiert! In meinem Leben habe ich fast alle Ziele erreicht und so dachte ich, aufhören zu saufen, werde ich wohl auch schaffen. Ohne Hilfe ging das aber nicht und ich war acht Wochen auf der Maria Ebene. Das war der längste zusammenhängende „Urlaub“ in meinem Leben (grinst).

WANN & WO: Sie haben es dann aber geschafft?

Armin Fink: Ja, obwohl ich kurz einen Rückfall hatte. Ich schickte meine Frau auf Kur, weil sie merkte, dass ich wieder anfing. Dann hatte ich einen brutalen Aushänger. Meine Schwester sagte: „Jetzt rufst du den Reinhard Haller an. Davor gehe ich nicht aus deinem Haus!“ Das habe ich dann gemacht und schließlich den ambulanten Entzug geschafft. Es ist eine harte Geschichte, denn Alkohol würde mich nach wie vor reizen. Die Gefahr, dass ich dann wieder hineinrutsche, macht mir aber eine teuflische Angst.

WANN & WO: Wie geht es Ihnen heute damit?

Armin Fink: Ich habe es geschafft und bin seit 2014 trocken! Das war nicht einfach. Sehr viele packen es nicht und es gäbe viele, die auf die Ebene gehören würden, aber nicht dazu stehen. Das ist eine Krankheit. Schönreden und scheinheilig zu tun, nützt nichts! Nach dem Entzug kontrolliert trinken, schafft fast keiner. Die Gefahr für einen Rückfall ist viel zu groß und das kommt für mich nicht in Frage. Bis in die Morgenstunden feiern, halte ich nicht mehr aus. Nüchtern merkt man, was für einen Brösel Besoffene oft erzählen.

WANN & WO: Hat Ihnen der Sport sehr geholfen?

Armin Fink: Auch als Trinker war ich sportlich. Irgendwann ging es aber nicht mehr. Hätte ich so weitergemacht, würde ich nicht mehr leben. Mit fast 80 muss ich auch nicht mehr biken. Mein Ausgleich sind Wandern und Laufen. Ich fühle mich pudelwohl! Irgendwann fasste ich den Entschluss, dass ich den Jakobsweg gehen möchte. Man gab mir den Tipp, das alleine zu machen. Meine Frau Hertha dachte lange, dass ich nur davon rede und eh nicht gehen würde. Eines Tages sagte ich ihr aber, dass ich ein Hotel in und den Flug nach Bilbao gebucht habe.

WANN & WO: Wie war die Pilger­reise in Spanien?

Armin Fink: Schon am ersten Tag habe ich mich verlaufen, aber wegen so etwas hört ein Fink nicht auf! Am Morgen bin ich frisch fröhlich losgegangen und habe im Schnitt täglich 40 Kilometer geschafft. Die Herbergen habe ich gemieden, weil ich nicht den Drang hatte, mich mit anderen Pilgern zu unterhalten. Ich habe das für mich gemacht, um mit mir selbst fertig zu werden. Einfach über alles nachdenken und alleine sein. Das hat geklappt, was mich schon stolz macht. Von Bilbao an der Küste nach Santiago und von dort nochmal 100 Kilometer nach Finisterre, zum „Ende der Welt“. Insgesamt, mit ein paar Umwegen, habe ich von 21. Mai bis 13. Juni 2017 genau 901 Kilometer zurückgelegt – das sind 1.121.000 Schritte.

WANN & WO: Wie fiel die Bilanz des Über-Sich-Nachdenkens aus?

Armin Fink: In erster Linie positiv. Ich bin nicht fromm, habe aber auch gebetet. Habe gedankt, dass ich die Sauferei überstanden hatte und noch so gut beieinander bin. Vieles ist mir durch den Kopf gegangen, auch aus meiner Jugend. Wir Finks sind alle rothaarig und schon als Kinder wurden wir gemobbt, wie man heute sagen würde. Das brachte ein Minderwertigkeitsgefühl mit sich und wir mussten uns auf die Beine stellen, damit man uns in Ruhe ließ. Daher kommt wohl auch meine Hartnäckigkeit bei allem, was ich mache. Ich bereue nichts, hatte aber auch viel Glück in meinem Leben.

WANN & WO: Sie haben DJ Ötzi getroffen?

Armin Fink: Reinhard Haller hat mich darauf hingewiesen, dass DJ Ötzi auch den Jakobsweg geht. Und tatsächlich habe ich ihn am Flughafen in Santiago getroffen, beim Check-in. Er ist etwa 200 km in 14 Tagen gegangen. Als ich ihm von meiner Strecke berichtete, fragte er, ob ich wahnsinnig sei (lacht).

WANN & WO: Wie entspannen Sie?

Armin Fink: Ich werde eigentlich nie müde. Wenn ich 30 km gelaufen bin, kann ich nach Hause kommen und anfangen zu kochen oder backen, was ich leidenschaftlich gerne mache. Dabei kann ich gut entspannen. Zwei Stunden im Liegestuhl liegen, halte ich nicht aus.

WANN & WO: Am 4. August werden Sie 80. Wird das groß gefeiert?

Armin Fink: Nein, diesmal nicht. Ich fahre um den Geburtstag herum ein paar Tage weg, damit keiner auf die Idee kommt, mich trotzdem zu besuchen (lacht). Diese großen Feste bis in die frühen Morgenstunden hatte ich früher, heute brauche ich das nicht mehr. Wer mir gratulieren will, kann anrufen oder ein WhatsApp schicken.

„Insgesamt, mit ein paar Umwegen, habe ich von 21. Mai bis 13. Juni 2017 genau 901 Kilometer zurückgelegt – das sind 1.121.000 Schritte.“ Armin Fink über seine Wanderung auf dem Jakobsweg.

WORDRAP



Autos: Wichtig für mich, aber ich bin kein Sammler oder Fetischist.

Elektro: Alternative Antriebe sind wichtig, aber noch nicht reif für den großen Markt.

Familie: Zusammenhalt.

Vorarlberg: Wunderschönes Land.

Rückschläge: Das Leben meint es gut mit mir.

Sucht: Vom Alkohol zur Wander- und Laufsucht gewandelt.


Neue Wege: Genieße ich sehr.


Zukunft: Fühle mich fit und hoffe, das hält noch lange an.


Pension: Ich bin Rentner: Pensionisten pennen, Rentner rennen.