„Ich brauche Menschen um mich herum!“

Die Unternehmerin Jutta Frick (47) aus Reuthe mag große Städte und die Natur. Sie ist im Bregenzerwald fest verwurzelt.  Fotos: Sams

Die Unternehmerin Jutta Frick (47) aus Reuthe mag große Städte und die Natur. Sie ist im Bregenzerwald fest verwurzelt.  Fotos: Sams

Jutta Frick leitet erfolgreich Bad Reuthe und zwei weitere Hotels im Bregenzerwald. Im W&W-Talk spricht sie auch über das neue Projekt „Die Wälderin“.

WANN & WO: Aufgewachsen bist du im Hotel Bad Reuthe. Wie ist es, in einem Hotel zu wohnen?

Jutta Frick: Ich hatte eine tolle Kindheit. Wir hatten ein Schwimmbad, waren oft in der Natur unterwegs und hatten viele Menschen um uns herum. Das sind Dinge, die mir bis heute geblieben sind. Wenn ich keine Menschen um mich habe, fehlt mir etwas.

WANN & WO: War es für dich klar, dass du das Hotel deiner Eltern irgendwann übernehmen würdest?

Jutta Frick: Nein, mit 14 Jahren bin ich nach Salzburg in die Tourismusschule, danach nach Wien, um Volkswirtschaft zu studieren. Meine Eltern haben mir diese Freiheit immer gelassen, ich hatte keinen Druck. Ich denke, deshalb habe ich heute einen ganz anderen Horizont. Darüber bin ich heute noch froh, denn ich hatte nie das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Aber natürlich hat man den elterlichen Betrieb immer im Hinterkopf. Letztlich habe ich mich ja auch für die Arbeit im Hotel entschieden, die mir bis heute Spaß macht.

WANN & WO: Hätte es für dich Alternativen gegeben?

Jutta Frick: Damals habe ich meine Diplomarbeit bei Alexander Van der Bellen gemacht. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich daran, an der Universität zu bleiben und dort zu arbeiten. Aber das Studieren hatte mir besser gefallen. Schlussendlich hat es mich dann doch ins Hotel meiner Eltern zurückgezogen.

WANN & WO: Hat sich seit damals viel im Hotel verändert?

Jutta Frick: Früher war es natürlich anders, das Hotel hat sich entwickelt. Wir haben immer wieder neue Sachen dazugebaut. Als Kinder sind meine Brüder und ich oft ins Moor hinausgelaufen oder sind in die Hotelküche und haben dem Küchenchef ein Eis abgeluchst (lacht). Wir haben auch immer gemeinsam gegessen und hatten eine Wohnung, sprich ein normales Familienleben. Der Mensch benötigt Wurzeln, damit man einen gesunden Austausch mit anderen haben kann. Wenn man geerdet ist, hat man selbst eine Stabilität im Leben.

WANN & WO: Wie sieht ein ganz „normaler“ Tag bei dir aus?

Jutta Frick: Ein normaler Tag ist in meinem Leben sehr bunt. Es kommen immer wieder unvorhersehbare Dinge zu mir. Um etwa neun Uhr bin ich im Büro und dann geht es schon rund. Es gibt auch fixe Besprechungen in meinem Terminkalender, um Projekte gezielt voranzutreiben. Man muss aber auch auf das Tagesgeschehen spontan reagieren können. Der Gast kommt heute und hat jetzt ein Bedürfnis, nicht erst morgen. Man muss Flexiblität haben, den Überblick bewahren und viele Entscheidungen treffen. Ich habe viele tolle Mitarbeiter in meinen Unternehmen, die ihren Job super machen. Wenn es ein Problem gibt, helfe ich, es zu lösen. Es wird nie langweilig (lacht).

WANN & WO: Was machst du außerhalb des Hotelgeschehens?

Jutta Frick: Viel Zeit habe ich nicht, das muss ich gestehen. Aber ich lese sehr gerne Krimis. Ich gehe auch gerne spazieren, oder mache einen Ausflug in eine große Stadt. Im Winter gehe ich gerne Skifahren. Generell bin ich sehr gerne in der Natur, als Gegensatz zu großen Städten. Diese Dinge sind mein Ausgleich und geben mir neue Impulse. Am Bodensee oder in den Bergen bin ich auch sehr gerne, ich mag, und brauche, weite Horizonte.

WANN & WO: Welche Dinge magst du an dir?

Jutta Frick: Ich bin ein fröhlicher Mensch und total unkompliziert. Im Frühling war ich beispielsweise in Südafrika. Wir haben den Trip am Sonntag geplant und am Freitag sind wir im Flieger gesessen.

WANN & WO: Hast du als Frau in einer Führungsposition mehr zu kämpfen?

Jutta Frick: Ich persönlich hatte nie ein Problem damit. Oft bin ich in Männerrunden die einzige Frau und auch die Jüngste – na gut, mittlerweile nicht mehr, ich werde älter (lacht). Ich habe auch das Gefühl, dass Männer andere Ansätze zu schätzen wissen. Es gibt aber sicher Branchen und Bereiche, in denen das nach wie vor ein Thema ist.

WANN & WO: Wie stehst du zum Thema Fachkräftemangel?

Jutta Frick: Ein sehr anspruchsvolles Thema, über alle Branchen hinweg. Früher sah man hauptsächlich Werbung für Produkte, welche die Firmen erzeugen. Heute sieht man ganz oft offene Arbeitsstellen und Firmen, die für neue Mitarbeiter werben. Das ist der beste Beweis dafür, dass es enger wird.

WANN & WO: Woran liegt es?

Jutta Frick: Ein Punkt ist die Bevölkerungsentwicklung. Das hat mit der Alterspyramide der Gesellschaft zu tun. Der Wirtschaft in Vorarlberg geht es gut, deshalb sind auch mehr Arbeitsplätze beziehungsweise offene Stellen vorhanden.

WANN & WO: Wie begegnest du dem Problem in deinen Betrieben?

Jutta Frick: Ich befasse mich viel mit dem Thema Führung. Es ist wichtig, dass man einen Betrieb gut führt und Mitarbeiter hat, denen man Verantwortung übergeben kann. Wir haben viele tolle Mitarbeiter, ohne die es nicht funktionieren würde. Ein familiäres Verhältnis mit unseren Mitarbeitern ist mir sehr wichtig, denn jeder hat andere Bedürfnisse und die gilt es, unter einen Hut zu bekommen.

WANN & WO: Sind die Bregenzerwälder fleißigere Arbeiter, als die „Ländler“?

Jutta Frick: Hier im Bregenzerwald hat man Handschlagqualitäten, das stimmt. Wir haben aber auch mit vielen Nicht-Wäldern zu tun, mit denen wir eine tolle Zusammenarbeit pflegen (lacht). Insgesamt hat sich mit der Work-Life-Balance ein gesellschaftlicher Wandel vollzogen. Aber es ist überall so, es gibt fleißige Menschen und weniger fleißige.

WANN & WO: Wie beurteilst du den Tourismus im Bregenzerwald?

Jutta Frick: Wir haben insgesamt eine gemischte Infrastruktur, und das ist super. Tourismus, Handwerk, Handel und Landwirtschaft halten sich die Waage. Der Tourismus lief vergangenen Sommer nicht so gut, aber ich denke schon, dass die Branche im Bregenzerwald sehr stark und gut aufgestellt ist.

WANN & WO: Ihr habt kürzlich das neue Hotel „Die Wälderin“ in
Mellau eröffnet. Wie seid ihr auf den Namen gekommen?

Jutta Frick: Ich habe einen guten Freund in Wien, der als Bildhauer arbeitet. Wir waren miteinander „einkehren“ und sind beim Braintorming auf den Namen „Die Wälderin“ gekommen. Er kennt den Bregenzerwald, ist naturverbunden und hat durch sein künstlerisches Schaffen gleichzeitig einen anderen Zugang. Dieser Mix hat es schlussendlich möglich gemacht. Der Name ist modern und zeitlos. Er hat dieses „Gastgeben“ in sich, man geht eben gerne zu einer Wälderin auf Besuch. Eine Wälderin ist stark, dynamisch, schwungvoll und geerdet. Das ist unser Ansatz im Hotel, das verkörpern wir.

WANN & WO: Wie schwierig ist es, mit einem Hotel immer am Puls der Zeit zu bleiben?

Jutta Frick: Man muss immer dran bleiben und natürlich etwas investieren. Das können auch kleine Dinge sein. Die Stammgäste, die jedes Jahr kommen, wollen Neuheiten, sonst wird es langweilig. Manche Veränderungen nimmt man selbst gar nicht so wahr. Man darf nur nicht stillstehen, denn der Markt wird enger, das ist klar. Ohren auf, Augen auf, Ärmel hoch und weiter geht’s.

„Ich habe viele tolle Mitarbeiter in meinem Unternehmen, die ihren Job super machen. “ Jutta Frick

„Man darf nur nicht stillstehen, denn der Markt wird enger, das ist klar. Ohren auf, Augen auf, Ärmel hoch und weiter geht’s.“ Jutta Frick

WORDRAP

Zur Person
Name: Jutta Frick (47)
Wohnort: Reuthe
Geboren: 21. März 1971
Beruf: Leitet drei Hotels
Hobbys: Lesen, Freunde

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