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„Sprecht über eure Depression!“

Maarten Hemmen sieht aus wie ein Gewinner-Typ. Dass es in ihm ganz anderes aussieht, ahnen die wenigsten.  Fotos: Fabian Stuertz

Maarten Hemmen sieht aus wie ein Gewinner-Typ. Dass es in ihm ganz anderes aussieht, ahnen die wenigsten.  Fotos: Fabian Stuertz

In seinem Podcast redet Maarten Hemmen (33) offen über das Tabu-Thema mentale Gesundheit und seine eigene Depression. Am Samstag gastiert er in Bludenz.

Auf den ersten Blick ist Maarten der geborene Siegertyp und Sonnyboy. Groß, blond, sportlich, topfit! Jahrgangsbester als Drummer am Konservatorium in Rotterdam, Drummer in unterschiedlichen Bands und erfolgreicher Musikproduzent. Von außen betrachtet ein Mensch auf der Sonnenseite des Lebens. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Wahrscheinlich sogar weniger als die halbe Wahrheit. Denn Maarten ist manisch depressiv. Was von außen paradox erscheint, bestimmt sein Leben zwischen massiven Ups und Downs. „Allen, denen es ähnlich geht kann ich nur sagen: Sprecht über eure Depression!“, betont Maarten. Den Menschen um einen herum zu sagen, dass es einem nicht gut geht, sei nicht leicht, weiß er. „Aber nur so kann man damit fertig werden.“ Für ihn war dies der erste Schritt in Richtung Besserung und er möchte über das Thema aufklären.

Kälte als Heilmittel

Schon als Kind habe er gemerkt, dass etwas mit ihm nicht stimme. „Ich habe zum Beispiel nie verstanden warum ich in der Schule ruhig sitzen muss, obwohl ich mich doch viel lieber bewege.“ Lange habe er das Gefühl gehabt, er würde gar nicht existieren, er sei ein soziales Experiment. „Aber damals hat man zu mir immer nur gesagt, das ginge schon wieder vorbei“, erinnert sich der 33-Jährige zurück. Aber es ging nicht vorbei, sondern wurde immer schlimmer. Bis er die Diagnose Depression erhielt. Auf seiner Webseite „Maartens Mind“ und seinem Podcast erreicht er tausende Menschen. „Vor allem ist es mir wichtig, dass ich auch junge Leute erreiche“, erklärt der gebürtige Holländer. Außerdem sei dies für ihn wichtig, um seine Krankheit zu verarbeiten. Über seine schlechten Gedanken zu sprechen, sei nur ein Teil seines Konzeptes mit der Depression fertig zu werden. „Ich habe herausgefunden, dass Kälte für mich ein – wenn auch etwas ungewöhnliches – Heilmittel ist.“ Und dass er das mit der Kälte ernst meint, sieht man sofort, wenn man Maartens Garderobe betrachtet. Er trägt ausschließlich weiße T-Shirts, kurze Hosen und „Adiletten“. Auch im Winter. Außerdem gehört Eisschwimmen in bis zu minus 20 Grad Celsius kaltem Wasser zu seinen Hobbies. Das Eisschwimmen hätte sein Leben verändert. „In dieser erbarmungslosen Natur habe ich mich endlich wieder einmal selbst gespürt“, erklärt er. Überhaupt ist er sehr aktiv. „Sport ist super. Da kann ich alles für einen Moment vergessen und komme richtig in einen Flow“, erzählt Maarten. Eben so wichtig wie Kälte ist ihm seine Privatsphäre. „Ich teile vieles mit der Welt, denn ich habe gemerkt, je offener man ist, desto weniger kann man verletzt werden“, gibt Maarten zu. „Aber mein Zuhause ist mir heilig.“ Hier sei er meistens alleine, kann über vieles Nachdenken und täglich Erlebtes verarbeiten.

„Man muss sich
nicht schämen!“

Mittlerweile hat er Wege gefunden ,um mit seiner Depression umzugehen und möchte anderen damit Mut machen. „Depressionen sind nicht nur schlimm“, erklärt er. Er hätte durch seine Krankheit auch viel im Leben dazugelernt. Am Samstag erzählt er bei der „Me on Stage Night“ in Bludenz seine Lebensgeschichte. „Für Depressionen braucht man sich nicht zu schämen!“