Auf Einkehrschwung bei einer Legende vom Arlberg

Charismatisch, sympathisch und ein Leben lang auf Achse: Willi Mathies gibt Einblick in eine hollywoodreife Karriere. Fotos: Sams, handout/Mathies, Meusburger

Charismatisch, sympathisch und ein Leben lang auf Achse: Willi Mathies gibt Einblick in eine hollywoodreife Karriere. Fotos: Sams, handout/Mathies, Meusburger

„Charles Bronson vom Arlberg“ oder „König der Albona“: Willi Mathies (77) spricht mit WANN & WO über sein bewegtes Leben, Ski­lehrercharme, prominente Gäste wie Roman Polanski und unzählige Knochenbrüche.

WANN & WO: Du giltst als eine der schillerndsten Persönlichkeiten am Arlberg – welcher Name wird dir am ehesten gerecht?

Willi Mathies: Persönlich sehe ich mich inzwischen schon als eine Art „Ski-Legende des Arlbergs“, ohne jetzt überheblich wirken zu wollen. Der Skisport war mir schon in die Wiege gelegt, mein Vater war ebenfalls über 60 Jahre lang als Skilehrer aktiv. Den Vergleich mit prominenten Skigrößen wie z. B. Karl Schranz habe ich nie gescheut. Auch im Rennlauf, ich weiß schon gar nicht mehr wohin mit den ganzen Pokalen. Meine Konkurrenz meinte immer, dass es schade sei, dass ich mein Talent nie im Ski-Weltcup unter Beweis gestellt hätte. Dafür fehlte mir aber als Skischulleiter, Barbetreiber und Familienvater schlicht die Zeit. Aktuell halte ich immer noch den Rekord für den ältesten Gesamtsieger im beim großen Rennen des Ski-Clubs Arlberg. Mit 60 Jahren bin ich den Jungen also immer noch um die Ohren gefahren. Sobald ich den Rennanzug angezogen habe, hat es in mir irgendeinen Schalter umgelegt – im positiven wie im negativen Sinn.

WANN & WO: Welchen Tribut forderte dein draufgängerisches Leben?

Willi Mathies: Ich habe mich immer schon extrem am Limit bewegt. Als junger Mann beim Skifahren, besonders das Springen und das Geländefahren hat mich gereizt. Später folgte dann meine Leidenschaft fürs Motorradfahren und schnelle Autos, besonders luftgekühlte Porsche-Sportwagen stehen hoch in meiner Gunst. Ich hatte unzählige Schutzengel. In meiner Laufbahn brach ich mir dutzendende Male die Beine, egal ob beim Skilauf oder dem Motorrad. Zuletzt 2011 bei einem Ausflug nach Sardinien. Nach einem Unfall wurde ich in den Graben geschleudert. Mit doppelt gerissenem Kreuzband und einer großen Fleischwunde bin ich dann selbst wieder zurück nach Bludenz gefahren, um mich zusammenflicken zu lassen. Und so war das bei mir eigentlich das ganze Leben lang. Umso mehr schätze ich meine Frau Edeltrud, die mir immer ein starker Rückhalt war, egal ob privat oder beruflich.

WANN & WO: Unterm Tag als Skilehrer im Einsatz, in der Nacht dann hinterm Tresen am Pils­stüble. Hattest du überhaupt Zeit für deine Familie?

Willi Mathies: Ohne meine Frau wäre das alles nicht möglich gewesen, sie hat mir auch in Sachen Buchhaltung geholfen. Viel Zeit für meine Kinder blieb damals leider nicht, trotzdem pflege ich heute eine hervorragende Beziehung zu ihnen. 1966 erhielten wir vorerst eine Konzession für eine Milchbar, Bier und Wein durfte ich zunächst aber nicht ausschenken. Irgendwann wunderten sich die Stubener, dass meine Gäste äußerst „beschwingt“ aus meiner Milchbar kamen und regten sich naturgemäß auf. Sie wussten aber nicht, dass ich die Bewilligung hatte, den Milchgetränken Alkohol beizumischen – Cognac- oder Milch-Rum als Trend-Getränk (schmunzelt). Für uns Skilehrer und mich als Barbetreiber waren es damals goldene Zeiten. Den Tag verbrachten wir mit den Gästen am Berg, am Abend trafen sich die Skilehrer und ihre Gruppen bei mir im Pilsstüble, um sich bis in die Morgenstunden auszutauschen. Dann ging es wieder auf die Piste. Das Liftpersonal verständigte sobald ich am Morgen auftauchte die Bergstation. Es konnte nämlich schon mal vorkommen, dass ich auf dem Sessel einschlief (schmunzelt).

WANN & WO: Du hattest auch viele Prominente, die bei dir das Skilaufen gelernt haben. Wen hast du besonders geschätzt?

Willi Mathies: Mit dem siebenfachen Motorradweltmeister Phil Read aus England stehe ich heute noch in Kontakt. Zu meinen prominentesten Gästen zählten der französisch-polnische Regisseur Roman Polanski, der deutsche Finanzminister Gerhard Stoltenberg oder der deutsche Box-Weltmeister Henry Maske. In jungen Jahren war ich sogar für Omar Sharif als Stunt-Double beim Skifahren im Einsatz, auch beim legendären Ski-Film „Der schwarze Blitz“ mit Toni Sailer bin ich zu sehen.

WANN & WO: Wie stehst du zu den klassischen Skilehrer-Klischees?

Willi Mathies: Damals wurden wir vergöttert und standen bei der Damenwelt hoch im Kurs (schmunzelt). Für mich war immer wichtig, dass man als Skilehrer ein Gesamtpaket anbietet – quasi als eine Art Animateur. Und der Titel meines Buches „Ab 1000 Meter wird geduzt!“ steht für meine Skilehrer-Philosophie. Der Slogan hat sich inzwischen in ganz Vorarlberg etabliert. Im Après Ski hat man damals auch nichts ausgelassen, mein Ruf kommt nicht von ungefähr. Umso mehr schätze und liebe ich meine Frau, die es über die ganzen Jahre mit mir ausgehalten hat.

WANN & WO: Gibt es etwas, auf das du mit Wehmut zurückblickst?

Willi Mathies: In meiner Zeit als Skischulleiter habe ich mich entschlossen, dem Stubener Ski-Pionier Hannes Schneider ein Denkmal zu setzen – die Idee für einen Gedächtnislauf für ihn war damit geboren. Ich habe damals keine Kosten und Mühen gescheut und über 200 Läufer, darunter Luggi Leitner, Karl Schranz, Hugo Nindl, Trude Jochum-Beiser, Heidi und Edith Zimmermann, uvm. auf meine Kosten eingeladen – die Rennen hatten Kultstatus. Leider wurde mir hierfür nie wirklich Dank zuteil. Das ärgert mich bis heute, denn dieses Rennen habe ich aus der Taufe gehoben. Inzwischen schmücken sich andere mit diesen Federn.

WANN & WO: Dein Sohn Willi wandelt in deinen Fußstapfen – sowohl als Barbetreiber, als auch als Skischulchef. Bist du zufrieden mit deinem Sohn?

Willi Mathies: Absolut. So wie ich brennt er für den Skilauf und die Region. Ich habe nur Angst, dass er sich zu viel aufbürdet. Aber da bekomme ich dann nur zu hören, dass es bei mir genau gleich war (schmunzelt). Besonders schätze ich seinen Weitblick, kürzlich eröffnete er einen E-Trial-Park auf dem Gebiet des ehemaligen Schwimmbads – ideal für Familien und eine echte Bereicherung für das touristische Angebot im Sommer.

WANN & WO: Stichwort Sommer: Was hältst du vom Thema Klimaerwärmung und den Konsequenzen für den Wintertourismus?

Willi Mathies: Ich glaube, Skiregionen unter 1000 Meter werden die Klimaerwärmung hart zu spüren bekommen. Gebiete wie der Arlberg bleiben aufgrund ihrer Höhenlage und der Beschneiung konkurrenzfähig. Leider wird der ohnehin schon teure Skisport damit noch exklusiver – hier wäre es wichtig, dass von Seiten der Politik etwas unternommen wird. Sonst bleibt der schönste Sport der Welt nur den Reichen und Schönen vorbehalten.

WANN & WO: „Reich und Schön“ und der Tiefschnee-Rausch: Wie schwierig ist der Umgang mit Ski-Gästen, wenn sie trotz prekärer Situation gefährliche Abfahrten wagen wollen?

Willi Mathies: Zeit meiner Karriere hing bei uns in der Skischule der Aushang eines Haftungsausschlusses, wenn man sich entschloss, mit einem Bergführer die Valluga Nord zu befahren. Je besser die Skifahrer waren, die man betreut hatte, desto größer war das Bedürfnis, schwierige oder zum Teil gesperrte Hänge befahren zu wollen. In meinen Gruppen habe ich bestimmt, wo gefahren wird. Wem das nicht gepasst hat, konnte sich einen anderen Skilehrer suchen. Ich war auch lange Jahre in der Lawinenkommission und habe selbst Gäste ausgegraben, die ohne mich nicht mehr am Leben wären. Deshalb gab und gibt es für mich in diesem Thema keine Toleranz.

WANN & WO: Was wünscht du dir von der Zukunft?

Willi Mathies: Inzwischen zwickt mein Körper schon an etlichen Stellen. Am meisten wünsche ich mir Gesundheit, damit ich noch so lange wir möglich Skifahren kann. Mindestens 64 Saisonen sollten schon drin sein (schmunzelt).

<p class="caption">Besonders stolz ist Willi auf seine Gold Wing – inklusive Airbrush von Albona, Arlberg und Skilehrer-Fotos aus seiner Vergangenheit.</p>

Besonders stolz ist Willi auf seine Gold Wing – inklusive Airbrush von Albona, Arlberg und Skilehrer-Fotos aus seiner Vergangenheit.

<p class="caption">Willi mit charismatischem „Schnauzer“ und dem „Blitz aus Kitz“ Toni Sailer.</p>

Willi mit charismatischem „Schnauzer“ und dem „Blitz aus Kitz“ Toni Sailer.

<p class="caption">Ski-Legenden unter sich: Franz Klammer und Willi Mathies.</p>

Ski-Legenden unter sich: Franz Klammer und Willi Mathies.

„Nach einem Unfall wurde ich in den Graben geschleudert. Mit doppelt gerissenem Kreuzband und einer großen Fleischwunde bin ich dann selbst wieder zurück nach Bludenz gefahren, um mich zusammenflicken zu lassen.“

Willi Mathies über einen Motorradunfall auf Sardinien.

Kurz gefragt ...



Mit was kann man dich verführen?
Mit der hervorragenden Küche meiner Frau Edeltrud.

Mit wem würdest du heute
noch gerne Skifahren gehen?
Privat, mit meinen Freunden und
Gästen, die mir seit Jahrzehnten ans
Herz gewachsen sind.


Wenn du selbst am Herd stehst,
was kochst du dir?
Am liebsten Fischgerichte, Kochen ist inzwischen ein großes Hobby von mir.


Welche Mittel hast du
gegen einen Kater parat?
Frische Luft. Und inzwischen lasse ich alle harten Getränke weg. Aber ich musste viel leiden in meinem Leben (schmunzelt).


Was war der ungewöhnlichste Wunsch, der dir ein Gast
entgegengebracht hat?
Ein Schweizer Gast wollte von mir, dass ich in Stuben über ein kleines BienenHäuschen springe – für 50 Franken. Gesagt getan, bei der Landung zog ich mir einen offenen Unterschenkelbruch zu. Die beiden Hoteliers Walch und Steiner renkten mich dann ein und brachten mich mit dem VW-Käfer ins Krankenhaus.


Was treibt dich zur Weißglut?
Wenn man mich herausfordert und aufstachelt. Zeit meines Lebens habe ich keinen Wettkampf und Vergleich gescheut. Was auch in der einen oder anderen Verletzung gemündet ist.

Welches TV-Programm läuft bei dir?
Hauptsächlich Sport, in allen Varianten.

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