„Ich war immer schon ein Macher“


              Fotos: Sams

Fotos: Sams


WANN & WO: Sie sind in Amsterdam geboren und wohnen seit mittlerweile 25 Jahren in Vorarlberg. Werfen wir einen Blick zurück in Ihre Kindheit in den Niederlanden. Wie sind Sie aufgewachsen?

Loek Versluis: Wir waren ein Haushalt von acht Personen. Ich bin der Zweitälteste von fünf Geschwistern und trotz großer Familie haben wir alle die Ausbildung bekommen, die wir wollten. Wir wurden sehr katholisch und bodenständig erzogen, da wir auch nicht so viel Geld hatten. Ich würde schon sagen, dass mich meine Erziehung sehr geprägt hat.

WANN & WO: Wie ist Ihr Ausbildungsweg verlaufen?

Loek Versluis: Ich war immer schon ein Macher. Deshalb habe ich mich nach der Schule auch für eine klassische Ausbildung als Koch und Patissier entschieden, bevor ich die Hotelfachschule mit Schwerpunkt Management besuchte. Danach musste ich ins Bundesheer, obwohl ich das für verschwendete Zeit hielt.

WANN & WO: Inwiefern verschwendet? Wollten Sie den Wehrdienst nicht antreten?

Loek Versluis: Nein, nach der Hotelfachschule hatte ich genügend Arbeit in der Hotellerie. Und das habe ich denen dort auch deutlich gesagt. Aber es half nichts. In Holland mussten zu dieser Zeit immer der Erst- und Zweitgeborene einer Familie den Wehrdienst leisten. So hat es mich auch getroffen. Aber ich habe es immerhin geschafft, mich in einer Kaserne zu bewerben, in der wir Soldaten ausbildeten und war dort für die Kochausbildung zuständig. Dies war in Haarlem nicht weit weg von Amsterdam. So konnte ich am Wochenende im Hotel in der Hauptstadt Geld verdienen und unter der Woche, 16 Monate lang der Pflicht als Ausbilder im Militär nachgehen.

WANN & WO: Irgendwann wurde Ihnen Amsterdam zu klein und Sie sind ausgewandert?

Loek Versluis: Genau so könnte man das sagen (lacht). Mit 24 habe ich dann meine sieben Sachen gepackt und bin in die Schweiz, genauer gesagt nach Bürgenstock, einem Fünf-Sterne-Ressort oberhalb des Vierwaldstättersees.

WANN & WO: Hatten Sie mit sprachlichen Barrieren zu kämpfen?

Loek Versluis: Klar, aber das geht, glaube ich, jedem am Anfang so. Das Problem hat sich eigentlich erst später gezeigt. Ich dachte nämlich, ich hätte in der Schweiz Hochdeutsch gelernt. Dem war nicht ganz so (lacht). Aber das wichtigste war, dass ich zu dieser Zeit meine Frau Annette kennen gelernt habe, die ebenfalls im Hotel arbeitete.

WANN & WO: Sind sie beide dann gleich zusammen nach Vorarlberg?

Loek Versluis: Nein, ganz so schnell ging das nicht. Nach einigen Saisonen in der Schweiz hat sich meine Frau 1990 für eine Ausbildung in Heidelberg entschieden – und ich bin ihr hinterher. Wir haben dann saisonal in verschiedenen Hotels gearbeitet, bis ich 1994 eine Stelle als Direktor im Hotel der Hotelfachschule Villa Blanka in Innsbruck bekommen habe. Als klar wurde, dass dies finanziell keine Zukunft haben würde, sind wir dann nach Vorarlberg gekommen.

WANN & WO: War damals McDonald’s im Ländle schon ein Thema?

Loek Versluis: Außer in Hard war Systemgastronomie im Ländle eher unbekannt. Wir selbst haben damals in Brand gewohnt, wo ich die Leitung im Hotel Schesaplana übernahm. Man muss sich vorstellen, wenn man oben am Berg wohnt und sehr viel arbeitet, bekommt man vom restlichen Geschehen nicht so viel mit.

WANN & WO: Wie kam es dann letztendlich dazu, dass Sie 1997 als Franchise-Partner ihre erste Filiale eröffnen konnten?

Loek Versluis: Bis dahin war es ein langer Weg. Ich habe zufällig von der Eröffnung der Filiale in Bürs erfahren und wurde neugierig. Kurz darauf erfuhr ich, dass es ein Ausbildungsprogramm in diesem Bereich gibt, das aber nicht finanziell honoriert wurde. Mit zwei kleinen Kindern und einer Frau war das nicht einfach. Trotzdem habe ich mich dafür entschieden und zusätzlich am Wochenende in einer Pizzeria gearbeitet, um Geld zu verdienen. Bis ich genau an meinem Geburtstag 1997 die Schlüssel für meine erste Filiale in Rankweil bekam.

WANN & WO: Wie war das für Ihre Frau? Ich nehme an, Sie haben sehr viel gearbeitet und sie war mit den Kindern großteils auf sich gestellt?

Loek Versluis: Das war schon eine Herausforderung. Das Restaurant in Rankweil war ein voller Erfolg und wir beide waren sieben Tage die Woche 24 Stunden im Einsatz. Als unsere Tochter Barbara im Kindergarten war, haben wir uns dazu entschieden unseren Sohn Daniel vormittags, zu einer liebevollen Tagesmutter zu geben, und das haben wir nie bereut.

WANN & WO: Gab es keine Kritik von außen?

Loek Versluis: Hier in Vorarlberg ist es nicht ganz üblich, aber bei uns in den Niederlanden gehen Frauen schon viel früher nach der Geburt wieder arbeiten. Das haben wir uns als Beispiel genommen. Das war die beste Entscheidung. Er hatte dort eine so tolle Zeit und wir beide konnten gemeinsam im Unternehmen arbeiten und uns etwas aufbauen.

WANN & WO: So hat also alles begonnen, heute sind Sie Franchise-Partner von sechs Filialen in ganz Vorarlberg und führen somit ein Unternehmen mit mehr als 380 Mitarbeiter. Bleibt da noch Zeit, um anderen Dingen als der Arbeit nach zu gehen?

Loek Versluis: Klar. Ab und an geht sich schon ein Urlaub aus. Dabei müssen wir auf dem Weg aber immer auch die Konkurrenz/Mitbewerber begutachten. Da kann die Fahrt schon einmal ein wenig länger dauern als geplant (lacht).

WANN & WO: Sie, und besonders ihre Frau Annette, werden auch öfter am Rande der Pisten beim Anfeuern der Snowboard-Profis Alessandro und Luca Hämmerle gesehen. Welche Verbindung haben sie zur Familie Hämmerle?

Loek Versluis: Uns und die Eltern der Jungs, Hanno und Caterina, verbindet eine ganz besondere Freundschaft. Wir haben uns damals in der Schweiz kennengelernt und sind uns seit dort sehr nahe. Auch unsere Kinder sind ungefähr im gleichen Alter. Dadurch haben wir immer versucht, gemeinsam Zeit zu verbringen. Eines Tages standen die jungen Burschen dann mit diesen Brettern da. Damals hat noch keiner geahnt, wohin das irgendwann einmal führen wird (lacht). Ich schätze die Familie Hämmerle sehr und habe großen Respekt vor der Arbeit von Hanno und Caterina.

WANN & WO: Sie werden nächstes Jahr 60 Jahre alt. Haben Sie schon über Ruhestand nachgedacht?

Loek Versluis: Ans Aufhören denke ich noch lange nicht. Aber wenn es dann irgendwann soweit sein soll, dann habe ich schon Pläne. Ich möchte zum Beispiel die Kirche wieder anders beleben und attraktiver machen für Jung und Alt. Aber da ist die Zeit noch nicht reif in Vorarlberg. Hier muss die Jugend noch ein wenig warten (grinst). Aber zur Pension sind noch einige Jahren Zeit, um das Projekt vorzubereiten.

„Ab und an geht sich schon ein Urlaub aus. Dabei müssen wir auf dem Weg aber immer auch die Konkurrenz/Mitbewerber begutachten. Da kann die Fahrt schon einmal ein wenig länger dauern als geplant (lacht).“ Loek Versluis über seine Freizeit und Urlaubsgestaltung

„Mit 24 habe ich dann meine sieben Sachen gepackt und bin in die Schweiz.“ Loek Versluis über seine Auswanderung

„In Holland mussten zu dieser Zeit immer der Erst- und Zweitgeborene einer Familie den Wehrdienst leisten. So hat es mich auch getroffen. Aber ich habe es immerhin geschafft, mich in einer Kaserne zu bewerben, in der wir Soldaten ausbildeten und war dort für die Kochausbildung zuständig.“ Loek Versluis über seinen Wehrdienst in den Niederlanden

Zur Person

Name: Loek Versluis
Geburtsdatum/-ort: 27. August 1961, Amsterdam
Hobbys: Alles in der freien Natur
Familienstand: Verheiratet mit Annette,
zwei Kinder Barbara (27) und Daniel (24)