„Dass wir noch immer streiken müssen, ist eine Katastrophe“

Bei der jüngsten Demonstration von „Fridays For Future“ im vergangenen November marschierten rund 2000 Schüler bei Wind und Wetter lautstark und ­friedlich durch die Bregenzer Innenstadt. Fotos: Sams, Stiplovsek, W&W/Küng

Bei der jüngsten Demonstration von „Fridays For Future“ im vergangenen November marschierten rund 2000 Schüler bei Wind und Wetter lautstark und ­friedlich durch die Bregenzer Innenstadt. Fotos: Sams, Stiplovsek, W&W/Küng

Ein Jahr „Fridays For Future Vorarlberg“: Was hat die junge Klimabewegung erreicht? Und wo geht die Reise noch hin? Ein Rück- und Ausblick.

„Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein“, sang die deutsche Band Tocotronic vor 25 Jahren auf ihrem Debütalbum „Digital ist besser“. Ein Vierteljahrhundert später könnte diese Textzeile passender nicht sein: Am 1. Februar 2019 fand die erste Sitz­ung der jungen Umweltbewegung „Fridays For Future Vorarlberg“ statt – und tausende Vorarlberger Kinder und Jugendliche sind mittlerweile ein Teil davon. Weltweit sind es wohl Millionen, die nach dem Vorbild der Schwedin Greta Thunberg für Klimaschutz auf die Straße gehen.

„Ich war überwältigt“

„Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich mich damals mit meinen Freunden Nina Mathies und Simon Zudrell gewundert habe, dass es ,Fridays for Future‘ in Vorarlberg noch nicht gibt‘, blickt Gründungsmitglied Alexandra Seybal zwölf Monate zurück. „Es zeigte sich aber schnell, dass wir nicht die Einzigen waren, die im Ländle etwas gegen die Klimakrise tun wollten. Beim ersten Treffen war der ganze Raum gefüllt. Zudem verbreitete sich ,Fridays For Future‘ Vorarl­berg rasend schnell über die Sozialen Medien. Bei der ersten Demo am 22. Februar am Kornmarktplatz war ich überwältigt: So viele Menschen gingen für eine lebenswerte Zukunft auf die Straße! Sogar einige Lehrpersonen waren dabei.“

„Blut, Schweiß und Tränen“

Auch „Fridays“-Sprecher Aaron Wölfling ist begeistert von der Entwicklung in Vorarlberg: „Ich hätte nie damit gerechnet, dass die Bewegung so schnell wachsen würde. Das zeigt aber, wie dringend politische Veränderung ist. Dass wir immer noch streiken müssen, ist eine Katastrophe.“ Die Politik schlafe weiterhin, obwohl die Zivilgesellschaft schon zwölf Monate lang Alarm schlage. „Ein ganzes Jahr kämpfen wir nun schon für das Ziel der Klimagerechtigkeit und für die Einhaltung des 1,5 Grad-Ziels und stecken Blut, Schweiß und Tränen in diese Bewegung. Unzählige Arbeitsstunden stecken bereits im Projekt ,Fridays for Future Vorarlberg‘ und die Energie, die von allen Beteiligten nach außen getragen wurde, ist wirklich bemerkenswert.“

Doch wozu das Ganze?

„Was das alles gebracht hat? Eine berechtigte Frage“, räumt Wölfling ein. Schwärmereien über die Bewegung seien durchaus legitim, doch es brauche nun die Analyse: „Wo stehen wir?“ und „Wo wollen wir hin?“. Dass die Grünen vor allem durch „Fridays For Future“ ihr Comeback feiern konnten, steht sowohl für Seybal als auch für Wölfling außer Frage. „Ohne es böse zu meinen, aber das sehe ich ähnlich. Doch klar ist, dass momentan keine Partei ausreichend Klima-gerechte Politik macht“, sagt Seybal, die im vergangenen Jahr für die SPÖ kandidierte und mittlerweile in Wien Politikwissenschaften studiert, dazu. Und Wölfling, bei den jungen Grünen aktiv, pflichtet ihr bei: „Es lässt sich nicht leugnen, dass unsere Aktivitäten maßgeblichen Einfluss auf das Wahlergebnis hatten. Der schöne Name der Grünen reicht aber nicht, um das Ziel der Klimagerechtigkeit zu erreichen. Auf Bundesebene müssen jetzt ,Nägel mit Köpfen‘ gemacht werden. Ob die Grünen das schaffen, ist und bleibt mit diesem Regierungsprogramm fraglich.“

<p class="caption">Alexandra Seybal</p>

Alexandra Seybal

<p class="caption">Aaron Wölfling</p>

Aaron Wölfling

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