„Haben Einbußen bis zu 50 Prozent“

Xiaoliang Ye führt das Restaurant Ganbei am Dornbirner Marktplatz und den Asiamarkt in Hard. Foto: handout/privat, Montage: W&W

Xiaoliang Ye führt das Restaurant Ganbei am Dornbirner Marktplatz und den Asiamarkt in Hard. Foto: handout/privat, Montage: W&W

Immer öfter werden asiatischstämmige Menschen aus Angst vor dem Corona-Virus gemieden oder gar angefeindet. W&W hat die Situation in Vorarlberg untersucht.

Kims Hals kratzt. Sie spürt, wie der Hustenreiz immer stärker wird, bis sie es fast nicht mehr aushält. Und trotzdem: Jetzt bloß nicht husten, denkt sie sich, auf keinen Fall husten! Nicht hier im Bus, mit all den Menschen um sie herum. Kim ist Asiatin. Und in Zeiten von Corona macht genau das ihr das Leben schwer. „Ich traue mich nicht, in der Öffentlichkeit zu niesen oder zu husten, eben aus Angst, dass man mich schräg ansieht“, erzählt die junge Frau, die ihren echten Namen aus Angst vor Ablehnung nicht im Zusammenhang mit Corona in der Zeitung lesen möchte, im Gespräch mit WANN & WO. „Zwar ist es mir noch nicht passiert, dass ich von fremden Menschen direkt angesprochen oder beleidigt wurde, aber ich fühle mich durchaus merkwürdig, wenn ich unter Menschen bin. Es gab eben Situationen, in denen ich meinte, komisch beäugt zu werden.“ Ihrer Tante habe sich sogar schon feindliche Kommentare anhören müssen.

„Run“ auf Asiamärkte

Aber nicht nur im Privaten, auch im Job merken asiatischstämmige Vorarlberger eine veränderte Stimmung. „Im Restaurant haben wir Einbußen von gut 40 bis 50 Prozent“, sagt Xiaoliang Ye auf WANN & WO-Anfrage. Ye ist Inhaber des Ganbei am Dornbirner Marktplatz, sowie des Asia Shops in Hard. „Die Leute haben Angst vor dem Virus und sind vorsichtig“, fährt der Geschäftsmann fort, „und dazu gehört eben auch, weniger unter Leute und essen zu gehen.“ Den genau gegenteiligen Trend beobachtet er in seinem Harder Asia Shop. „Die Leute kaufen mehr ein, als sonst. Sie wollen sich gerade mit haltbaren Lebensmitteln wie Reis oder Nudeln eindecken, um für den Ernstfall vorbereitet zu sein. Was man aber auch sagen muss: So schlimm wie beispielsweise in China ist es noch nicht.“ Er glaubt aber, dass sich das ändern könnte, wenn es einen positiv getesteten Corona-Fall in Vorarlberg gibt. Eine gewisse Angst unter den Menschen meint auch Lin Ting Ting vom gleichnamigen Asia-Markt in Lustenau zu registrieren: „Unsere Kunden kaufen aktuell deutlich mehr ein, als sonst. Statt einem oder zwei Säcken Reis sind das durchaus schonmal gleich zehn“, schildert Ting Ting gegenüber WANN & WO. „Wir werden auch immer wieder nach Schutzmasken und Desinfektionsmittel gefragt.“

Austauschstudenten an FH

An der FH Vorarlberg, wo durch Austauschprogramme mit internationalen Partnerunis auch viele Asiatinnen und Asiaten studieren, werde darauf geachtet, dass niemand aufgrund seiner Nationalität abgelehnt wird. „Wir schützen die Offenheit und Internationalität – ohne sie würde es die FH nicht geben“, erklärte die Einrichtung.

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