Auf Schätzejagd mit einem echten „Dachboden Piraten“

Zu Gast in der „Höhle“ des „Dachboden Piraten“: In einem alten Stickereilokal in der Lustenauer Staldenstraße 25 türmen sich allerlei Schätze aus   verschiedenen Epochen. Fotos: Sams

Zu Gast in der „Höhle“ des „Dachboden Piraten“: In einem alten Stickereilokal in der Lustenauer Staldenstraße 25 türmen sich allerlei Schätze aus   verschiedenen Epochen. Fotos: Sams

Seit Antiquitätenhändler Markus Schwindsackl bei „Bares für Rares Österreich“ auftritt, hat sich für den Lustenauer alles verändert. Mit W&W spricht der sympathische Paradies­vogel über Kunst, Krempel und was Vorarlberger auf ihren Dachböden horten.


WANN & WO:
Was hat sich für Dich verändert, seit Du im TV bei „Bares für Rares Österreich“ zu sehen bist?

Markus Schwindsackl: Am meisten überrascht hat mich mein plötzlich gestiegener Bekanntheitsgrad. Es häufen sich bei mir die Anfragen, sowohl von Seiten der Kunden, als auch was Kontakte mit Händlern oder Experten betrifft. Und man wird auf der Straße angesprochen, egal ob ich in Lustenau oder der Wiener Innenstadt unterwegs bin. Ich muss aber gestehen, dass mir das schon gefällt (schmunzelt). In meinem Beruf hat man mit vielen Menschen zu tun, die einem Einblick in ihr Privates geben. Umso wichtiger ist ein offener und wertschätzender Umgang. Da schadet es auch nicht, wenn man ein bisschen narzisstisch veranlagt ist, natürlich im positiven Sinn. Außerdem ist es für mich eine große Ehre, dass ich das Ländle in der Show vertreten darf.

WANN & WO: Wie hast Du Deine Liebe für Raritäten entdeckt?

Markus Schwindsackl: Schon in Kindheitstagen übten alte Häuser und darin verborgene Schätze eine unheimliche Faszination auf mich aus. Vor sechs Jahren habe ich mich dann entschlossen, meine Passion zum Beruf zu machen. In einem alten Stickerei-Lokal entstand dann mein Geschäft. Der „Dachboden Pirat“ war geboren, grafisch beflügelt durch meinen guten Freund Keulinger. Meine Art von Persönlichkeit gab sicherlich auch ein wenig den Ausschlag, dass sich Servus TV für mich entschieden hat.

WANN & WO: Welche Eigenschaften muss man für Deine Profession mitbringen?

Markus Schwindsackl: Als absoluter Quereinsteiger lebe ich von meiner Leidenschaft für Antiquitäten. Der Rest kam dann mit der Zeit durch „Learning by Doing“ dazu. Aktuell beschäftige ich mich auch viel mit der Restauration und klassisch, handwerklichen Dingen. Als Händler geht es mir vor allem darum, den Leuten ehrlich gegenüber zu treten. Ich glaube, Kunden merken schnell, wenn man sie zu etwas zwingen will, oder sie „abzocken“ möchte. Deshalb begegne ich den Menschen immer mit Respekt und auf Augenhöhe. Nur dann lässt man einen „Dachboden Piraten“ zu sich nach Hause. Und nur dann erzählen dir die Menschen auch die Geschichten hinter ihren privaten Schätzen. Gerade wenn es um Exponate geht, die beispielsweise aus dem Nachlass von verstorbenen Familienmitgliedern entstammen. Außerdem ist es wichtig, Echtheit von diversen Stücken zu überprüfen. Einerseits muss man hier ein Gefühl dafür entwickeln, andererseits profitiere ich hier über mein Netzwerk an Experten, die mich hier beraten. Gerade in Internet-Zeiten ist eine ehrliche und persönliche Beratung Gold wert.

WANN & WO: Wurdest Du selbst schon abgezockt?

Markus Schwindsackl: Erstaunlicherweise nicht. Ich bin aber auch ein kleiner Händler, der selbst vor Ort seine Exponate sichtet oder auch gerne als typischer Trödler auf Flohmärkten unterwegs ist.

WANN & WO: Was war der erstaunlichste „Schatz“, der Dir als „Dachboden Pirat“ untergekommen ist?

Markus Schwindsackl: Unheimlich viele, aber besonders angetan haben es mir damals zwei Thonet-Hocker. Die Stühle der Gebrüder Thonet Bugholzmöbel-Fabrik aus Wien zählen in Sammler-Kreisen zu sehr gefragten Stücken. Die beiden Exponate von mir sollen angeblich als Sonderanfertigung für das Liechtensteiner Palais gefertigt worden sein. Und in einer Ausstellung des Museums für angewandte Kunst in Wien wurde mir klar, dass die beiden Hocker einzigartig waren.

WANN & WO: Welche Schätze verstecken sich in den Vorarlberger Scheunen, Kellern und Dachböden?

Markus Schwindsackl: Man würde es gar nicht glauben, was sich hier alles findet. Jugendstil, Art déco, wunderschöne Silberarbeiten – mit dem Wohlstand der Vorarlberger Fabrikanten stieg auch die Anzahl an solchen Exponaten. Einzigartig für unsere Region ist und bleibt das Handwerk. Tische oder Bänke aus dem Bregenzerwald oder dem Montafon finden sich nur hier.

WANN & WO: Stichwort Corona: Wie hat Dich die Pandemie getroffen?

Markus Schwindsackl: Wie alle betrifft es natürlich auch mich. Gerade in Bezug auf Flohmärkte war die Handhabe in Vorarlberg sehr strikt. Ich denke gerade an Pensionisten, die sich hier etwas dazu verdient haben. Für die fällt dieses Zubrot weg. Im Geschäft habe ich natürlich auch Umsatzeinbußen, ich möchte die Situation aber nicht bejammern.

WANN & WO: Was lässt Dein Trödlerherz höher schlagen?

Markus Schwindsackl: Ein besonderes Faible habe ich für alte Emaille-Schilder, gerade Werbetafeln oder Ähnliches sind für mich von besonderem Wert – je ausgefallener, desto besser. Außerdem fasziniert mich die Möglichkeit, wenn ich Räume betreten kann, in denen die Zeit quasi still steht und seit Jahrzehnten nichts verändert wurde. Hier spielt der Zufall auch eine große Rolle, gerade jetzt, wo so viel weggeworfen wird. Dieser Einblick in unsere ureigene Tradition und Geschichte fängt mich jedes Mal aufs Neue ein. Umso schöner ist es dann auch, wenn man ein erworbenes Stück, das seine eigene Geschichte erzählen kann, an jemandem weitergibt, der sich dessen emotionalen Werts bewusst ist.

WANN & WO: Du bist auch bekannt für dein extravagantes Auftreten. Welchen Wert nimmt dein Äußeres in deinem Leben ein?

Markus Schwindsackl: Ich glaube, das Jugendliche und Bubenhafte ist mir immer geblieben. Quasi Peter Pan und Kapitän Hook in einer Person. Das Schlimmste, was einem Menschen passieren kann, ist, wenn man seine Kindlichkeit und seinen Humor verliert. Ich möchte auch mit 80 noch ein Spitzbube sein.

WANN & WO: Du bist ja ungebunden. Was muss denn passieren, damit sich der „Dachboden Pirat“ auf eine „Piraten-Braut“ einlässt?

Markus Schwindsackl: Meine letzte Beziehung ist inzwischen Jahre her. Gerade jetzt genieße ich das Single-Leben in vollen Zügen. Ich habe auch nicht das Bedürfnis, mich krampfhaft zu binden – soweit herrscht keine Torschlusspanik. Wenn die passende Person kommt, dann passiert das sowieso.

<p class="caption">Ein handgefertigter Thonet-Stuhl aus der Österreichisch-Ungarischen Monarchie in der k.u.k.-Artillerie-Schule in Wien.</p>

Ein handgefertigter Thonet-Stuhl aus der
Österreichisch-Ungarischen Monarchie in der k.u.k.-Artillerie-Schule in Wien.

<p class="caption">Massive „Registrierkasse aus einem Dornbirner Bestand, ebenfalls aus der Kaiserzeit, und noch funktionstüchtig.</p><p class="caption" />

Massive „Registrierkasse aus einem
Dornbirner Bestand, ebenfalls aus der
Kaiserzeit, und noch funktionstüchtig.

<p class="caption">Hier zeigt Markus Schwindsackl einen immer noch voll funktionstüchtigen „Barbier-Sessel“. Dem Schnitthaar entl­edigte man sich mittels Dreh-Mechanik.</p>

Hier zeigt Markus Schwindsackl einen immer noch voll funktionstüchtigen
„Barbier-Sessel“. Dem Schnitthaar entl­edigte man sich mittels Dreh-Mechanik.

„Dieser Einblick in unsere ureigene Tradition und Geschichte fängt mich jedes Mal aufs Neue ein. Umso schöner ist es dann auch, wenn man ein erworbenes Stück, das seine eigene Geschichte erzählen kann, an jemandem weitergibt, der sich dessen emotionalen Werts bewusst ist. “

Antiquitätenhändler und „Dachboden Pirat“ Markus Schwindsackl über die Liebe zu seinem Beruf,

Kurz gefragt ...



Kunst? Was schön ist. Und das liegt
in dem persönlichen Ermessen.

Krempel? Krempel kann für viele schön sein. Als Pirat schaue ich darauf, keinen Kitsch und Müll an Bord zu holen.


Vergangenheit? Persönlich lebe ich im Hier und Jetzt und denke an die Zukunft. Vergangenes verbinde ich mit positiven Erinnerungen.


Tradition? Verbundenheit mit
Vorarl­berg und Österreich. Verständnis, für das Leben unserer Vorfahren und gewisses Brauchtum und Empfindungen zu bewahren.


Was schaust du im TV? Dokus,
Infosendungen und „Bares für Rares“. Und heroische Filme wie „Gladiator“.


Vorbild? Meine Mutter, die es trotz ihrer harten Kindheit geschafft hat, sechs Kinder groß zu ziehen – und uns Anstand und Respekt beigebracht hat. Außerdem ist sie mit Arnold Schwarzenegger in die Schule gegangen (schmunzelt).

Was bedeuten Dir Deine Tattoos?
Meinen linken Arm ziert das
Kämpferische mit Schwertern und
Waffen. Rechts trage ich Tattoos im
japanischen Stil, was mich immer
schon interessiert hat.

Deine Hobbys? Fitness und
Bodybuildung. Außerdem fahre ich leidenschaftlich gerne Motorrad, mit meiner 28 Jahre alten Intruder.

Sendungshinweis: „Bares für Rares Österreich“ wird sonntags, um 20.15 Uhr, auf Servus TV ausgestrahlt. Tipp: Aktuell wirkt der Dachboden Pirat gerade an den Dreharbeiten für eine „Weihnachts-Ausgabe“ mit, generell bewerben kann man sich unter: https://casting.netmarket.de/­BaresfuerRaresOesterreich!