„Sprach mit Putin über Bregenz“

WANN & WO: Herr Heine: Sie haben das Hotel Schwärzler als Direktor in einer schwierigen Zeit für Hotellerie und Tourismus übernommen. Sind Sie bislang gesund durch die Pandemie gekommen? Und wie schätzen Sie die kommenden Monate im Hotel ein?

Peter Heine: Meine Familie und ich sind glücklicherweise gesund geblieben, es geht uns soweit sehr gut. Was das Hotel angeht: Es ist wichtig, das Vertrauen der Mitarbeiter und der Gäste zu gewinnen. Das wurde hier bisher sehr schlau gemacht, meine Vorgängerin Susanne Denk hat hier einen sehr guten Job gemacht. Das Hotel war für Business-Gäste weiterhin geöffnet, zusätzlich wurde ein Take-Away-Service installiert, wodurch wir auch ein ganz neues Publikum dazugewonnen haben. Es wurden teilweise durchaus sehr mutige Entscheidungen getroffen, weil ja niemand wusste, wo die Reise wirtschaftlich noch hinführt. Die Stimmung ist aber durchwegs positiv und wir blicken sehr optimistisch auf den Sommer – nicht zuletzt, weil auch die Festspiele bei voller Auslastung stattfinden können.

WANN & WO: Sie haben vor Ihrem Wechsel ins Hotel Schwärzler als Schlossverwalter der Fürstenfamilie Liechtenstein gearbeitet. Was macht man da so?

Peter Heine: (lacht) Das habe ich mich ehrlich gesagt auch gefragt. Ich wusste auch nicht, dass es so einen Job überhaupt gibt. Ich erhielt den Tipp von einem Jobvermittler in Tirol. An mein Vorstellungsgespräch erinnere ich mich noch genau: Es war an einem heißen, stickigen Sommertag. Ich war außer Atem, fünf Minuten zu spät, verschwitzt – und plötzlich standen die Fürsten- und Erbprinzenfamilie vor mir. Ich dachte mir: Ok, in 20 Minuten ist’s vorbei und das war‘s. Aber sie waren total freundlich. Man spricht sie natürlich mit Durchlaucht an, die Erbprinzessin mit Königliche Hoheit. Und im Prinzip ist es wie in einem Luxushotel: Wir regelten alle Privatangelegenheiten für die Fürstenfamilie, Autos tanken, Dienstpläne für das Personal erstellen, etc. Man ist einfach für sie da.

WANN & WO: In der Welt der ­Adeligen muss man sich aber auch erst einmal zurechtfinden, nehme ich an?

Peter Heine: Das ist richtig, das ist schon eine ganz eigene Welt. Man stellt aber schnell fest, dass auch sie alle nur mit Wasser kochen. Und die Lichtensteins sind extrem nett und auf Augenhöhe. Der Fürst ist einer der größten Privatkunstsammler weltweit und gehört zu den 100 reichsten Personen der Welt. Die Fürstenfamilie hat Besitztümer und Geschäftsbeteiligungen rund um den Globus und reist entsprechend viel. Weltweit gibt es 220 Familienmitglieder, die den Namen Liechtenstein tragen. Sie haben ein Top-Netzwerk, insbesondere nach England ins Hause Windsor. Prinz Charles ist ein guter Freund von Prinz Adam. Auch nach Monaco und zu Prinz Albert gibt es besten Kontakt. Die sind auch immer wieder privat zu Besuch kommen. Lady Diana und Prinz Charles haben in jungen Jahren zudem damals im Schloss Vaduz übernachtet, wenn sie am Arlberg Urlaub gemacht haben. Da fuhren dann die Paparazzi mit einem Malerauto zum Schloss, um Fotos von den beiden zu machen.

WANN & WO: Sie haben im Laufe Ihrer Karriere schon zahlreiche Persönlichkeiten begrüßt. Wer blieb Ihnen besonders in Erinnerung?

Peter Heine: 1989 bis 1991 war ich im Steigenberger Belvédère in Davos angestellt. Im Rahmen des Wirtschaftsforums in Davos hatten wir Jassir Arafat und den damaligen deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl zu Gast. Ich erinnere mich noch, wie ich eines Abends Dienst hatte und da saß Arafat im Pyjama gemeinsam mit Kanzler Kohl und zwei Übersetzern privat an der Bar. Sie diskutierten mehrere Stunden über Palästina und Israel. Ich habe nicht alles mitbekommen, hörte aber, wie Kohl zu Arafat sagte: „Es muss einfach Frieden herrschen zwischen Israel und Palästina, sonst wird es euer Land in ein paar Jahren nicht mehr geben. Die Amerikaner schauen da nicht mehr lange zu.“ In diesem Moment wurde sozusagen Geschichte geschrieben. Zum österreichischen Präsidenten Alexander Van der Bellen habe ich auch schon fast einen persönlichen Bezug. Ich durfte ihn bereits mehrfach als Gast begrüßen – und er wird im Sommer im Rahmen der Bregenzer Festspiele auch bei uns im Schwärzler ­nächtigen.

WANN & WO: Stichwort ­Festspiele: Sie hatten ja auch schon ­Gelegenheit, mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin über Bregenz und die Festspiele zu ­sprechen. Wie kam es dazu?

Peter Heine: 2001 wurde ich erstmals Hoteldirektor und eröffnete gemeinsam mit einem Kollegen das Hotel Le Palais in Prag. Zwei Monate später war eine NATO-Tagung in Prag und wir hatten Putin zu Gast. Rund um das Hotel wurden die Menschen für drei Tage aus ihren Häusern evakuiert und in Hotels untergebracht. Auf den Häusern wurden Scharfschützen positioniert, die Gebäude versiegelt. Putin kam in einer riesigen Wagenkolonne. Er spricht sehr gut Deutsch – wenn er möchte. Wir sind ins Gespräch gekommen und ich habe ihm erzählt, dass ich aus Österreich/Vorarlberg komme. Er entgegnete, dass er den Arlberg und den Bodensee kenne – Friedrichshafen, Lindau und auch Bregenz. Ich fragte, ob er schon einmal bei den Festspielen war. Er verneinte, sagte aber, dass ihn die Festspiele schon interessieren würden. Damals dachte ich mir noch: Na, bis du zu den Festspielen kommst, gibt es sicher noch fünf andere Präsidenten in Russland. Wie wir alle wissen, war dem nicht so. Das ist nun 20 Jahre her – und er ist es heute immer noch.

<p class="caption">Peter Heines Blick über das Fürstentum aus seinem damaligen Büro im Schloss Vaduz.</p>

Peter Heines Blick über das Fürstentum aus seinem damaligen Büro im Schloss Vaduz.

<p class="caption">Staatsgäste privat zu Besuch im Schloss.</p>

Staatsgäste privat zu Besuch im Schloss.

„Ich dachte mir damals noch: Bis du zu den Bregenzer ­Festspielen kommst, gibt es sicher noch fünf andere Präsidenten in Russland. Wie wir alle wissen, war dem nicht so. Das ist nun 20 Jahre her – und er ist es heute immer noch.“

Peter Heine über sein Gespräch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin

„Eines Abends hatte ich Dienst. Da saß Jassir Arafat im Pyjama mit Helmut Kohl an der Bar. Sie diskutierten stundenlang über Israel und Palästina.“

Peter Heine erinnert sich an eine besondere Begegnung zu seiner Zeit im Steigenberger Belvédère in Davos

Kurz gefragt ...

Vorarlberg ist ... ein interessantes Land mit vielen positiven Aspekten.

Was tun Sie als erstes nach der Pandemie? Mit dem Rad um den Bodensee fahren.

Was hat Ihnen im vergangenen Jahr am meisten gefehlt? Gewisse Leute im Ausland nicht persönlich treffen zu können. Ich bin niemand, der gern lange telefoniert.

Was ärgert sie? Verlogenheit.

Worüber freuen Sie sich? Gutes Essen, gute Getränke und hübsche Frauen.

Sie reisen sehr viel: Ihre Lieblingsstadt? Miami. New York und Cannes (ich war schon mehrfach bei den Filmfestspielen) ­finde ich auch sehr interessant, aber Miami hat es mir besonders angetan.

Berge oder Stadt? Ich liebe die Berge, bin aber ganz klar ein Stadtmensch.

Zur Person: Peter Heine

Alter, Wohnort: 54, Lustenau

Familienstand: verheiratet, eine Tochter

Karriere (Auswahl): Hotelfachschule Bludenz, div. Hotels in Tirol, Davos, München und weitere, Direktor Martinspark Dornbirn, Direktor Sporthotel Steffisalp Warth, Schlossverwalter Fürstenfamlilie Liechtenstein, seit April Direktor Hotel Schwärzler Bregenz

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