„Lewis ist ein cooler Typ“

WANN & WO: Philipp, du warst sechs Jahre lang für das Mercedes F1-Team tätig. Da ging wohl ein Kindheitstraum für dich in ­Erfüllung, nehme ich an?

Philipp Brändle: Absolut. Zu­­min­­­­­­­­­­­­­d­­­­est ab dem Alter von 12, 13 Jahren. Davor wollte ich eigentlich Kinderarzt werden. Ich habe aber schon immer viel gebastelt und gewerkelt. Auch unser Familienunternehmen „Friendly Brändle“ hatte sicher großen Einfluss auf mich: Neben der Gastronomie und dem Modegeschäft betreiben wir in der Firma auch einen Skiverleih. Wir passen Skischuhe an, schleifen die Skier selbst, etc. Alles handwerkliche und technische Dinge. Das hat mich schon früh sehr geprägt. Für mich hat sich dann irgendwann auch die Frage gestellt, was ich nach dem Gymnasium mache – und dann habe ich mich für die HTL Rankweil entschieden. Ich habe mir glücklicherweise in der Schule immer leicht getan, auch beim Lernen. Und die HTL war für mich genau das Richtige. Ich finde es auch toll, dass das österreichische Schulsystem derartige Möglichkeiten bietet – Schulen wie die HTL gibt es in dieser Art weltweit nicht.

WANN & WO: Wie bist du damals zum Team gekommen?

Philipp Brändle: Die Stelle war online ausgeschrieben und ich habe mich, als ich in der Endphase meiner Diplomarbeit war, ganz normal darauf beworben. Das war so Ende 2012, Anfang 2013. Im Februar wurde ich zum Interview eingeladen und bin dann direkt nach England in die Zentrale geflogen. Ich erinnere mich noch gut: Es hat geschneit und ich hatte Sommerreifen auf dem Leihwagen. Das war eine unterhaltsame Fahrt. Aber ich bin gut angekommen. (lacht) Es war sehr aufregend, das erste Mal im Werk in Brackley zu sein. Es ist riesig. Aber es war wirklich cool. Die Leute, die mich interviewt haben, waren total nett und ich hatte auch später immer wieder mit ihnen zu tun. Sie standen in der Hierarchie ein, zwei Positionen unter dem „Head of Aerodynamics“ und waren quasi für das Entwicklungsprogramm des aktuellen und nächstjährigen Rennwagens verantwortlich.

WANN & WO: Mit einem Augenzwinkern gefragt: Hattest du einen Österreich-Bonus?

Philipp Brändle: Wegen Toto (Anm. d. Red.: Wolff, Motorsportchef)? (lacht) Nein. Das wollte ich aber auch nicht. Toto hat mich aber gleich einmal gekannt. Wohl, weil er mich „schwätza g’hört“ hat. 80 Prozent des Teams sind aber Engländer, der Rest Franzosen, Spanier und Italiener. Wir haben uns dann auch ein bisschen besser kennengelernt – natürlich war es kein intensives Verhältnis, dafür hatte er ja auch keine Zeit. Aber als ich beispielsweise gehört habe, dass er Vater wird, haben wir uns darüber unterhalten. Er ist privat sehr nett und umgänglich, aber ansonsten ein beinharter Geschäftsmann. Das muss er in diesem Business aber auch sein. Und er ist ein unglaublich guter Leader.

WANN & WO: Du hast ja zuerst drei Jahre im Werk gearbeitet und anschließend auch an der Strecke. Hattest du da auch direkten ­Kontakt zu den Fahrern?

Philipp Brändle: Ja, auf jeden Fall. Im Windkanal traf ich das erste Mal auf Lewis Hamilton. Er begrüßte gleich alle mit Handschlag. Er ist ein supercooler Typ, sehr nett und unglaublich trainiert. Überhaupt sind die Piloten heute brutale Athleten. Das müssen sie auch sein, bei den Kräften, die im Auto auf sie wirken. Nico Rosberg habe ich in seinem Weltmeisterjahr 2016 bei uns in der Aerodynamikabteilung kennengelernt. Er ist von Tisch zu Tisch gegangen und hat sich für jeden Einzelnen ein paar Minuten Zeit genommen. Später an der Strecke hatte ich dann regelmäßig Meetings mit den Fahrern. Da erlebt man auch ihre Emotionen, Ängste und Freude.

WANN & WO: Du hast das Team 2019 verlassen, um in euren Familienbetrieb zurückzukehren. Stand für dich immer fest, dass du ins Ländle zurückkommst?

Philipp Brändle: Für mich stand das schon fest, bevor ich nach England gegangen bin. Es gab immer den Plan, dass mein älterer Bruder oder ich irgendwann einmal das Familiengeschäft übernehmen und quasi das Lebenswerk unserer Eltern fortführen werden. Mein Bruder ist Gastroprofi. Er hat in verschiedenen Hotels gearbeitet, auch als Geschäftsführer. Ich komme von der technischen Seite. Und so ergänzen wir uns sehr gut. Wir sind dann auch mehr oder weniger zeitgleich nach Hause zurückgekehrt. Unsere Eltern sind noch immer federführend, übergeben das Geschäft aber fließend an uns. Coronabedingt war das letzte Jahr nicht ganz einfach, aber wir sind ganz gut durchgetaucht.

WANN & WO: Im Sommer ist der Betrieb geschlossen, in dieser Zeit arbeitest du bei Omicron in Klaus. Welche Aufgaben hast du hier?

Philipp Brändle: Ich bin als Entwickler und Tester tätig und bin quasi die Schnittstelle für Hard-, Firm- und Softwareentwicklung. Omicron ist ein Top-Unternehmen mit Spitzenleuten und ich freue mich sehr, dass man mir die Möglichkeit gibt, das halbe Jahr hier zu arbeiten.

WANN & WO: Abschließend nochmal kurz zur Formel 1: Du bist TV-Experte bei Servus TV. Wann bist du für die Fans das nächste Mal im Einsatz?

Philipp Brändle: Am kommenden Wochenende werde ich den Frankreich-GP kommentieren und natürlich bin ich auch beim ersten Grand Prix am Red Bull-Ring mit von der Partie.

<p class="caption">2019: Philipp Brändle arbeitet in Spielberg am Weltmeisterauto von Lewis Hamilton.</p>

2019: Philipp Brändle arbeitet in Spielberg am Weltmeisterauto von Lewis Hamilton.

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              Zur Person: Philipp Brändle
            </p><p>Alter, Wohnort, Familienstand: 34, Klösterle, verheiratet, ein Kind</p><p>Karriere: BG Bludenz, HTL Rankweil, Studium Luft- und Raumfahrttechnik in München (Aerodynamik und Regelungstechnik), Aerodynamik-Spezialist bei Mercedes-AMG ­Petronas Formula One Team, Entwickler bei Omicron, künftig GF „Friendly Brändle“, Zürs, Formel-1-Experte bei Servus TV</p>

Zur Person: Philipp Brändle

Alter, Wohnort, Familienstand: 34, Klösterle, verheiratet, ein Kind

Karriere: BG Bludenz, HTL Rankweil, Studium Luft- und Raumfahrttechnik in München (Aerodynamik und Regelungstechnik), Aerodynamik-Spezialist bei Mercedes-AMG ­Petronas Formula One Team, Entwickler bei Omicron, künftig GF „Friendly Brändle“, Zürs, Formel-1-Experte bei Servus TV

„Nico Rosberg habe ich in seinem Welt­meisterjahr 2016 in der Aerodynamikabteilung ­kennengelernt. Er ist von Tisch zu Tisch gegangen und hat sich für jeden Einzelnen ein paar Minuten Zeit genommen.“

Philipp Brändle über spannende Begegnungen mit den Piloten des Mercedes-AMG Petronas F1 Teams

„Toto Wolff ist privat sehr nett und umgänglich, aber ansonsten ein beinharter ­Businessman.“

Philipp Brändle über den Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff

Kurz gefragt ...

Du bist F1-Experte für Servus TV. Wie ist es für dich, den Rennzirkus von außen zu betrachten?
Sehr spannend. Es ist genau das Gegenteil von dem, was ich beruflich gemacht habe. Es ist aber sehr cool, weil lauter Formel-1-Verrückte dort arbeiten. Es macht sehr viel Spaß.


Welches Land, welche Rennstrecke hat es dir besonders angetan?
Am exotischsten für mich war Japan. Es ist dort so anders als bei uns, aber irgendwie doch so ähnlich. Das ist wirklich lustig. Und vom Feeling und vom Vibe her: Monza. Die Tifosi sind der Wahnsinn.


Bist du selbst ein Racer?
Ich liebe Motorradfahren, fahre aber selbst keine Rennen. Mein Onkel ist in der britischen Formel-3-Serie angetreten. Wir haben also das Benzin im Blut.


Durftest du schon mal in einem
Formel-1-Boliden mitfahren?
Leider nein. Aber ich durfte bei meinem allerletzten Rennen in Singapur in Bottas‘ Auto Platz nehmen und einen „Gear-Shift-Check“ – also einmal alle Gänge bei laufendem Motor durchschalten – durchführen. Das war sehr beeindruckend. Zudem habe ich festgestellt: Ein F1-Auto ist kein gemütlicher Arbeitsplatz.

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