„Ansonsten besiegen wir das Virus nie!“

Szene-Gastronom Sigi Innauer über die Auswirkungen der 2-G-Regel, Covid und Clubs, Pipeline und wie er als Jugendlicher bei einer Pandemie reagiert hätte.

WANN & WO: Seit vergangenem Donnerstag gilt nur noch 2-G. Was bedeutet das für euch?

Sigi Innauer: Man ist draufgekommen, dass mit den Haustests etc. „Schundluder“ betrieben werden kann. Das ist natürlich ein großes Problem und darum finde ich es gut, dass nun neben der Impfung der PCR-Test gilt. Aber ich sehe es kritisch, dass diese 72 Stunden gelten. In dieser Zeit kann viel passieren. Die neuen Auflagen nehmen wir gerne in Kauf, ansonsten besiegen wir das Virus nie!

WANN & WO: Hatte die Maßnahme Auswirkungen auf die Besucherfrequenz?

Sigi Innauer: Ja, das hat man gemerkt. Viele haben den ganzen Abend auf das Ergebnis des PCR-Tests gewartet und ihn nicht bekommen und konnten somit nicht in den Club. Desweiteren finde ich die Regelung nicht konsequent. In einem Club braucht man 2-G und auf einem Zeltfest nicht? Hier sollte es eine einheitliche Regelung geben, etwa 3-G für Outdoor und 2-G für Indoor.

WANN & WO: Wie hast du die Covid-Situation als Gastronom erlebt?

Sigi Innauer: Das Zusperren eines funktionierenden Betriebes war emotional extrem schwierig – wir mussten ja das Restaurant und den Club schließen. Da überlegst du schon die Perspektiven: bleibt das Personal, kommen die Gäste wieder? Das verändert alles. Klar gab es Förderungen, aber die laufenden Kosten sind da – das kennt jeder.

WANN & WO: Hast du irgendwann gedacht, dass es reicht?

Sigi Innauer: Nein, ich wollte das schon durchstehen. Ich wusste immer, dass wir wieder aufmachen werden. Leider wurden immer die ,guten‘ Monate gestrichen. Das hat uns gefehlt. Und dann ist zwar offen, aber es kommt kaum was rein.

WANN & WO: Im Juli gab es die ersten Öffnungsschritte in der Nachtgastronomie. Was ist deine bisherige Bilanz?

Sigi Innauer: Es geht runter wie Butter. Wir haben tolle Wochen­enden hinter uns. Gleich nach dem Aufsperren waren die Leute im Club am Tanzen, es musste einfach raus. Da lag etwas in der Luft, es prickelte unten (Anm. Vakanz) und das hat gefehlt. Club-Kultur ist sexy und gehört zum Leben. Die Leute hatten sonst nichts. Vielleicht im Internet herum surfen. Aber was ist das schon im Gegensatz zum echten Leben?

WANN & WO: Kannst du dich in die jungen Menschen versetzen?

Sigi Innauer: Ja, natürlich und ich kann mir das nicht vorstellen, wenn man mir als 20-Jährigem gesagt hätte: ,Jetzt gehst du nicht mehr fort.‘ Ich weiß nicht, was wir getan hätten. Aber man hätte sich ziemlich sicher auch getroffen und deshalb mache ich niemandem einen Vorwurf. Hätte man die Pipeline-Story medial nicht so gepusht, wäre es sicher anders verlaufen – so wollte ja jeder hin. Eben auch die, die nicht wegen dem Geselligen, dem Spaß hingehen. So ist die ungute Situation entstanden.

WANN & WO: Hätte es die Vorfälle an der Pipeline auch gegeben, wenn die Clubs offen gewesen wären?

Sigi Innauer: Sicher nicht. Früher war das ja auch nicht der Fall. Die Clubs nehmen schon einiges weg. Die Leute haben Spaß im Club und sind so gesehen safe – nicht nur wegen Covid.

WANN & WO: Es gab ein negatives Beispiel bezüglich Covid und Club in Vorarlberg. Ist das vermeidbar bzw. was kann man machen?

Sigi Innauer: Da kann man nichts machen, wenn einer zwei Tage später positiv getestet wird. Impfungen und PCR-Tests sind ein guter Weg – und am besten ein „frischer“ PCR-Test. Denn wenn es blöd läuft – und das tut es meistens – dann kann genau so etwas wie vor zwei Wochen passieren. Dann fällt es wieder auf die Clubs zurück. Man kann niemandem einen Vorwurf machen. Leider gibt es keine „Covid-Scanner“, dann wäre es einfach (lacht).

WANN & WO: Wie könnte man auf so einen Fall reagieren?

Sigi Innauer: Alle komplett durchtesten und dann wieder aufmachen. Das Virus hängt ja nicht herum. Du kannst aber nicht einfach länger einen Club sperren, weil es einen Fall gegeben hat. Prinzipiell werden alle informiert und die Geimpften sind aus dem Schneider bzw. sollen sie auch einen PCR-Test machen.

WANN & WO: Wird die Club-Kultur von der Politik auch ernst genommen oder könnte es noch besser laufen?

Sigi Innauer: Wir hatten im Juni Gespräche und diese waren sehr fruchtbar. Die jungen Politiker waren ja auch im Nachtleben unterwegs. Und die setzen nicht nur ein freundliches Gesicht auf, sondern möchten wirklich helfen. Ich bin aber froh, dass ich nicht in deren Haut stecke und unpopuläre Entscheidungen treffen muss. Ich kann aber schwer sagen, wie man es besser machen könnte – Kontrollen sind ein gutes Mittel.

WANN & WO: Traust du dich einen Ausblick auf die Zukunft zu geben?

Sigi Innauer: Die Entwicklung abzuschätzen, ist sehr schwer. In London sperren sie alles auf, die Zahlen schauen nicht gut aus. Corona wird uns sicherlich länger begleiten. Und das wird den Impfgegnern sicher nicht passen, aber vermutlich wird sich in Zukunft alles nur über Impfungen spielen – zumindest in der Gastro-Branche. Es geht einfach um den Schutz aller!

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