„Ballett war mir zu wenig Action“

Bettina Plank holte bei den Olympischen Spielen Bronze. W&W traf die erfolgreiche Feldkircherin zum Talk und fragte: Wie ist dieKarate- Kämpferin privat?

WANN & WO: Du bist zurück aus Tokio, mit Olympia-Bronze im Gepäck. Wie geht es dir?

Bettina Plank: Super! Es war toll, aber ich habe mich trotzdem sehr darauf gefreut, wieder in Vorarlberg und bei meiner Familie zu sein.

WANN & WO: Deine ersten olympischen Spiele waren wohl auch deine letzten. Stimmt dich das wehmütig?

Bettina Plank: Karate war heuer erstmals olympisch und ist somit Testsportart. Frankreich, das die Spiele 2024 ausrichtet, will es nicht mehr im Programm haben. 2028 könnte es wieder dabei sein, aber da werde ich wohl nicht mehr auf der Matte stehen. Das ist schade, aber ich freue mich, dabei gewesen zu sein und mich nun auf andere Bewerbe zu konzentrieren.

WANN & WO: Hast du auch etwas von Tokio sehen können?

Bettina Plank: Gar nicht. Wir waren nur knapp eine Woche im olympischen Dorf und die Corona-Vorkehrungen waren hoch. Die Organisation war super, man hat sich sehr sicher gefühlt.

WANN & WO: Dabei hätte dir wahrscheinlich relativ wenig passieren können: Du hattest die Krankheit schon, bist genesen.

Bettina Plank: Ja, das war Anfang des Jahres – mitten in der Olympiavorbereitung und kurz vor dem Start wichtiger Wettbewerbe. Es hat mich wirklich umgehauen, ich bin einige Tage nur gelegen und brauchte danach eine ganze Weile, bis ich wieder fit war und überhaupt wieder trainieren konnte. Aber zum Glück hat es ja doch noch funktioniert. (lacht)

WANN & WO: Du bist viel auf Wettbewerben weltweit unterwegs. Was war dein Favorit?

Bettina Plank: Da fällt es mir schwer, mich festzulegen, weil mir so viele Städte gefallen. Ich bin sehr glücklich und dankbar, dass ich durch den Sport so viele verschiedene Orte sehen darf.

WANN & WO: Was wären deine Pläne gewesen, wenn es den Sport nicht gegeben hätte?

Bettina Plank: Oh, als Kind wollte ich viel werden, unter anderem Millionärin. (lacht) Als Jugendliche hatte ich die Polizeischule im Hinterkopf, nach der Matura am Sportgymnasium. Dann kam aber die Chance, in den Leistungssport zu gehen – da sagt man nicht Nein. Ich weiß aber, dass ich das nicht bis zur Pension machen kann und habe deshalb mit Unterstützung des Vereins „Karriere Danach“ Soziale Arbeit studiert und meinen Bachelor gemacht. Wenn ich den Sport beende, werde ich in dem Bereich arbeiten.

WANN & WO: Willst du dann zurück ins Ländle kommen?

Bettina Plank: Schon, ja. Ich liebe den Leistungssport und das Reisen. Aber in den letzten Jahren hat sich herauskristallisiert, dass ich wieder näher bei meiner Familie und in meiner Heimat sein möchte. Ich bin immer weniger bereit, Sachen zu missen, etwa Familientreffen zu verpassen.

WANN & WO: Steht dann auch eine eigene Familie auf dem Plan?

Bettina Plank: Ich habe eine Beziehung und auch meine Vorstellungen und Wünsche für die Zukunft. Aber momentan bin ich noch komplett im Sport – und was danach kommt, das schauen wir mal.

WANN & WO: Du hast als Kind zuerst eine ganz andere Sportart ausprobiert: Ballett. Wieso dann doch Karate?

Bettina Plank: Mir gefällt bei beiden Sportarten die Eleganz – die gibt es beim Ballett genauso wie beim Karate. Ballett ist toll und wunderschön. Aber für mich persönlich war es mir zu klassisch, zu wenig Action.

WANN & WO: Das Elegante lebst du auch privat: Anders als viele Leistungssportler trägst du privat nicht nur Funktions- und Sportkleidung. Trennst du damit für dich Sport und Privatleben?

Bettina Plank: Ich liebe Mode. Deshalb genieße ich es auch, wenn ich „normale“ Kleidung anziehen kann. Das war etwas, was mir im Studium besonders gefallen hat: dass ich mal ich sein konnte, ohne Sportbezug.

WANN & WO: Was machst du sonst als Ausgleich zum Sport?

Bettina Plank: Anfang des Jahres habe ich angefangen zu nähen. Meine Mama hat mir dafür zum Bachelorabschluss eine Nähmaschine geschenkt. Beim Nähen bin ich voll konzentriert und vergesse alles. Ich bin keine Meister-Näherin, aber es macht mir Spaß.

WANN & WO: Wie viel Raum bleibt dafür künftig: Was steht als Nächstes an?

Bettina Plank: Dieses Jahr stehen noch drei Weltcup-Turniere an. Ich weiß gar nicht alle Wettkampforte, nur dass ich in zwei Wochen in Kairo sein muss. (lacht) Und dann folgt im November noch die Weltmeisterschaft in Dubai.

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              Bettina bei ihrem bisher größten sportlichen Erfolg: Der Sieg über die Bulgarin Ivet Goranova und damit Olympia-Bronze in Tokio. 
              Foto: AP
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Bettina bei ihrem bisher größten sportlichen Erfolg: Der Sieg über die Bulgarin Ivet Goranova und damit Olympia-Bronze in Tokio. Foto: AP

<p class="caption">Redakteurin Anja traf Bettina zum Kaffee – ohne Sportkleidung.  Fotos: Sams</p>

Redakteurin Anja traf Bettina zum Kaffee – ohne Sportkleidung.  Fotos: Sams

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              Zur Person: Bettina Plank
            </p><p>Geburtsdatum, Wohnort: 24. Februar 1992, Feldkirch</p><p>Familienstand: in einer Beziehung</p><p>Sportliche Erfolge (Auswahl): Bronze bei den Karate-Weltmeisterschaften 2016 und 2018 in der Gewichtsklasse bis 50 Kilogramm, 1. Platz bei den Europaspielen in Minsk 2019, 1. Platz bei der Europameisterschaften in Istanbul 2015</p>

Zur Person: Bettina Plank

Geburtsdatum, Wohnort: 24. Februar 1992, Feldkirch

Familienstand: in einer Beziehung

Sportliche Erfolge (Auswahl): Bronze bei den Karate-Weltmeisterschaften 2016 und 2018 in der Gewichtsklasse bis 50 Kilogramm, 1. Platz bei den Europaspielen in Minsk 2019, 1. Platz bei der Europameisterschaften in Istanbul 2015

„Ich weiß, dass ich nicht bis zur Pension kämpfen kann und habe deshalb Soziale Arbeit studiert und meinen Bachelor gemacht. Wenn ich den Sport beende, werde ich in dem Bereich arbeiten.“

Bettina Plank über ein künftiges Leben nach dem Leistungssport.

Kurz gefragt ...

Was ist für dich das Beste an Vorarlberg?
Meine Familie. Die bedeutet mir alles – auch mehr als der Sport.

Berge oder See?
Definitiv Berge – ich bin halt eine Feldkircherin, der See war für uns schon immer zu weit weg. (lacht)

Wo möchtest du unbedingt noch hinreisen?
Südafrika will ich unbedingt noch sehen. Und ich war noch nie in New York, das muss auch noch sein. So ein Roadtrip durch Amerika würde mich mal reizen.

Worauf freust du dich in den kommenden zwölf Monaten am meisten?
Ich freue mich auf ein sportliches Jahr ohne den Überbegriff Olympische Spiele. Das war jetzt vier Jahre immer im Hinterkopf und damit schon eine große Last auf den Schultern. Ich freue mich, jetzt wieder auf „normale“ Wettbewerbe zu gehen – so wie am Anfang.

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