„Netflix schauen und sich zuhause die Birne zuknallen kann es nicht sein!“

Eventgastronom und Caterer Harald Otti im Talk über anderthalb Jahre Coronapandemie, den Umgang mit schwierigen Gästen, die umstrittene Impfung und einen möglichen Lockdown.

WANN & WO: Corona begleitet uns bereits seit anderthalb ­Jahren. Ihr Blick zurück?

Harald Otti: Als im Februar 2020 feststand, hoppala, da ist was unterwegs, haben wir uns schon gefragt: Was kommt da auf uns zu? Dass es so dramatische Einschränkungen gibt, hat vermutlich niemand gedacht. Auch wir waren der Meinung, dass im Sommer 2020 alles erledigt ist. Und nach den Stornierungen im Frühjahr war es dann auch tatsächlich so, dass wir im Sommer Buchungen hatten. Dann kam die Hoffnung, ok, es passt, es kommt wieder. Als Kurz dann im September mitteilte, es würden keine Weihnachtsfeiern stattfinden, war es mit der Hoffnung wieder vorbei.

WANN & WO: Wie ging es Ihnen in dieser Zeit persönlich?

Harald Otti: Es war schon eine sehr prekäre Situation. Ich habe in der Zeit wenig an mich selbst gedacht. Als Unternehmer kennt man auch harte Zeiten. Für mich persönlich stand die Verantwortung für meine Mitarbeiter im Vordergrund. Ihnen eine Perspektive für die Zukunft zu geben, sie halten zu können.

WANN & WO: Was erwarten Sie sich für den Herbst?

Harald Otti: Auch im vergangenen Jahr kam die bittere Wahrheit erst im September. Wir haben schon Sorge, dass sich das wiederholt. Nach 3G und 2G wird für den Herbst schon von 1G gesprochen. Als Veranstaltungsplaner und Caterer ist das für uns sehr schwierig, weil wir den Kunden nicht sagen können, was passieren wird. Der Unterschied zu 2020 ist aber: Die Kunden planen trotzdem. Sie sind bereit, das Risiko einzugehen – und wir sind bereit, das Risiko mit ihnen einzugehen, etwa indem wir kostenlose Stornierungen anbieten.

WANN & WO: Viele Gastronomen klagen über Gäste, die sich Kontrollen verweigern, Personal beschimpfen, falsche Tests vorlegen. Haben Sie selbst auch derartige Erfahrungen gemacht?

Harald Otti: Nein. Bei unseren Events ist ein Sicherheitsdienst vor Ort, der die Kontrollen übernimmt. Das würde ich auch jedem empfehlen: Ich bin dann nicht der böse Gastronom, der die Gäste draußen stehen lässt, weil der Test falsch oder gefälscht ist oder man den Ausweis nicht dabei hat. Sondern dann stehen da Securitys, die ganz klar die Verantwortung dafür tragen. Und es funktioniert. Bei unserem letzten Event waren über 90 Prozent geimpft, der Rest PCR getestet. Das hat auch gezeigt: Die Leute wollen wieder. Sie wollen Menschen treffen, den Abend genießen, tanzen. Jene, die sagen, das interessiert mich nicht, ich lasse mich nicht testen oder impfen, die gehen auch nicht aus. Die sitzen im Keller und machen dort ihre Partys. Als Veranstalter bin ich zudem der Ansicht: Wir dürfen nicht mehr die Umsätze und Personenzahlen von vor der Krise sehen. Das gilt speziell für alle, die es gewohnt sind, dass die Bude bis auf den letzten Platz knallvoll ist. Masse ist nicht Klasse. Und nun ist es Zeit, auf Klasse zu setzen. Nicht ganz voll machen, Abstand ermöglichen – und das Allerwichtigste: das Ganze mit Anstand handhaben.

WANN & WO: Sie haben bereits 1G erwähnt: Was würde diese Regelung für Sie bedeuten?

Harald Otti: Meine Einschätzung ist: 1G dient klar dazu, Druck für die Impfung aufzubauen. Dann heißt es: Wer geimpft ist, darf. Oder anders: Wer brav war, darf. Ich glaube aber nicht, dass es kommt. Es ist nicht die Lösung.

WANN & WO: Sie befürworten die Impfung. Warum?

Harald Otti: Für mich gilt: Ich bin als Unternehmer davon abhängig und möchte frei und flexibel sein. Und ich möchte mich nicht dauernd von den Medien mit irgendwelchen Inzidenzzahlen beeinflussen lassen. Und wenn die Testmöglichkeiten zurückgefahren werden, werden vermutlich viele Leute umdenken – auch die Jungen. Der Mensch ist ein soziales Wesen. Wir brauchen Gesellschaft. Nur zuhause zu sitzen, Netflix zu schauen, immer nur die gleichen Leute zu treffen und sich die Birne zuzuknallen – das kann es nicht sein.

WANN & WO: Hatten Sie keine Bedenken gegen die Impfung?

Harald Otti: Natürlich habe auch ich mich gefragt: Was ist da drin? Aber: Ich habe mich gegen Malaria geimpft, gegen Grippe und Zecken und habe keine Ahnung, was ich da gespritzt bekam. Und als Kind aus den 70ern wurden mir alle Impfungen gespritzt, die es gab. Ich vertraue der Wissenschaft und hatte bislang auch noch nie Bill Gates im Ohr. Was uns auch bewusst sein muss: Wir leben in einem Land, in dem wir nicht drum betteln müssen, dass wir geimpft werden, sondern hier betteln sie darum, dass man sich impfen lässt.

WANN & WO: Abschließend: Der Worst Case im Herbst wäre ein weiterer Lockdown. Macht Ihnen das Sorgen?

Harald Otti: Ganz ehrlich, das lasse ich gar nicht an mich heran. Wenn der Zeitpunkt da ist, dann reagiere ich. Aber nicht davor. Denn wenn er nicht kommt, dann habe ich Energie in etwas verschwendet, das nicht eingetroffen ist. Ich denke ja auch nicht an den Reifenschaden, den ich haben könnte, den ich aber nicht habe.

<p class="caption">„Ich glaube nicht, dass 1G im Herbst kommt“, sagt Eventgastronom Harald Otti im Gespräch mit WANN & WO. Über einen möglichen weiteren Lockdown denke er zudem erst nach, wenn es soweit ist.</p>

„Ich glaube nicht, dass 1G im Herbst kommt“, sagt Eventgastronom Harald Otti im Gespräch mit WANN & WO. Über einen möglichen weiteren Lockdown denke er zudem erst nach, wenn es soweit ist.

Kurz gefragt ...

Was hat Sie in den vergangenen ­Monaten so richtig geärgert?
Die Begrüßungen mit der Faust oder dem Fuß. Ich bin so froh, Menschen wieder die Hand geben zu können, sie zu umarmen. Diese „Fist-Bumperei“ habe ich gehasst. Das war für mich so ein Zeichen für „Hallo, scheiß Zeit“. Auch die Emoji-Kombinationen aus Faust und Masken­smiley. Das hat für mich immer soviel bedeutet, wie „Ich hau dir in die Fresse.“ Worüber ich ganz froh bin: Die Bussi-Bussi-Gesellschaft ist weg. Das finde ich gut. Das hat es nicht gebraucht.


Was nehmen Sie aus der ­Coronasituation persönlich mit?
Wir müssen wieder anfangen, nach vorne zu blicken. Corona wird bleiben, das geht nicht mehr weg. Wir müssen lernen, damit umzugehen und das Beste daraus zu machen. Und wir müssen aus dieser Krise lernen, das ist ganz wichtig. Es gibt natürlich Veränderungen, aber ich sage immer: Jede Veränderung kann auch etwas Positives erwirken. Und als Unternehmer ist es mir noch wichtig zu sagen: Wir müssen wieder heraus aus dem Tal, wieder Euphorie verbreiten und sagen: Hey, es geht, wir sind da, wir ­dürfen wieder. Also kommt vorbei!

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