„Ohne Grüne wäre vieles im Dunkeln geblieben“

Leah Birnbaumer (17), Sprecherin der Grünen Jugend, über ihr Engagement in jungem Alter, Kritik an der ökosozialen Steuerreform, grüne Aufdeckungsarbeit und Probleme im ­Bildungswesen.

WANN & WO: Leah, mit 17 Jahren bist du noch sehr jung im politischen Geschäft. Du sagst, die Anliegen junger ­Menschen würden zu wenig gehört. Sprichst du da auch aus eigener ­Erfahrung?

Leah: Ich habe den Vorteil, dass die Leute meistens erst mich und meine Inhalte kennenlernen und das Alter erst später zur Sprache kommt. Aber viele sind dann doch sehr überrascht, wenn sie erfahren, dass ich erst 17 bin. Ich bin seit zweieinhalb Jahren politisch sehr aktiv – bei all den Erfahrungen, die ich in dieser Zeit sammeln durfte, fühlt es sich aber für mich schon mindestens doppelt so lange an. Aber es ist durchaus ein großer Unterschied, ob ich mich als Sprecherin einer politischen Jugendorganisation zu einem Thema äußere, oder ob Jugendliche, die nicht im politischen Bereich tätig sind, ihre Anliegen vorbringen. Das muss sich ändern, denn schließlich wird über unsere Zukunft entschieden. Mit Daniel Zadra und Eva Hammerer haben wir aber eine Doppelspitze, der die Anliegen der Jungen sehr wichtig ist.

WANN & WO: Du bist über die „Fridays For Future“-Bewegung zur Politik gekommen, befasst dich stark mit dem Thema Klima­schutz. Wird deiner Meinung nach genug in der Thematik unternommen?

Leah: Die „Fridays“ haben die Klimakrise auf die Landkarte gebracht. Und man sieht die Dringlichkeit der Thematik ja auch daran, dass alle anderen Parteien Klimaschutz im Programm haben. Aber es wird nach wie vor zu wenig getan. Es gab schon zahlreiche „Fridays“-Demos, bei denen die Probleme aufgezeigt wurden. Doch politisch ändert sich nur wenig – und wenn, dann nur sehr langsam.

WANN & WO: Den Jungen wird gern vorgeworfen, man würde sie mit dem SUV zur Schule kutschieren, sie würden mit Smartphones und Streaming viel Energie verbrauchen – und dann aber bei den „Fridays“ mitmarschieren. Was entgegnest du solchen Vorwürfen?

Leah: Das hört man schon lange. Grundsätzlich ist es aber so, dass die jungen Menschen, die auf den „Fridays“-Demos sind, durchaus versuchen, klimafreundlicher zu leben. Ein großes Problem ist, dass aktuell niemand perfekt klimafreundlich leben kann. Ganz einfach, weil die Rahmenbedingungen nicht gegeben sind. Beispielsweise, wenn Jugendliche auf das Auto angewiesen sind, weil es in ihrem Heimatort ganz einfach keine gute Anbindung zu Öffis gibt. Konsumkritik löst zudem die Klimakrise auch nicht. Was wir brauchen, ist ein Ausstieg aus Öl, Gas und Kohle sowie ein rascher Stopp fossiler Großbauprojekte.

WANN & WO: Vor Kurzem wurde die ökosoziale Steuerreform präsentiert. Kritiker sagen, die Reform wäre weder öko noch sozial. Wie siehst du das Ganze?

Leah: Dazu vorweg: Es ist das erste Mal, dass in Österreich eine derartige Reform beschlossen wurde – auch wenn sie nicht die ökosoziale Steuerreform geworden ist, die sich die Grünen gewünscht haben und die es eigentlich bräuchte. Deshalb muss weiterhin von allen Seiten Druck auf die ÖVP ausgeübt werden. Ich verstehe die Kritik, aber es ist eine Grundlage, auf der aufgebaut werden kann. Der CO2-Preis ist viel zu niedrig. Und auch die Ausgleichszahlungen – der soziale Aspekt – müssen ausgebaut werden.

WANN & WO: Die Grünen ­werden gerne auf Klima­politik reduziert und stehen in der öffentlichen Wahrnehmung nicht unbedingt für Sozialpolitik. Täuscht der Eindruck?

Leah: Nein, das beobachte ich auch selbst. Ich bin aber der Meinung, dass die Grünen die beste Sozialpolitik im Land machen – auch wenn dieser Begriff eher der SPÖ zugeschrieben wird. Die Grünen sind aber die einzige Partei, die soziale und ökologische Politik zusammen denkt. Hier muss sich unsererseits die Kommunikation ändern, damit die Menschen sehen, dass wir noch andere Inhalte haben. Man darf ja auch nicht vergessen: Das Justizministerium ist in grüner Hand. Wäre das nicht der Fall, wären viele Dinge zuletzt im Dunkeln geblieben. Auch die Arbeit von Nina Tomaselli im U-Ausschuss möchte ich hervorheben. Aufdeckungsarbeit und Transparenz sind für uns enorm wichtig.

WANN & WO: Abschließend: Du machst dich auch im Bildungs­bereich stark. Wo siehst du hier die größten Probleme?

Leah: Politische Bildung an den Schulen muss besser gestaltet werden. Die Grüne Jugend – sowie andere politische Jugendorganisationen – übernehmen hier noch immer einen großen Teil der Bildungsarbeit. Zudem braucht es mehr Fairness im Bildungssystem – angefangen bei der Benotung, bis zur Frage, welches Kind in welche Schule „darf“. Hier muss noch viel getan werden.

<p class="caption">„Die Grünen machen die beste Sozialpolitik, weil sie soziale und ökologische Politik zusammen denken“, sagt Leah Birnbaumer im Gespräch mit W&W.  </p>

„Die Grünen machen die beste Sozialpolitik, weil sie soziale und ökologische Politik zusammen denken“, sagt Leah Birnbaumer im Gespräch mit W&W.  

<p class="title">
              Welche Netflix-Serie schaust du gerade?
            </p><p>Derzeit schaue ich mir das Drama „Maid“ an – eine sehr spannende neue Serie, die Klassismus (Diskriminierung aufgrund sozialer Herkunft) und Gewalt thematisiert.</p>

Welche Netflix-Serie schaust du gerade?

Derzeit schaue ich mir das Drama „Maid“ an – eine sehr spannende neue Serie, die Klassismus (Diskriminierung aufgrund sozialer Herkunft) und Gewalt thematisiert.

<p class="title">
              Was hörst du gerade bei Spotify?
            </p><p>Ich höre auf Spotify am liebsten Podcasts. Mein Tipp: „Wohlstand für alle“. Musikalisch höre ich gerne Jazz, Pop und Klassik.</p>

Was hörst du gerade bei Spotify?

Ich höre auf Spotify am liebsten Podcasts. Mein Tipp: „Wohlstand für alle“. Musikalisch höre ich gerne Jazz, Pop und Klassik.

<p class="title">
              Welche YouTube-­Shows verfolgst du?
            </p><p>Ich nutze YouTube nicht sehr oft, mag aber den Food-Kanal ­von „Amanda Ducks“.</p>

Welche YouTube-­
Shows verfolgst du?

Ich nutze YouTube nicht sehr oft, mag aber den Food-Kanal ­von „Amanda Ducks“.

<p class="title">
              Welchen Insta-Post hast du zuletzt geliked?
            </p><p>Ein Post zum Gender Pay Gap von „Moment“.</p>

Welchen Insta-Post hast du zuletzt geliked?

Ein Post zum Gender Pay Gap von „Moment“.

<p class="title">
              Was ist das letzte Foto auf deinem Handy?
            </p><p>Ein Sonnenuntergang vor unserem Haus.</p>

Was ist das letzte Foto auf deinem Handy?

Ein Sonnenuntergang vor unserem Haus.

Wann & Wo | template