„Müssen wieder zum WIR zurückfinden“

Auch wenn ihre Auftragsbücher aktuell leer stehen, Gabi Micheluzzi blickt voller Hoffnung und Optimismus nach vorne. 

Auch wenn ihre Auftragsbücher aktuell leer stehen, Gabi Micheluzzi blickt voller Hoffnung und Optimismus nach vorne. 

„S‘Krönele richta“ und wieder aufstehen: Hochzeitsfee Gabi Micheluzzi erklärt, warum sie trotz leerer Auftragsbücher und Lockdown nicht ans Aufgeben denkt und spricht über ihre Hoffnung, dass die Gesellschaft wieder zusammenrückt.

WANN & WO: Frau Micheluzzi: Die Eventbranche klagte bereits in den vergangenen Wochen über eine Stornierungsflut – seit Freitag steht zudem fest: Österreich sperrt ab morgen wieder zu. Wie sehen Sie das Ganze?

Gabi Micheluzzi: Auch bei uns wurden alle Aufträge zuletzt storniert, wir stehen wieder bei Null. Wir haben dieses Wochenende noch eine Weihnachtsausstellung und das war‘s dann. Was sich in den vergangenen 20 Monaten aber gezeigt hat – und was mich wahnsinnig beruhigt – ist: Sobald wir wieder durften, waren die Kalender wieder voll. Aber es herrschte auch bei uns fast ein Jahr lang Stillstand. Aber jedes Mal, wenn wir hingefallen sind, sind wir wieder aufgestanden, haben unser „Krönele grichtet“ und weitergemacht. Und das werden wir auch weiterhin tun. Der bevorstehende Lockdown hat sich abgezeichnet – auch wenn diese Situation sicherlich niemand mehr wollte.

WANN & WO: Haben Sie dennoch Verständnis für die Maßnahme?

Gabi Micheluzzi: Es ist unglaublich anstrengend und mühsam. Aber natürlich ist mir klar, dass das nicht nur aus „Hetz und Gaude“ passiert. Man muss den Gesundheitsaspekt im Fokus lassen. Ich ziehe auch absolut den Hut vor all den Menschen, die in den Krankenhäusern seit nun beinahe zwei Jahren Unglaubliches leisten. Da möchte ich nicht tauschen. Es ist auch allerhöchste Zeit, die Verhältnisse für unsere Gesundheitsberufe hochwertiger zu gestalten. Das wurde in den letzten 20 Monaten vollkommen versäumt. Von Applaus haben diese Menschen nichts.

WANN & WO: Wie ist die Stimmung in Ihrem Team?

Gabi Micheluzzi: Es reißt einem natürlich den Boden unter den Füßen weg und man braucht dann auch wieder seine Zeit, um sich damit abzufinden und wieder zur Ruhe zu kommen. Aber dann kommt man wieder in den Modus: Ok, wir wissen ja jetzt, wie es geht. Wir fangen wieder von vorne an. Was auch sehr schön ist: Es gibt einen großen Zusammenhalt in der Branche, man spricht sich gegenseitig Mut zu: „Wir schaffen das!“ Was ich auch sehr schön finde: Letztes Jahr mussten wir fünf Tage vor unserer Weihnachtsausstellung zusperren. Das kam von heute auf morgen. Und wir durften unsere Artikel nicht einmal vor dem Haus verkaufen. Da meldete sich unser Nachbar ADEG bei uns und sagte: „Das kann es nicht sein. Wir räumen dir einen Platz frei.“ Wir durften unsere Produkte dann im Geschäft platzieren. Das war wirklich toll und ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal für diese wunderbare Nachbarschaftshilfe bedanken.

WANN & WO: Ein sehr schönes ­Beispiel in diesen unsicheren Zeiten.

Gabi Micheluzzi: Absolut. Und was für mich nun sehr wichtig wäre: Die Gesellschaft muss nun wieder zu einem „Wir“ zusammenfinden. Nicht ich gegen dich, Geimpfte gegen Ungeimpfte – sondern wir, alle zusammen! Nur gemeinsam können wir dieser Herausforderung gewachsen sein. Alleine kommen wir da nicht weiter.

WANN & WO: Wie sehen Sie in ­diesem Zusammenhang die angekündigte Impfpflicht?

Gabi Micheluzzi: Ich finde es traurig, dass es soweit kommen musste. Es sind viele Fehler passiert. Anstatt zu streiten, hätte die Regierung schon früher an einem Strang ziehen müssen. In anderen Ländern haben das die Regierungen getan und sie sind auch ohne Impfpflicht durchgekommen. Aber durch die Streitereien ist meiner Meinung nach auch die Stimmung in der Gesellschaft gekippt. Man ist ja nur noch aggressiv. Man lässt keine Meinungen mehr gelten. Aber eigentlich müssten wir gerade jetzt alle die Ärmel hochkrempeln und wieder zusammenrücken. Wie ich bereits gesagt habe: Wichtig wäre, den Leuten zuzuhören. „Warum denkst du so?“ Zeige ich Verständnis, reagiert auch das Gegenüber anders. Ich verurteile auch niemanden, der sich nicht impfen lassen will. Ich kann beide Seiten verstehen. Für mich gibt es da kein „richtig“ oder „falsch“. Ich finde, dass man jeden Aspekt auch von der anderen Seite anschauen sollte. Es gibt Menschen, die einfach unsicher sind, Angst haben. Und ich finde, dass man das auch respektieren muss. Nun haben wir uns 20 Monate im Kreis gedreht – und die Impfung scheint der ­einzige Ausweg aus diesem Teufelskreis zu sein.

<p class="caption">Hochzeitsfee Gabi Micheluzzi im Talk.  </p>

Hochzeitsfee Gabi Micheluzzi im Talk.  

„Wir müssen aufhören mit diesem ich gegen dich, ­Geimpfte gegen Ungeimpfte ... Nur gemeinsam können wir dieser Herausforderung gewachsen sein. Alleine kommen wir da nicht weiter.“

Hochzeitsfee Gabi Micheluzzi

Kurz gefragt ...

Sind Sie ein optimistischer Mensch?
Ja, auf jeden Fall. Manchmal werfen mich die Dinge für kurze Zeit zu Boden, aber dann stehe ich wieder auf und mache weiter. Aufgeben gibt‘s für mich nicht.

Was bringt Sie zum Lachen?
Es bringt mich zum Lachen, wenn ich jemandem ins Gesicht sehe, der ­ebenfalls lacht.

Wann hört der Spaß für Sie auf?
Beim Thema Ungerechtigkeit. Und diese erleben wir derzeit stark.

Vervollständigen Sie bitte folgenden Satz: 2022 wird ...
... hoffentlich besser.

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