„Es hat mir teils den Boden weggerissen“

„Tourismus und ­Business Provo­kateur“ Thomas Wiesen­egger spricht im Talk über schwierige Phasen, neuen Antrieb und blickt zurück – und voraus.

WANN & WO: Eine persönliche Frage zu Beginn: Vor einigen Jahren hatten Sie mit Panik­attacken, Burnout und depressiven Phasen zu kämpfen. Wie ging es Ihnen damit in den vergangenen anderthalb Jahren?

Thomas Wiesenegger: Ich stand damals extrem unter Stress, die Panikattacken hatte ich im Jahr 2003. Der Tod meines Vaters einige Jahre später riss mich ebenfalls in ein tiefes Loch. Ich war nicht manisch-depressiv, nach den Panikattacken wurde ich aber acht Jahre lang professionell begleitet. Während der Pandemie habe ich aber schon gemerkt: Das nagt an mir. Es hat mir teilweise auch den Boden unter den Füßen weggerissen. Aber da ich mit solchen Belastungen schon zu tun hatte, konnte ich nun besser damit umgehen. Zudem bin ich ein grundlegend positiver Mensch. Meine Frau war mir auch immer eine Riesenstütze. Dafür kann ich ihr nur Danke sagen.

WANN & WO: Der Tourismus kam durch Corona teilweise völlig zum Erliegen – wie haben Sie das unternehmerisch erlebt?

Thomas Wiesenegger: Das Thema hat mich schon immer gefesselt und ich war auch der Meinung: Tourismus wird es immer geben. Covid hat mich dann aber eines Besseren belehrt. Bereits im Februar 2020 wurden die ersten Aufträge storniert. Dann kam der erste Lockdown, die Hotels sperrten zu. Das war schon eine schwierige Zeit. Ich bin aber auch sehr dankbar, dass ich ein sehr gefestigtes Elternhaus habe. Ohne das wäre es nicht gegangen. Dann würde es mich heute wahrscheinlich so auch nicht mehr geben. Aber aus diesen Erfahrungen heraus, habe ich mich dazu entschlossen, das Agenturgeflecht neu aufzubauen – und habe es zum „Business Provokateur“ umstrukturiert. Ich habe nun nicht mehr nur Tourismuskunden, sondern auch Businesskunden, speziell im Consulting-Bereich. Und ich merke: Dieser neue Antrieb tut gut. Und ganz ehrlich: Wenn nicht wir Kreativen uns verändern und anpassen können, wer dann?

WANN & WO: Provozieren Sie gerne?

Thomas Wiesenegger: Ja, eigentlich schon mein Leben lang. Ich bin nicht der Meinung, dass man es allen und jedem immer Recht machen muss. Allerdings provoziere ich eher mit neuen Ideen. Als ich angefangen habe, habe ich immer wieder von potenziellen Kunden gehört: Nein, ein Provokateur kommt mir nicht ins Haus. (lacht) Tauche ich aber heute irgendwo auf, sagen dann alle gleich: Ah, der ­Provokateur ist da.

WANN & WO: Ihr Werdegang zeigt: Sie sind ein Mensch mit zahllosen ­Interessen. War das schon immer so?

Thomas Wiesenegger: Ja, das war bei mir schon als Junger so. Man konnte mich deshalb auch nie richtig einordnen. Früher gab es ja noch viele Gruppierungen, die einen eigenen Stil gelebt haben: Mods, Rockabillys, Psychobillys. Und ich war da immer irgendwo in der Mitte drin und konnte daraus etwas Gutes finden. In der Mehrerau war ich nicht unbedingt der beste Schüler. An der Uni haben mich dann aber für die unterschiedlichsten Bereiche interessiert: Ich habe Jus angefangen, das war aber nicht meine Welt. Dann habe ich Politikwissenschaft in Kombination mit Medienkunde und Volkswirtschaftslehre studiert und in Mindeststudienzeit abgeschlossen. Meine Lehrmeister damals hießen Fritz Plasser, Peter Filzmeier und Anton Pelinka. In Krems habe ich dann zudem Gesundheitsmanagement studiert. Das war damals völlig neu – und wieder etwas ganz anderes für mich. Da saß ich dann: 25 Jahre alt. Umgeben von Primaren und Oberärzten. Und ich, der Politikwissenschaftler. (lacht) Irgendwann arbeitete ich im elterlichen Betrieb, einer Medizintechnikfirma. Doch da hatte ich kein leichtes Standing und entschied mich dazu, das Unternehmen wieder zu verlassen. Anschließend absolvierte ich einen einjährigen Lehrgang für KMU in Vaduz. Und ehe ich mich 2011 dann mit „mtw Tourismus Provokateur“ endlich selbstständig machte, arbeitete ich in der Agentur Spitzar, wo ich den Tourismus­sektor ausgebaut habe.

WANN & WO: Abschließend noch ein Blick in die Zukunft?

Thomas Wiesenegger: Ich ­liebe Vorarlberg, bin aber der Meinung, dass das Ländle nach außen viel zu wenig präsent ist und sich völlig unter Wert verkauft. Ich will das „Wir“-Gefühl im Land fördern, mich mehr auf Vorarl­berg fokussieren und nur noch mit Ländle-Agenturen arbeiten. Denn ich bin verdammt gerne Vorarlberger. Unlängst war ich in Ulm in einem Geschäft. Und da sagt plötzlich eine Frau zu mir: „Mei, hören Sie bitte nicht auf zu reden, Ihr Dialekt ist so schön“. Ich sagte dann: „Wenn’s sein muss, rede ich noch eine halbe Stunde, kein Problem“. (lacht) Ich bin ein stolzer Vorarlberger und möchte hier etwas bewegen. Es wird ­spannend!

„Ich war der Meinung, Tourismus wird es immer geben. Covid hat mich eines Besseren belehrt.“

„Tourismus und Business Provokateur“ Thomas Wiesenegger

Kurz gefragt ...

Ihr Spitzname lautet „Schnuf“: Warum?
Als Kind hatte ich den Spitznamen „Postile“, in Anlehnung an meine Spatzenpost-Sammlung. Daraus wurde „Pfuff“ – und schließlich „Schnuf“. Das beschreibt auch gut meinen Charakter: Ich bin eher der Gemütliche, Feine, Unkomplizierte – der „Schnuf“ halt.


Sie haben einst bei Bregenz Handball gespielt. War eine Sportlerkarriere nichts für Sie?
Ja, ich war sieben Jahre lang dabei. Es wurde mir aber zu zeitintensiv. Für die Mannschaft ging es damals gerade steil bergauf. Ich gehörte zur Generation mit Sebastian Manhart, Philipp Strasser und Tamer Cirit. Markus Burger war ein Trainer von mir, Roland Frühstück baute die Jugend verstärkt auf. Für mich stand aber fest: Wenn ich damit nicht wirklich Geld verdiene, ist mir meine Freizeit wichtiger. Es war eine tolle Erfahrung und ich habe gelernt, was es heißt, Teamplayer zu sein.

Sie haben mit „dayoff.travel“ eine Plattform für Menschen, die sich nach Ruhe sehnen, entwickelt. Wie kommen Sie aber selbst zur Ruhe? Und was bedeutet Ruhe für Sie?
Das ist eine gute Frage. Ich finde Ruhe vor allem in der Natur. Und dann beispielsweise in Kombination mit Pilze­suchen. Also Dingen, bei denen ich total fokussiert bin und mich in dem Moment nichts herausreißen kann. Da bleibt dann auch das Handy zuhause. Ruhe bedeutet für mich auch eine intakte und glückliche Beziehung. Sie bietet einen Rückzugsort. Und ich glaube, man ist nie unruhiger, als wenn man mit seinem Partner ein Problem hat. Meine Ehe sorgt dafür, dass ich zur Ruhe komme. Ich habe auch Handyverbot im Schlafzimmer. Und im Urlaub. Im Urlaub darf ich – wenn ich brav bin – eine halbe Stunde lang ins Handy schauen. (lacht) Was die Smartphone-Nutzung angeht, sind wir heute ja schon ziemlich versaut.

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