„Müssen das Verbindende wieder sehen“

Pfarrer Dominik Toplek empfing WANN & WO im Pfarramt und der Kirche in Dornbirn Schoren. Bilder: Sams

Pfarrer Dominik Toplek empfing WANN & WO im Pfarramt und der Kirche in Dornbirn Schoren. Bilder: Sams

Der Dornbirner Pfarrer Dominik Toplek (50) trägt seinen Glauben auf den Rücken tätowiert. Im Talk mit WANN & WO spricht er über seine Körperkunst, zustimmende und ablehnende Reaktionen und welche Weihnachtsbotschaft sich in seinen Tattoos wiederfindet.

WANN & WO: Sie haben sich Ihr Glaubensbekenntnis auf den Rücken tätowieren lassen. Wie sind Sie zur Liebe zu Tattoos gekommen?

Dominik Toplek: So genau weiß ich das eigentlich gar nicht mehr. Mir haben Menschen mit Tätowierungen aber schon immer gefallen. Sie tragen ein Stück ihrer eigenen Persönlichkeit auf der Haut, erzählen dadurch etwas von sich. Das fand ich immer sehr spannend. Natürlich gibt es auch welche, die sich schnell mal was stechen lassen und das später vielleicht auch bereuen. Modeerscheinungen, wie das klassische „Arschgeweih“ beispielsweise. (lacht)

WANN & WO: Was bedeuten Ihre Tatoos im Detail?

Dominik Toplek: Ich wollte ein Motiv, das für mich ein Leben lang Gültigkeit hat und das ich mir immer anschauen kann. Auch wenn es auf dem Rücken etwas schwieriger ist. (lacht) Es sollte auf jeden Fall mit meinem Glauben zu tun haben. Ich habe mich dann selbst gefragt: Wer ist Gott für mich? „Jahwe. Der, der ist.“ Das erste Motiv, eingeschlossen in Flammen. Das zweite Motiv steht für Jesus. „Ego eimi. Ich bin es.“ Altgriechisch, mit brechenden Wellen in Wasser. Darüber: Der lateinische Schriftzug „Anima. Der Geist. Die Seele.“ Und schließlich die Erde, die Schöpfung, der Kosmos, der Mensch – alles, was Gott erschaffen hat. Mit diesen Ideen bin ich zu Jogi Tattoo in Bludenz, der dann den finalen Entwurf gezeichnet hat.

WANN & WO: Sie dürften mit ­dieser Tätowierung in der Kirche wohl eher ein Unikat sein. Wie waren die ­Reaktionen darauf?

Dominik Toplek: Im Oktober erschien österreichweit ein Artikel über meine Tätowierungen. Dementsprechend gewaltig war die Resonanz. Es hat ganz viele Zustimmungen gegeben. Menschen, die es toll und mutig finden. Das hat mich wahnsinnig gefreut. Ich kam auch mit vielen Menschen ins Gespräch, die überhaupt nichts mit der Kirche zu tun hatten. Es gab natürlich auch – verhältnismäßig böse – Rückmeldungen. Etwa von Menschen, die grundsätzlich Probleme mit Tätowierungen haben. Die bringen das nicht zusammen: Priester und Tattoo. Da habe ich ein Bild kaputt gemacht. Die kümmern mich aber wenig. Was ich aber sehr bedauere, sind jene, deren religiöse Gefühle ich verletzt habe, weil ich mich entblößt im Altarraum ablichten ließ. Da gab es teilweise heftige Kritik. Das habe ich unterschätzt und das bedauere ich wirklich.

WANN & WO: Heute ist Stephanitag. Wie nehmen Sie aktuell die Stimmung im Land wahr und welche Weihnachtsbotschaft haben Sie an die Menschen?

Dominik Toplek: Was aktuell geschieht, ist katastrophal. Die Fronten sind verhärtet, der Ton sehr aggressiv. Es gibt keinen vernünftigen, emotionsfreien Weg mehr zueinander. Der Gewaltbereitschaft, die da von einigen Gruppierungen zunehmend an den Tag tritt, muss man konsequent entgegen steuern. Gewaltfrei. Ohne Eskalation. Gerade auch in dieser eigentlich friedlichen und besinnlichen Zeit. Die Weihnachtsbotschaft ist auch eine Friedensbotschaft. Wir müssen das Verbindende wiedersehen und in den Mittelpunkt stellen. Wieder aufeinander zu gehen, statt uns noch mehr von einander zu entfernen. Ich möchte hier auch noch einmal auf mein erstes Tattoomotiv zurückkommen: Gott ist in unserem Leben. Immer. Davon bin ich zutiefst überzeugt. Jemand ist an unserer Seite, wir sind nicht alleine. Ich glaube zudem: Friedlich kann der Mensch nur dann sein, wenn er mit sich selbst und den Schwächen der anderen Frieden geschlossen hat. Dazu gehört es aber auch, die eigenen Ängste und Schwächen zu akzeptieren. Gelingt dies, können wir gelassener und dankbarer im Hier und Jetzt leben. Und lebt man gelassener, belasten einen auch die eigenen Sorgen nicht mehr so sehr.

<p class="caption">Die rückenfüllende Tätowierung von Pfarrer Dominik Toplek. Das Bild wurde aus Respekt übrigens NICHT in der Kirche geschossen!</p>

Die rückenfüllende Tätowierung von Pfarrer Dominik Toplek. Das Bild wurde aus Respekt übrigens NICHT in der Kirche geschossen!

Kurz gefragt ...

Warum Theologie?
Ich habe den Zweig Elektronik und Nachrichtentechnik an der HTL Rankweil besucht und auch abgeschlossen. Einen Technikberuf konnte ich mir aber nie vorstellen. Ich stamme aus einer religiös geprägten Familie und es hat mich sehr gereizt, Priester zu werden. Nach dem Studium habe ich das Vorhaben aber vorerst auf Eis gelegt, mich später aber dennoch dazu entschieden.


War eine eigene Familie nie ein ­Thema für Sie?
Doch, durchaus. Das war auch der Grund, warum ich damals unsicher war. Einige Jahre später, auch nach einigen Beziehungserfahrungen, war ich mir aber sicher, dass ich zölibatär leben kann.