„Halte Hartnäckigkeit für typisch Vorarlbergerisch“

„Politik war für mich schon als Schülerin eine Leidenschaft. Mitanzupacken und etwas gestalten zu können macht mir einfach ­Freuden“, sagt Mag. Christine Schwarz-Fuchs im Gespräch mit WANN & WO.  Fotos: Parlamentsdirektion/Johannes Zinner, IV Vorarlberg

„Politik war für mich schon als Schülerin eine Leidenschaft. Mitanzupacken und etwas gestalten zu können macht mir einfach ­Freuden“, sagt Mag. Christine Schwarz-Fuchs im Gespräch mit WANN & WO.  Fotos: Parlamentsdirektion/Johannes Zinner, IV Vorarlberg

Die gebürtige Lustenauerin Christine Schwarz-Fuchs bekleidet seit 1. Jänner das Amt der Präsidentin des Österreichischen Bundesrats. Im Talk spricht die 47-Jährige über Hartnäckigkeit als Vorarlberger Naturell, Frauen in Führungs­positionen, die ­Stimmung in der ÖVP und die ­Impfpflicht.

WANN & WO: Frau Schwarz-Fuchs: Schon als Kind mussten Sie sich in Ihrer Familie viele Dinge wie den Besuch des Gymnasiums oder auch die Möglichkeit zu studieren erkämpfen – bekanntlich mit Erfolg. Liegt Hartnäckigkeit in Ihrem Naturell?

Christine Schwarz-Fuchs: Ohne Zielstrebigkeit und einer guten Portion Hartnäckigkeit kann man die eigenen Träume meist nicht verwirklichen. Das ist auch in der Politik und in der Wirtschaft nicht anders. Ich habe schon als Kind gelernt, dass man nicht immer alles geschenkt bekommt, sondern dass man sich anstrengen muss, um sein Ziel zu erreichen. Und als Frau muss man sich manchmal doppelt behaupten, um etwas durchsetzen zu können. Meine Hartnäckigkeit halte ich aber für etwas typisch Vorarlbergerisches. Das liegt uns im Naturell und als kleinstes Bundesland haben wir damit auch Erfolg, um uns in der Bundespolitik behaupten zu können.

WANN & WO: Sie sind die erste Vizepräsidentin der IV Vorarlberg und übernahmen 2003 die Geschäftsführung der Buchdruckerei Lustenau (BuLu). Von ihren männlichen Kollegen wurden Sie einst belächelt. Wie sehen Sie das heute?

Christine Schwarz-Fuchs: Die Zeit, als man als Frau noch belächelt wurde, weil man eine Führungsposition in der Wirtschaft eingenommen hat, ist Gott sei Dank vorbei. Heute ist das längst nichts Ungewöhnliches mehr. Wer eine Führungsposition hat – egal, ob Mann oder Frau –, braucht ein gutes Team, das einen unterstützt und vor allem auch eine Familie, die hinter einem steht. Für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist es aber auch wichtig, dass es gute und flächendeckende Kinderbetreuungsangebote gibt. Ich hatte mit der KIMI (Kinderbetreuungseinrichtung Millennium Park) in Lustenau großes Glück. Ich wusste, dass die Kinder dort nicht nur gut aufgehoben sind, sondern sie haben dort auch sehr viel gelernt und viel davon profitiert.

WANN & WO: Sie sind für die ­nächsten sechs Monate Präsidentin des Österreichischen Bundesrats: ­Welche Schwerpunkte verfolgen Sie in den kommenden Monaten?

Christine Schwarz-Fuchs: Ich habe mich sehr darüber gefreut, das protokollarisch dritthöchste Amt der Republik ausüben zu dürfen. Das ist eine große Ehre, die nur wenigen zuteil wird. Mein Schwerpunkt wird die Zukunft dezentraler Lebensräume sein, weil wir in Österreich einen wirtschaftlich starken, lebendigen, ländlichen Raum brauchen. Nur eine effiziente Partnerschaft von Stadt und Land garantiert, dass wir mit regionalen Stärken neu durchstarten können. In der Enquete „Die Zukunft dezentraler Lebensräume“ wird sich der Bundesrat daher damit befassen, wie Bildung, Wissenschaft und Forschung, grüne Technologien und nachhaltige Wirtschaft dezentrale Lebensräume weiter voranbringen können. Außerdem werden Experten im Parlament mit den Mitgliedern des Bundesrates und Fachleuten aus Wirtschaft und Arbeitnehmervertretung darüber nachdenken, wie der Arbeitsplatz der Zukunft aussehen wird. Ich will hier Grundsteine für langfristige Ziele legen.

WANN & WO: Die ÖVP erlebt turbulente Zeiten: Wie nehmen Sie die Stimmung innerhalb der Partei wahr?

Christine Schwarz-Fuchs: Die Stimmung ist weiterhin gut. Im Bundesrat werden wir am 3. Februar die ökosoziale Steuerreform beschließen und damit einen großen Schritt zum Klimaschutz und zur steuerlichen Entlastung aller BürgerInnen machen. Daran ändert auch ein Wechsel in der Regierung nichts. Wir haben noch viel vor, dieses Jahr werden wir uns etwa um die Sicherung der Pflege kümmern, eines der ganz wichtigen Themen, die wir hier angehen. Wir haben ein hervorragendes Team in der ÖVP und das lassen wir uns auch nicht schlechtreden. Wenig motivierend ist natürlich, wenn sich Oppositionsparteien hauptsächlich dadurch in den Medien bemerkbar machen, dass sie ständig versuchen, einzelne Personen mit Anzeigen unter Druck zu setzen und öffentlich zu diskreditieren. Das ist ein ganz schlechter Stil, der der Politik insgesamt nachhaltig schadet, weil das Vertrauen der Bevölkerung damit verspielt wird.

WANN & WO: Die Welt ächzt unter der Coronapandemie: Wie haben Sie die vergangenen zwei Jahre erlebt – auch, was den politischen Umgang mit der Pandemie angeht?

Christine Schwarz-Fuchs: Die Pandemie hat sehr unterschiedliche An­­­sichten zu Tage gebracht, wie mit einer solchen Krise umzugehen ist, in der Bevölkerung ebenso wie in der Politik. Dass die Sache sehr emotional geworden ist, ist nicht überraschend, schließlich hat Corona uns allen eine Einschränkung der Bewegungsfreiheiten und große wirtschaftliche Schwierigkeiten für viele Arbeitnehmer und Unternehmer beschert. Da darf man schon einmal emotional werden. Die Grenze liegt in der Politik aber dort, wo Menschen beschimpft und wissenschaftlich belegte Tatsachen geleugnet werden. Privat kann ich glücklicherweise berichten, dass ich bisher gesund geblieben bin. Ich bin dreifach geimpft und hoffe, dass ich weiterhin von Covid verschont bleiben werde.

WANN & WO: Stichwort Impfung: Wie stehen Sie zur „Impfpflicht“?

Christine Schwarz-Fuchs: Die Impfung ist nach aktuellem Stand der Wissenschaft noch immer der wirksamste Schritt, die Pandemie zu bekämpfen. Alle Experten sind sich über die hohe Schutzwirkung auch gegen Omikron und Hospitalisierungen einig. Wir können nicht weiter von Lockdown zu Lockdown gehen, daher ist jetzt Solidarität untereinander angesagt, um weiteren Schaden am Gesundheitssystem und der Wirtschaft zu verhindern. Jeder Einzelne kann seinen Beitrag dazu leisten und dieser ist nach heutigem Stand immer noch die Impfung.

WANN & WO: Abschließend: Sie sorgten im vergangenen Sommer für Schlagzeilen, als Sie mit Ihrer Stimme gegen die Evaluierung geplanter Asfinag-Großprojekte stimmten und SPÖ/FPÖ damit die Mehrheit für einen entsprechenden Antrag bescherten. Aus dem ÖVP-Klub hieß es, ihr Abstimmungsverhalten wäre falsch gewesen. Wie sehen Sie das Thema heute?

Christine Schwarz-Fuchs: Die S18 ist ein für Vorarlberg wichtiges Straßenbauprojekt. Die Dinge sind mittlerweile geklärt: Das zuständige Ministerium hat eine Evaluation in Auftrag gegeben, parallel dazu führt die Asfinag ihre Planungen weiter fort.

<p class="caption">Das IV-Präsidium 2019: Christine Schwarz-Fuchs mit Hubert Rhomberg, Martin Ohneberg und Heinz Senger-Weiss.</p>

Das IV-Präsidium 2019: Christine Schwarz-Fuchs mit Hubert Rhomberg, Martin Ohneberg und Heinz Senger-Weiss.

„Ich habe schon als Kind gelernt, dass man nicht immer alles geschenkt bekommt, sondern dass man sich anstrengen muss, um sein Ziel zu erreichen.“ Bundesratspräsidentin Christine Schwarz-Fuchs

Kurz gefragt ...

Als Geschäftsführerin der Buch­druckerei Lustenau: Welches Buch können Sie empfehlen?
Während der Pandemie verbringt man wieder mehr Zeit mit der Familie, deshalb empfehle ich das Buch „Jassen in Vorarlberg“. Das ist in unserer Familie aktuell der Renner, da es viele Alternativen aufzeigt, die wir bisher noch nicht gekannt haben.


Kleines Ländle oder großes Wien?
Beides! Vorarlberger Käsknöpfle und Wiener Schnitzel. Erholsames, ruhiges Leben im Ländle und pulsierende ­Weltstadt. ­Bregenzer Festspiele und Wiener Oper.

Sie sind beruflich sehr viel herum­gekommen: Australien, USA, Irland. War eine Rückkehr ins Ländle schon immer der Plan?

Es hat mich schon sehr gereizt, im ­Ausland zu bleiben, aber irgendwann hat die Familie gerufen. Eigentlich wollte ich nur für ein Jahr nach Vorarlberg zurückkommen – daraus wurden nun schon über 20. Ich habe die Heimat wieder lieben gelernt. Die ­Lebensqualität hier ist sehr gut.

Was erhoffen Sie sich für 2022?

Dass wir Corona endlich hinter uns lassen können, das „Wir“ wieder vor dem „Ich“ kommt und wir alle gemeinsam anpacken, um die Pandemie gesundheitlich und ­wirtschaftlich zu bewältigen.

Worauf freuen Sie sich am meisten nach der Pandemie?

Auf das Treffen mit Verwandten und Freunden ohne MNS, auf volle Konzertsäle und Gasthäuser, auf entspanntes Reisen und darauf, dass wir gesellschaftlich wieder zueinander finden werden.