„Ich bin ein optimistischer Realist …“

Wilfried Hopfner ist überzeugt, dass Vorarlberg auch die Auswirkungen der Ukraine-Krise meistern wird, „weil die Banken und Firmen im Ländle einfach ,saugut‘ aufgestellt sind.“

Wilfried Hopfner ist überzeugt, dass Vorarlberg auch die Auswirkungen der Ukraine-Krise meistern wird, „weil die Banken und Firmen im Ländle einfach ,saugut‘ aufgestellt sind.“

… oder ein realistischer Optimist. Wie auch immer man das sehen möchte“, sagt Raiffeisen Landesbank Vorstandsvorsitzender Wilfried Hopfner im Gespräch mit WANN & WO. Im Talk spricht der Lochauer, der sich im Juli in den Ruhestand verabschiedet, über seine Karriere, den Krieg in der Ukraine, Sanktionen gegen Russland und wirtschaftliche Auswirkungen aufs Ländle.

WANN & WO: Herr Hopfner, Sie verabschieden sich am 1. Juli dieses Jahres in den Ruhestand. Damit geht eine Ära bei Raiffeisen zu Ende, die vor vier Jahrzehnten ihren Anfang fand. Wie kamen Sie überhaupt in den Bankensektor?

Wilfried Hopfner: Ich weiß nicht warum, aber ich habe mich schon immer zu Banken hingezogen gefühlt. Das war schon in der Schule so. Ich bin einerseits ein Zahlenmensch, andererseits reizte mich aber auch immer die Beziehung zu meinen Mitmenschen. 1982 wurde mir dann eine Anstellung in der Raiffeisenbank Wolfurt angeboten, die ich im folgenden Jahr auch antrat. So fing eigentlich alles an.

WANN & WO: Sie haben in den 80ern auch nebenberuflich ­Informatik ­studiert. Damit waren Sie im ­Bankbereich wohl eine Ausnahme­erscheinung?

Wilfried Hopfner: Ich interessierte mich eigentlich für Rechnungswesen und Controlling, das wurde aber als Vertiefungsstudium nicht angeboten. Also entschied ich mich für Organisation und Informatik. Im Nachhinein betrachtet, war das mein großes Glück: Denn dadurch ergab sich mir die Möglichkeit, am 1. April 1988 nach Bregenz zu wechseln. Hier hat man jemanden gesucht, der das Bankgeschäft be­­herrscht, gleichzeitig IT versteht und diese zwei Welten sozusagen als Brückenbauer miteinander verbindet. Das faszinierte mich. Heute sind Bankbetriebe auch gleichzeitig IT-Unternehmen, bieten ihr Geschäft sowohl in der digitalen als auch der analogen Welt an. Damals war das aber alles noch Neuland. Als ich anfing, gab es hier noch keinen PC. Ich war der erste im Unternehmen, der einen „Schlepptop“ hatte, einen Toshiba 1200, zwölf KIlo schwer, 120.000 Schilling teuer. Mit dem Bruchteil der Rechenleistung moderner Smartphones. Ich wurde dann Geschäftsführer im Rechenzentrum und am 1. Juli 1993 wurde ich als erster Informatiker zum Bankvorstand. Davor waren das ausschließlich „Kreditmenschen“.

WANN & WO: Gab es im Laufe Ihrer Karriere etwas, das Sie heute ­vielleicht anders machen würden?

Wilfried Hopfner: Vor groben Fehlern bin ich verschont geblieben. Vielleicht würde ich heute die eine oder andere Personalentscheidung anders treffen. Aber im Großen und Ganzen haben wir immer die richtigen Entscheidungen getroffen. Die Highlights sind natürlich dann, wenn man merkt, dass die Angestellten das Unternehmen als attraktiven Arbeitsplatz sehen und man von Kunden und Mitarbeitern Wertschätzung für das erhält, was man tut. Und ganz offen gestanden: Es war immer mein Traumjob und wird es auch bis zum letzten Tag bleiben.

WANN & WO: Kommen wir in die Gegenwart. Wir erleben sehr bewegte Zeiten: Erst die Pandemie, nun der Krieg in der Ukraine. Wie nehmen Sie das wahr?

Wilfried Hopfner: Ich muss da noch etwas weiter zurückblicken, bis zur Weltwirtschaftskrise im Jahr 2008. Bis dahin gab es eigentlich ein sehr lineares Wirtschaftswachstum. Mit der Pleite von Lehman, einer großen weltweit tätigen Investmentbank, gab es eine Neuordnung und einen Kollaps des Finanzsystems. Gefolgt von einer weltumspannenden Wirtschaftskrise und großer Kritik am Bankwesen. Diese Situation war auch für uns eine Herausforderung, die wir aber schlussendlich gut gemeistert haben und auch das Vertrauen in die Banken wieder hergestellt werden konnte. Dann kam Corona. Eine erschreckende, völlig neue Situation. Ich blieb aber optimistisch, hatte großes Vertrauen in die Medizin und war überzeugt, dass speziell der Wirtschaftsraum Vorarlberg gut durch die Krise kommt. Und als wir dachten, die Pandemie wäre im Griff und wir bewegen uns auf einen normalen Sommer zu, hat ein Mensch in Russ­land eine irrationale Entscheidung getroffen, mit der die wenigsten gerechnet hatten. Selbst unsere Kollegen in Moskau und der Ukraine haben bis zuletzt gesagt: Macht euch keine Sorgen, da wird nichts passieren. Und es passierte doch. Wir können nur hoffen, dass dieses gruselige Gemetzel und diese unvorstellbare menschliche Tragödie ein baldiges Ende finden.

WANN & WO: Wie sehen Sie die Sanktionen gegen Russland?

Wilfried Hopfner: Dass die Sanktionen die russische Wirtschaft bis ins Mark erschüttern, ist eine Tatsache. Wir können nun aber nur hoffen, dass der Druck nicht weiteren Gegendruck – nämlich kriegerischen – auslöst. Unsere Waffe sind Wirtschaftssanktionen, Putins hingegen sind tödlich. Das ist ein Ungleichgewicht. Persönlich habe bis zuletzt gehofft, dass die diplomatischen Bemühungen greifen. Ich bin eher ein Mensch, der noch einmal verhandelt, bevor er Ultima-Ratio-Maßnahmen setzt. Man kann ihn aber nicht einfach gewähren lassen. Die Lage ist dramatisch, sie zeigt aber auch, wozu Menschen bereit sind, wenn so etwas passiert: Einerseits jene, die uneingeschränkt helfen und andererseits jene, die selbstlos in den Kampf ziehen. Wir alle können uns nicht vorstellen, was es heißt, in einem Land zu leben, in dem Krieg herrscht.

WANN & WO: Welche wirtschaftlichen Auswirkungen sehen Sie aufs Ländle zukommen?

Wilfried Hopfner: Russland ist für viele unserer Unternehmen ein wichtiger Standort. Ich bin aber auch hier durchaus optimistisch, ganz einfach, weil unsere Firmen und auch die hiesigen Banken „saugut“ aufgestellt sind. Und mit Blick auf Krisensituationen sage ich immer: Reserven hat man dazu, um sie in einer schwierigen Phase nutzen zu können. Während Corona haben wir sie glücklicherweise nicht gebraucht, nun sind die Speicher gut gefüllt. Wenn man etwas braucht, ist es da. Und wenn nicht, dann sagt der typische Vorarlberger: „Guat ganga, denn bieg i wieder eapas Neus dazua.“

WANN & WO: Abschließend: Auch wenn die Welt nicht zur Ruhe kommt – wird es Ihnen persönlich zumindest gelingen, wenn Sie in Pension gehen?

Wilfried Hopfner: Ich kann schon loslassen, es wird mir auch gelingen. Das Besondere wird aber sein, nicht mehr völlig termin- und fremdgesteuert zu sein. Wenn man solange im Vorstand einer Bank ist, ist man gedanklich immer damit beschäftigt, sich mit den nächsten Herausforderungen auseinanderzusetzen. So ist man ständig in einem gewissen Trott, den ich aber immer sehr genossen habe. Ich freue mich nun aber schon sehr auf den Ruhestand und darauf, mir meine Zeit etwas freier einteilen zu können.

<p>Zur Person: Betriebsökonom Wilfried Hopfner</p><p>Geboren, Wohnort, Familienstand: Jahrgang 1957, wohnhaft in Bregenz-Lochau, verheiratet, zwei TöchterKarriere (Auswahl): 1983 Eintritt in die Raiffeisenbank Wolfurt, 1992 bis 2008 GF RZZ Informatik GmbH Vorarlberg, seit 2009 Vorstandsvorsitzender Raiffeisen Landesbank Vorarlberg, 2016 Verleihung des Titels ­Kommerzialrat, seit 2017 Mitglied Aufsichtsrat Haberkorn Wolfurt, 2012 bis 2020 WKV-Spartenobmann Banken und Versicherung, seit Mai 2020 WKV-Vizepräsident und Finanzreferent</p>

Zur Person: Betriebsökonom Wilfried Hopfner

Geboren, Wohnort, Familienstand: Jahrgang 1957, wohnhaft in Bregenz-Lochau, verheiratet, zwei Töchter
Karriere (Auswahl): 1983 Eintritt in die Raiffeisenbank Wolfurt, 1992 bis 2008 GF RZZ Informatik GmbH Vorarlberg, seit 2009 Vorstandsvorsitzender Raiffeisen Landesbank Vorarlberg, 2016 Verleihung des Titels ­Kommerzialrat, seit 2017 Mitglied Aufsichtsrat Haberkorn Wolfurt, 2012 bis 2020 WKV-Spartenobmann Banken und Versicherung, seit Mai 2020 WKV-Vizepräsident und Finanzreferent

«Das Besondere wird sein, nicht mehr völlig termin- und fremdgesteuert zu sein. (...) Ich freue mich nun schon sehr auf den Ruhestand und darauf, mir meine Zeit etwas freier einteilen zu können. »

Wilfried Hopfner blickt dem Beginn seines Ruhestands mit Freude entgegen.

«Dass die Sanktionen die russische Wirtschaft bis ins Mark erschüttern, ist eine Tatsache. Wir können nun aber nur hoffen, dass der Druck keinen Gegendruck – nämlich kriegerischen – auslöst.»

Wilfried Hopfner auf die Frage, wie er die Sanktionen gegen Russland wahrnimmt.

Kurz gefragt

Sie verabschieden sich im Juli in den Ruhestand. Haben Sie schon Pläne? Es gibt etwas, das wir schon lange geplant, aber noch nicht terminisiert haben: Eine Reise mit dem Wohnmobil durch Skandinavien. Ich möchte meine Zeit ab dem 1. Juli aber nicht jetzt schon verplanen –
es kommt wie es kommt.

Worauf freuen Sie sich besonders? Mehr Zeit mit meiner Gattin Rita zu haben, mit der ich bereits 42 Jahre meines Lebens verbringen darf.


Welche Bedeutung hat das Ländle für Sie? Wir sind sehr privilegiert, hier leben und arbeiten zu ­dürfen. Vorarlberg ist wirklich etwas ­Besonderes.