„Mit Hermann Maier auf der Vespa durch Monte Carlo!“

„Bei der Herbstmesse 2020 haben sich alle an den Besucherzahlen aufgehängt und gleich von Misserfolg gesprochen. Es war aber die erste große Veranstaltung im Jahr 2020 und die Messe der einzige Ort im Ländle mit Maskenpflicht. Umso erleichterter waren wir bei der Herbstmesse 2021 und jetzt bei der SCHAU!, dass die 3G Regel gilt“, sagt Sabine Tichy-Treimel im Gespräch mit WANN & WO. Übrigens: Mehr zur SCHAU! gibt es auf den Seiten 28 bis 31 in dieser Ausgabe. Fotos: Sams

„Bei der Herbstmesse 2020 haben sich alle an den Besucherzahlen aufgehängt und gleich von Misserfolg gesprochen. Es war aber die erste große Veranstaltung im Jahr 2020 und die Messe der einzige Ort im Ländle mit Maskenpflicht. Umso erleichterter waren wir bei der Herbstmesse 2021 und jetzt bei der SCHAU!, dass die 3G Regel gilt“, sagt Sabine Tichy-Treimel im Gespräch mit WANN & WO. Übrigens: Mehr zur SCHAU! gibt es auf den Seiten 28 bis 31 in dieser Ausgabe. Fotos: Sams

Kommende Woche startet in Dornbirn die erste SCHAU! seit 2019. W&W sprach mit Messe-Geschäftsführerin Sabine Tichy-Treimel über die Rückkehr der Frühjahrsmesse, eine Rollerfahrt mit dem „Herminator“ und wie sie als Nicht-Bierfan zu Fohrenburger kam.

WANN & WO: Frau Tichy-Treimel: Kommende Woche startet in der Messe Dornbirn die erste SCHAU! seit 2019. Wie groß ist die Freude, dass es endlich wieder losgeht?

Sabine Tichy-Treimel: Sehr groß. Man spürt auch bei den Mitarbeitern eine positive Aufbruchsstimmung. Seit einigen Tagen bauen auch bereits die ersten Aussteller auf, auch sie sind froh, dass es wieder live stattfindet. Ein Messekollege hat vor einiger Zeit einmal zu mir gesagt: Wir sind mittlerweile die Weltmeister im Verschieben und Absagen. So eine Situation sind wir aber nicht gewohnt, denn wir sehen uns eigentlich als Weltmeister im Planen und Vorausschauen. So ein Messeauftakt ist für alle Beteiligten ein großes Erfolgserlebnis. Das hat in den letzten zwei Jahren völlig gefehlt. Es geht wieder zurück in Richtung Normalität, das haben wir alle dringend gebraucht.

WANN & WO: Ist die klassische Besuchermesse noch zeitgemäß oder hat die Pandemie Sie zum Überdenken des Konzepts gezwungen?

Sabine Tichy-Treimel: Das Messekonzept ist tatsächlich schon öfter diskutiert worden, aber man ist doch immer wieder zur Grundform zurückgekehrt. Denn in erster Linie geht es um den Kontakt zwischen Ausstellern und Besuchern, die Messe ist ein Live-Marktplatz. Angebot und Nachfrage treffen sich hier vor Ort. Uns war es aber ohnehin schon immer wichtig, das klassische Messeerlebnis um ein Entertainment-Element, etwa ein Abendprogramm, zu erweitern. Das ist auch wichtig, um eine jüngere Zielgruppe zu erreichen. Pandemiebedingt wurden in den letzten zwei Jahren überall digitale Messen aus dem Boden gestampft. Das waren aber einmalige Events, denn Geschäft gemacht hat damit keiner, weder die Aussteller noch die Veranstalter. Wir überlegen uns aber schon, welche Teile der Messe wir digital herausnehmen können, etwa hybride Vortragsprogramme. Es muss aber das Produkt dazu passen und die Aussteller müssen dabei sein. Wenn sie nicht mitmachen, nutzt uns das auch nichts.

WANN & WO: Sie gelten als absolute Marketing­spezialistin. Seit Ihrem Start in dem Bereich hat sich aber einiges verändert.

Sabine Tichy-Treimel: Mich hat der Bereich Marketing schon nach meiner HAK-Matura interessiert, aber in den 1990ern war das natürlich noch ein ganz anderes Thema. Ich habe 1996 bei der Agentur WWP angefangen, unsere Kernaufgaben waren Marketing und Eventsponsoring. Unser erster Kunde damals war Milka. Unsere Aufgabe war es, die Marke im Skiweltcup-Eventbereich zu positionieren. Wir haben den Verantwortlichen dann von Hand vorgezeichnet, wie es ausschaut, wenn die lila Kuh auf einer Skipiste steht. (lacht) Wenn man sich überlegt, was da damals für ein Aufwand betrieben wurde, ist das ja eigentlich ein Wahnsinn. (lacht)

WANN & WO: Sie haben bei WWP unter anderem zahlreiche Großevents im Sportbereich begleitet. Haben Sie besondere Erinnerungen an die Zeit?

Sabine Tichy-Treimel: Ich war unter anderem für BMW und Red Bull im Rahmen der Formel 1 für Großevents zuständig. Beim Grand Prix in Monaco hatten wir Hermann Maier zu Gast, der im Winter zuvor seinen ersten Weltcupsieg geholt hatte. Aufgrund des Streckenbaus konnten keine Autos mehr durch die Stadt fahren und ich düste mit ihm auf einer Vespa durch die Straßen. Solange, bis er sagte, er fährt jetzt selbst. (lacht)

Ich war auch bei der Eröffnung des Hangar 7 im August 2003 dabei. Die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren, allerdings war noch nicht alles fertig – und uns ist der Bauleiter abgehauen. Als Stargast hatten wir Naomi Campbell. Wer den Hangar 7 kennt, weiß, dass die Innenräume verglast sind – die Vorhänge haben aber alle noch gefehlt. Sie fing dann an, herumzuzicken, weil sie sich umkleiden sollte, aber kein Sichtschutz vorhanden war. Wir haben ihr dann aber verständlich gemacht, dass eh niemand weiß, dass sie da ist und ihr versichert, dass auch niemand hinschauen wird. (lacht)

WANN & WO: Sie haben 2007 das Marketing der Brauerei Fohrenburg übernommen. Stimmt es, dass Sie eigentlich gar kein Bierfan waren?

Sabine Tichy-Treimel: (lacht) Ja, mit Bier konnte ich damals tatsächlich nichts anfangen. Ich hätte auch ehrlich gesagt nie gedacht, dass ich als Frau in einer Brauerei lande. Aber das Gesamtpaket passte für mich: Es war ein regionales Unternehmen und ich hatte viel mit Events und Marketing zu tun. Und ich bin dann schließlich doch noch auf den Geschmack von Bier gekommen. (lacht) Und – das habe ich auch meinen Freundinnen dann erklärt – Bier hat weniger Kalorien als Prosecco. (lacht) Heute kann ich zudem sagen, dass wir im ganzen Land erstklassige Brauereien mit sehr guten Bieren haben.

WANN & WO: Kommen wir abschließend noch einmal zur SCHAU!: Gibt es etwas, worauf Sie sich schon besonders freuen?

Sabine Tichy-Treimel: Die Eröffnung an sich ist immer ein Highlight, auch wenn es für mich Stress und Trubel von Frühmorgens bis Spät­abends bedeutet. Aber ich kann kein persönliches Highlight herauspicken: Die letzte SCHAU! war 2019, gefühlt ist das schon ewig her. Ich freue mich nun ganz auf das Frühlingserwachen in der Messe, darauf, dass der Außenbereich wieder bepflanzt ist, wieder gegrillt wird und ganz einfach das Leben wieder in die Messe zurückkehrt.

<p class="title">Zur Person: Sabine Tichy-Treimel</p><p>Alter, Wohnort, Familienstand: 52, Feldkirch, verheiratetHobbys: Skifahren, Skitouren, Trailrunning, Rennradfahren, Wandern, Mountainbiken („Hauptsache draußen.“) Karriere (Auswahl): HAK-Matura, Studien: Marketing, General Management, Psychologie in der Arbeitswelt; 1996 bis 2007 Agentur WWP Weirather-Wenzel & Partner GmbH (Projektleitung u.a. Hahnenkammrennen, Formel-1-Events für BMW und Red Bull), ab 2007 Brauerei Fohrenburg, seit 2017 Geschäftsführerin Messe Dornbirn</p>

Zur Person: Sabine Tichy-Treimel

Alter, Wohnort, Familienstand: 52, Feldkirch, verheiratet
Hobbys: Skifahren, Skitouren, Trailrunning, Rennradfahren, Wandern, Mountainbiken („Hauptsache draußen.“)
Karriere (Auswahl): HAK-Matura, Studien: Marketing, General Management, Psychologie in der Arbeitswelt; 1996 bis 2007 Agentur WWP Weirather-Wenzel & Partner GmbH (Projektleitung u.a. Hahnenkammrennen, Formel-1-Events für BMW und Red Bull), ab 2007 Brauerei Fohrenburg, seit 2017 Geschäftsführerin Messe Dornbirn

«Als Stargast hatten wir Naomi Campbell. Sie fing an, herumzuzicken, weil sie sich umkleiden sollte, der verglaste Raum aber keine Vorhänge hatte.» Sabine Tichy-Treimel über die Eröffnung des Hangar 7 in Salzburg

«Ein Messekollege hat vor ­einiger Zeit zur mir gesagt: Wir sind mittlerweile die Weltmeister im Verschieben und Absagen. So eine Situation sind wir aber nicht gewohnt, denn wir sehen uns eigentlich als Weltmeister im ­Planen und Vorausschauen.»

Sabine Tichy-Treimel über die schwierige Situation der Messe während Corona

«Unser erster Kunde bei WWP war Milka. (...) Wir haben den Verantwortlichen von Hand ­vorgezeichnet, wie es ausschaut, wenn eine lila Kuh auf einer Skipiste steht. (lacht)»

Sabine Tichy-Treimel über Marketing in den 1990er-Jahren

Kurz gefragt

Corona hat nicht nur die Messe infiziert, auch Sie sind im ­vergangenen Jahr mehrere Wochen ausgefallen. Haben Sie sich gut erholt – Stichwort Long Covid?

Ich erkrankte im Jänner an der ­Delta-Variante und es dauerte bis zum Sommer, bis ich mich wieder ganz fit gefühlt habe. Das Schlimmste in meinem Fall war das Fieber. Das hatte ich drei Wochen lang, das belastete mich auch psychisch. Long Covid hat mir durchaus Sorgen ­bereitet, aber glücklicherweise habe ich mich ­wieder vollständig erholt.

Sie haben mit Mitte 40 noch ein Masterstudium abgeschlossen, geheiratet und den Job gewechselt. Es ist also nie zu spät, noch einmal neu zu starten?
Für mich gilt da wohl: Was andere mit 25 machen, habe ich mit 46 gemacht. Das alles geschah ja auch innerhalb eines Jahres – das wird mir auch erst jetzt so richtig bewusst, wenn ich darüber spreche. Aber nein, es ist nie zu spät für etwas Neues.