„Politik geht mir nicht ab“

Seit seinem Rückzug aus der Politik 2019 wurde es still um Harald Köhlmeier. Mit WANN & WO sprach der ehemalige Harder Bürgermeister erstmals über die Gründe für seinen Rücktritt und warum er nun als Bio-Bauer Aloe Vera und Hanf züchtet.

WANN & WO: Herr Köhlmeier: Wir stehen heute hier in Ihrem neuen Betrieb, dem „Polders Garten“ in Hard. Warum der Wechsel in die Landwirtschaft? Hatten Sie schon immer einen grünen Daumen?

Harald Köhlmeier: Ja, das hat mich schon als Junger interessiert, vor allem Aloe Vera. Da habe ich zuhause schon immer herum­experimentiert. Nach meinem Rücktritt kam gleich mal Corona. Da hatte ich viel Zeit zum Nachdenken. Während dieser Phase ist in mir der Entschluss gereift, mein Hobby zum Beruf zu machen und mit meiner Familie in die Landwirtschaft einzusteigen. Der Name des Gartens bezieht sich auf meinen Urgroßvater Leopold, der hier schon als Landwirt die Felder bestellt hat. Diese Tradition wollte ich wieder aufleben lassen. Und gerade in Zeiten, wo Regionalität und Nachhaltigkeit im Fokus stehen, wollte ich den Beweis antreten, dass man Aloe nicht aus Übersee einfliegen muss, sondern sie auch hier kultivieren kann.

WANN & WO: Sie haben eben Ihren Rücktritt im Jahr 2019 ­angesprochen. ­Dieser kam sehr überraschend. Geht Ihnen die ­Politik ab?

Harald Köhlmeier: Nein, nicht wirklich. Es waren zehn intensive und auch schöne Jahre, aber ich bin dann einfach zum Entschluss gekommen – und das war eine zutiefst persönliche Entscheidung, die ich auch gemeinsam mit der Familie getroffen habe – dass die Belastung auf Dauer doch zu hoch ist. Und ich war noch in einem Alter, in dem es mir möglich war, noch einmal etwas ganz Neues anzufangen.

WANN & WO: Als Bürger­­­meister kann man es eigentlich niemandem recht machen, oder?

Harald Köhlmeier: Wie heißt es so schön: Allen Menschen recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann. Darauf muss man sich einstellen, wenn man den Job macht.

WANN & WO: War das politische Interesse bei Ihnen schon immer vorhanden, oder wurde Ihnen das von Ihrem Vater, einst ebenfalls Bürgermeister von Hard, ­mitgegeben?

Harald Köhlmeier: Mein Vater hatte mir eigentlich immer davon abgeraten, in die Politik zu gehen. Ich bin auch erst nach seinem Tod 2006 in die Politik eingestiegen. Ich wurde immer wieder gefragt, ob ich es mir nicht vorstellen könnte, in seine Fußstapfen zu treten. Bis eines Tages eine offizielle Anfrage gekommen ist. Ich habe mir dann genügend Bedenkzeit genommen und mich dazu entschlossen, weil mir Hard immer schon sehr am Herzen gelegen ist und ich viel Potenzial in der Weiterentwicklung der Ge­­­meinde gesehen habe.

WANN & WO: Vor Ihrem Rücktritt schlugen vor allem Ihre Hohentwiel- und Hafenpläne in Hard hohe Wellen. Wurmt Sie das noch, oder haben Sie Ihren Frieden damit geschlossen?

Harald Köhlmeier: Klar habe ich damit meinen Frieden geschlossen. Und auch wenn es so dargestellt wurde: Diese Themen waren nicht der Grund für meinen Rücktritt. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, diesen kräfte- und gesundheitszehrenden Job bis zu meiner Pensionierung zu machen. „I don’t look back in anger.“ In den zehn Jahren, in denen ich Bürgermeister war, ist uns ja auch sehr vieles in der Gemeinde gelungen.

WANN & WO: Während Ihrer Regentschaft entwickelte sich Hard einerseits zu einer sehr gefragten Marktgemeinde, andererseits aber auch zu einem sehr teuren Pflaster. Wie sehen Sie das?

Harald Köhlmeier: Das stimmt. Da ist Hard aber kein Einzelschicksal. Wenn man mitverfolgt hat, wie sich die Preise in den vergangenen zehn Jahren entwickelt haben, ist das schon sehr besorgniserregend. Vor allem, wenn es um die sehr virulente Frage des leistbaren Wohnens geht. Wir hatten aber immer einen großen Fokus auf das Thema und daraus sind auch schöne Projekte entstanden.

WANN & WO: Kommen wir noch einmal auf Ihre neue Berufung zurück: Die Arbeit auf dem Feld ist wohl eine weitaus entspanntere als die Politik?

Harald Köhlmeier: Das stimmt allerdings. Meine Frau und mein Sohn arbeiten hier mit, es ist ein kleiner schöner Familienbetrieb. Der Prozess zur Umwandlung zum Biobetrieb läuft derzeit. Wir sind auch bereits erstzertifiziert. Es ist zudem wunderschön, wenn man hier steht und die Rehe, Hasen, Fasane und Füchse im Ried beobachten kann. Das Ried ist für mich heilig – und muss es auch bleiben. Es ist die grüne Lunge des Ländles.

WANN & WO: Neben Aloe Vera bauen Sie hier auch CBD-Hanf an. Wie kamen Sie zur Cannabispflanze?

Harald Köhlmeier: Hanf ist eine uralte Kulturpflanze, die seit Jahrtausenden medizinische Anwendung findet. Mein Sohn studiert Agrarwissenschaften und beschäftigt sich auch im Studium mit diesem Thema. Die Kombination Aloe/CBD-Hanf ist sehr spannend und wir entwickeln daraus tolle Produkte.

WANN & WO: Welche Produkte ­planen Sie?

Harald Köhlmeier: Wir arbeiten an einer Kosmetiklinie namens Bodensee Aloe. Der Marktstart ist für spätestens Juni angepeilt. Wir sind etwas hinter unseren eigentlichen Plänen, den zeitlichen Aufwand dazu haben wir wohl ein bisschen unterschätzt. Aktuell sind die Produkte zur Prüfung noch im Labor. Zum Auftakt der Sonnenbrand-Saison wollen wir so weit sein. (lacht)

<p class="caption">Harald Köhlmeier im Gewächshaus „Polders Garten“ umgeben von Aloe Vera-Pflanzen. Die Mutterpflanze brachte er vor rund 15 jahren aus dem Urlaub auf Lanzarote mit.</p>

Harald Köhlmeier im Gewächshaus „Polders Garten“ umgeben von Aloe Vera-Pflanzen. Die Mutterpflanze brachte er vor rund 15 jahren aus dem Urlaub auf Lanzarote mit.

«Hanf ist eine uralte Kulturpflanze, die seit Jahrtausenden medizinische Anwendung findet. (...) Im Vergleich zu anderen Drogen, bspw. Alkohol, der Volksdroge Nr. 1, verstehe ich oftmals nicht ganz, warum Cannabis in ein kriminelles Eck gestellt wird.» Harald Köhlmeier über seinen Grund, CBD-Hanf anzubauen und seine allgemeine Meinung über eine Freigabe von Cannabis

«Nach meinem Rücktritt kam gleich mal Corona. Da hatte ich viel Zeit zum Nachdenken. Während dieser Phase ist in mir der Entschluss gereift, mein Hobby zum Beruf zu machen.»

Harald Köhlmeier über seinen Wandel vom ­Politiker zum Aloe-Vera-Bauer

Zur Person: Harald Köhlmeier

Alter, Wohnort, Familienstand: geboren 11. August 1972, Hard, verheiratet, ein Sohn
Funktionen (Auswahl): Studium Tourismus-Management Wien, 2003 bis 2010 Geschäftsführer Bodensee-­Vorarlberg Tourismus GmbH, 2010 bis 2019 Bürgermeister der Marktgemeinde Hard (ÖVP), ab 2013 Präsident des Vorarl­­berger Gemeindeverbands; Aufsichtsrat Vorarlberger Illwerke; Ausbildung zum Facharbeiter Feldgemüsebau, seit 2021 Bio-Landwirt (Aloe Vera und Hanf) in Hard