„Vorarlberg fehlt ein Bordell!“

Sonntags-Talk à la „Fragen aus der Box“: Mit Michael Ritsch und Dieter Egger treffen nicht nur der Bregenzer und der Hohenemser Bürgermeister aufeinander – sondern auch SPÖ und FPÖ. Ob Gegensätze sich anziehen, zeigt sich im Video.

WANN & WO: Was wollten Sie als Kind einmal werden?

Dieter Egger: Die Frage ist relativ einfach zu beantworten: Pilot.

Michael Ritsch: Oh!

Dieter Egger: Ich hatte mich damals auch beim Bundesheer damit auseinandergesetzt. Gescheitert ist es dann daran, dass ich mich für längere Zeit hätte verpflichten müssen. Ich bin dann umgestiegen und schließlich bei der Politik gelandet. Letztendlich ist sich aber beides ähnlich: Es gibt immer Höhen- und Tiefflüge und ab und zu muss man schauen, dass man unter dem Radar bleibt. (lacht)

Michael Ritsch: Das haben wir beide schon hinter uns. (lacht)

WANN & WO: Was fehlt in
Vorarlberg?

Michael Ritsch: Was in Vorarlberg fehlt? Politisch gesehen wohl eine Universität. Das fällt mir als Erstes ein, weil wir keine haben. Wir haben auch keinen Flughafen. Wenn ich frech wäre, würde ich sagen, wir haben auch kein Bordell. (lacht)

Dieter Egger: (lacht)

Michael Ritsch: Und vielleicht ein wenig mehr Offenheit.

Dieter Egger: Eine Uni wäre doch etwas für Bregenz, oder? So eine „Bodensee-Uni“?

Michael Ritsch: Total gerne! Wir sind dran …

WANN & WO: Wenn es nach Ihnen ginge, wie würde Vorarlberg in fünf Jahren aussehen?

Dieter Egger: Etwas bunter, etwas offener, mehr in die Zukunft gerichtet. Ich habe das Gefühl, wir verwalten sehr viel in Vorarlberg. Die Zukunftsthemen, gerade in einer Zeit, in der sich sehr viel verändert, fehlen aber. Deshalb würde ich mir Vorarlberg noch etwas lebendiger vorstellen als es derzeit ist. Es ist ein schönes Land, es ist wunderbar hier zu leben, aber ein bisschen mehr städtisches Flair täte Vorarlberg gut.

Michael Ritsch: Wir haben ja schon zwei schöne Städte.

Dieter Egger: Das haben wir und wir sind auf einem guten Weg. Noch ein bisschen mehr lebendiger und bunter, das wäre cool.

WANN & WO: Sie dürfen für ein Dinner drei prominente Persönlichkeiten einladen. Wen laden Sie ein?

Dieter Egger: Sicher den Kreisky, wenn es ihn noch gäbe, oder? (lacht)

Michael Ritsch: Ja … (lacht) Aber sonst den Tom Hanks. Ein super Schauspieler, wäre cool, wenn ich den kennenlernen könnte. Eine coole Frau noch … Vielleicht die Queen? Ein Abendessen mit ihr wäre sicher spannend.

Dieter Egger: Da musst du mich aber einladen!

Michael Ritsch: Und noch ein Sportler. Den Hamilton würde ich gern einmal kennenlernen.

Dieter Egger: Ach ja? Ich bin eher Verstappen-Fan.

Michael Ritsch: Der wäre auch okay. (lacht)

WANN & WO: Bodensee oder Berge?

Michael Ritsch: Warte, sag nix! Bei dir sicher Berge.

Dieter Egger: Ich würde sagen, die Kombination macht es aus. Das findet man kaum irgendwo in der Kombination und beides hat etwas für sich. Als Emser habe ich den See früher gar nicht so geschätzt. Aber seit ich im Landhaus in
Bregenz sitze, muss ich sagen: Der See hat schon Qualität.

Michael Ritsch: Aber man sieht bei dir auf Insta mehr Berge.

Dieter Egger: Ich habe sie halt vor der Haustür. Und bin dort viel mit meinem Hund unterwegs.

WANN & WO: Was glauben Sie, wie weit werden die Haus- und Wohnungspreise noch steigen? Und was muss in dem Bereich passieren?

Michael Ritsch: Die Frage passt super zu mir, ich war ja 15 Jahre lang Wohnbausprecher im Landtag und lang Wohnungsstadtrat. Ich sage immer, das einzige leistbare Wohnen ist der öffentliche, gemeinnützige Wohnbau. Der Quadratmeter liegt da mittlerweile zwar auch bei knapp zehn Euro, eine 70-Quadratmeter-Wohnung kostet also auch 700 Euro Miete. Am Privatmarkt sind wir da aber schon bei 1400 Euro. Ich wäre auch für eine Mietpreisobergrenze. Berlin hat vorgemacht, dass das funktioniert, auch wenn es nicht immer so einfach ist. Und Wien hat gezeigt, dass es so viel öffentlichen Wohnbau wie möglich braucht – Wien liegt da bei 60 Prozent und ist damit leistbar. In Bregenz ist aktuell etwa ein Drittel öffentlicher Wohnbau und das macht es für viele in Bregenz noch
leistbar, dort zu wohnen.

Dieter Egger: Wobei man da
schauen muss, dass man eine gute Durchmischung hat.

WANN & WO: Was war Ihr bestes, was Ihr schlechtestes Schulfach?

Michael Ritsch: (lacht) Eines der besseren war Mathe.

Dieter Egger: Echt?

Michael Ritsch: Ja, man würde es nicht glauben – ich war ein totaler Freak. Und in der fünften Klasse am Gymnasium habe ich wegen Latein wiederholt, also war das wohl mein schlechtestes Fach.

Dieter Egger: Ach, hattest du Latein?

Michael Ritsch: Ja ich hatte Englisch, Französisch und Latein. Und Latein habe ich eben überhaupt nicht kapiert. Mit Physik und
Chemie habe ich auch nichts
anfangen können (lacht).

Dieter Egger: Mathe war bei mir eine Katastrophe.

Michael Ritsch: Die Mathe-Matura von heute möchte ich auch nicht machen, da würde ich mit Pauken und Trompeten durchfliegen.

<p>Michael Ritsch ist seit 2020 Bürgermeister der Landeshauptstadt.</p>

Michael Ritsch ist seit 2020 Bürgermeister der Landeshauptstadt.

<p>Seit 2015 sitzt Dieter Egger auf dem Bürgermeister-Stuhl der Stadt Hohenems. Fotos: Sams, A. Pezold</p>

Seit 2015 sitzt Dieter Egger auf dem Bürgermeister-Stuhl der Stadt Hohenems. Fotos: Sams, A. Pezold

«Vorarlberg ist ein schönes Land, es ist wunderbar, hier zu leben. Aber ein bisschen mehr Offenheit, etwas bunter, mehr Zukunftsausrichtung und städtisches Flair täten Vorarlberg gut. » Dieter Egger (FPÖ), Hohenemser Bürgermeister

«Das einzige leistbare Wohnen ist der öffentliche, gemein- nützige Wohnbau.» Michael Ritsch (SPÖ), Bregenzer Bürgermeister

Alle Fragen im Video auf
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