„Ich wollte schon immer die Welt verbessern“

Mit einer kontroversen Aussage sorgte der ­ehemalige Grünen-Stadtrat Martin Hämmerle Anfang ­dieses Jahres für Schlagzeilen – und trat aus eigenen Stücken zurück. Im Talk mit WANN & WO spricht er darüber, wie er durch ehrenamtliche Arbeit und ­Idealismus zur Politik gekommen ist und warum ihm die politische Arbeit nach seinem Aus nicht abgeht.

WANN & WO: Herr Hämmerle, Ihr politisches Wirken war nicht von langer Dauer. Was hat Sie aber überhaupt erst dazu bewogen, in die Politik einzutreten?

Martin Hämmerle: Ich war schon immer ehrenamtlich aktiv. Das ist für mich, wie man bei den Pfadfindern sagt, die tägliche gute Tat. Sich für die Gemeinschaft zu engagieren und seine Fähigkeiten der Allgemeinheit zur Verfügung stellen. Und quasi aus dieser Pfadfinderwelt bin ich in die Politik hineingekommen. Ich war immer schon ein Idealist, wollte die Welt verbessern. Dass ich Stadtrat für die Grünen wurde, ist dann schneller gegangen, als gedacht. Das war ein ziemlicher Blitzstart.

WANN & WO: Was meinen Sie mit Blitzstart? Und wie kam es dazu?

Martin Hämmerle: Im Jahr 2014 habe ich begonnen, mich ehrenamtlich für die Grünen zu engagieren. 2019 bin ich dann zur Nummer zwei gewählt worden und ein Jahr später hatten die Grünen in Dornbirn einen großen Wahlerfolg. Ich glaube, dass meine Lebenshaltung viele dazu bewogen hat, mich zu unterstützen. Diese über 800 Vorzugsstimmen freuten mich sehr und motivierten mich für meine politische Tätigkeit. Mein eigentlicher Wunsch war das Ressort für Stadtplanung. Die Kombination aus meiner beruflichen Tätigkeit als Architekt und als Grüner Stadtrat wäre aus meiner Sicht eine ideale Kombination gewesen, um Naturbelange zu berücksichtigen und mich für eine nachhaltige Stadtentwicklung einzusetzen. Ich bekam dann aber die beiden Ressorts Jugend und Schulerhalter, was für mich als Vater von drei Kindern und als ehemaliger Pfadfinderleiter auch ein spannendes Aufgabenfeld war.

WANN & WO: Sie waren von ­Oktober 2020 bis März diesen Jahres für die Grünen als Jugend- und Schulstadtrat tätig. In einer Zeit, die für junge Menschen äußerst belastend war. Wie haben sie diese Phase erlebt?

Martin Hämmerle: Meine politische Tätigkeit als Stadtrat fiel zusammen mit dem Start der Pandemie.

Es war für uns alle eine schwierige Zeit. Aber als Fürsprecher für Kinder und Jugendliche war es mir ein großes Anliegen, die politischen Corona-Maßnahmen aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Die Nähe zur Schweiz zeigte auch einen anderen Umgang mit dieser Situation auf. Mittlerweile wissen wir ja auch über die nachteiligen Effekte des „Home-Schoolings“ Bescheid. Wenn schwierige Themen auftauchen, war es mir einfach immer schon wichtig, sie nicht einseitig zu betrachten, sondern fokussiert, angstfrei und achtsam zu handeln. Und aus dieser Situation heraus haben sich grün denkende Menschen in ganz Österreich zusammengeschlossen und schließlich die Initiative ­„Grüne gegen Impfpflicht und 2G“ gegründet.

WANN & WO: Ließ sich die Aktivität bei der Initiative „Grüne gegen Impfpflicht und 2G“ mit Ihrer Tätigkeit als Stadtrat vereinbaren?

Martin Hämmerle: Die unterschiedliche Haltung zur Impfpflicht zeigte auf, dass eine gemeinsame ­politische Zukunft nicht mehr möglich war.

Martin Hämmerle: Abschließende Frage: Vermissen Sie die politische Arbeit?

Martin Hämmerle: Rückblickend möchte ich mich nochmals für das Vertrauen in meine Person bedanken. Auch für den Einblick in die Stadtpolitik, den ich ­erhalten habe, bin ich dankbar. Es war eine schöne, lehrreiche und auch sehr interessante Zeit, die ich nicht missen möchte und während der ich viele unterschiedliche Menschen kennenlernen durfte. Politische Arbeit ist eine sehr herausfordernde und wichtige Tätigkeit. Ich werde auch stets ein politisch interessierter Mensch bleiben. Jetzt genieße ich es aber, wieder mehr Zeit für Familie, FreundInnen, Kunst und Kultur und mein Engagement für die Pfarre Rohrbach zu haben.

<p class="caption">Martin Hämmerle im Gespräch mit WANN & WO-Redakteur Harald Küng.</p>

Martin Hämmerle im Gespräch mit WANN & WO-Redakteur Harald Küng.

«Ich werde stets ein politisch interessierter Mensch bleiben. Jetzt genieße ich es aber, ­wieder mehr Zeit für Familie, FreundInnen, Kunst und ­Kultur und mein Engagement für die Pfarre ­Rohrbach zu haben.» Für Martin Hämmerle war sein Ausflug in die Politik sehr „lehrreich“. Nun freut er sich aber, wieder Zeit für andere Dinge zu haben.

«Die unterschiedliche Haltung zur Impfpflicht zeigte auf, dass eine gemeinsame politische Zukunft nicht mehr ­möglich war.»

Martin Hämmerle zu seinem Rücktritt als Stadtrat für die Dornbirner Grünen

Kurz gefragt

Was sind für Sie wichtige Werte?

Naturverbundenheit, kritisches ­Denken, soziales Miteinander und künstlerisches Schaffen.

Stichwort Kunst: Sind Sie selbst künstlerisch aktiv?

Früher habe ich viel gemalt, ich quäle auch immer wieder meine Gitarre (lacht). Aber ich bin leider zu wenig musikalisch. Und Architektur ist ja auch Kunst – eine bürgerliche Kunst.

Was bereitet Ihnen Freude?

Zum Glück vieles: Die Natur, die immer wieder so unglaublich ­Überraschendes hervorbringt. Auch das Lachen eines wildfremden ­Menschen. Und die unglaubliche ­Vielfalt der Musik. Fotos: Sams