„Den Scorpions-Drummer habe ich am Fuß gepackt und dann die Tiefgaragen-Einfahrt hinaufgezogen!“

Der Talk zum Ruhestand: Sigi Innauer über Aufreger, seine Clubs, Freundschaften unter Kollegen, welcher Regisseur sein Lebenswerk verfilmen sollte und den Vorfall, der sein Leben nachhaltig verändert hat.

WANN & WO: Knapp eine Woche im Ruhestand: Wie fühlt es sich an? Denkst du schon an ein Comeback?

Sigi Innauer: Es fühlt sich sehr gut an, ich wurde von meinem Team gebührend verabschiedet. Comeback? Niki Lauda hat bei seinem ersten Rücktritt gesagt, er habe keine Lust mehr, mit dem Auto im Kreis zu fahren. Gekommen ist es anders (lacht). Ich will nichts ausschließen. Aber wenn, dann würde ich nur kleine Projekte umsetzen. Momentan habe ich nichts geplant.

WANN & WO: Rückblickend: Welchen deiner fünf Clubs (Anm. „Vakanz“/Reuthe, „Kiew“, „Innauer „Dornbirn und Feldkirch, „Vakanz“/Dornbirn) würdest du nochmals führen wollen, wenn du dir einen aussuchen könntest?

Sigi Innauer: Das „Innauer“ in Dornbirn. Die Location in der Tiefgarage war einfach besonders. Es war der erste richtige House-Club im Ländle. Zu jener Zeit hatte ich auch meine „Sturm und Drang“-Phase. Die Nächte waren aufregend.

WANN & WO: Die leider verstorbene Nightlife-Legende Klaus Feurstein hat einmal zur seiner Türpolitik gesagt: „Wir trennen Arschloch von Nicht-Arschloch, aber nicht zwischen Jung und Alt, zwischen Reich und Arm oder zwischen Ausländer und Inländer? Was war eure Philosophie?

Sigi Innauer: Das Alter war für uns entscheidend, Eintritt gab es erst mit 21 Jahren. Wichtig war auch, ob jemand betrunken war oder nicht. Mit der Trinkdisziplin ist es immer so eine Sache. Es gibt Betrunkene, die sind lustig, andere, die schlafen an der Bar ein und leider welche, die aggressiv werden. Das weiß man allerdings davor nicht. Bei Betrunkenen gab es eine Nulltoleranz-Politik. Sonst haben wir keine Unterschiede gemacht.

WANN & WO: Kurz zur „Vakanz“-Eröffnung in Reuthe im Jahr 1984. Das war ja ein Kontrastprogramm zu einer Disco wie es etwa die „Tenne“ war. Wie kann man sich damals die Situation im „Would“ vorstellen?

Sigi Innauer: Die „Vakanz“ war ein Raum, eine Bar, alles weiß gemalt. Nicht jeder Wälder konnte mit dem Konzept etwas anfangen. Wir hatten allerdings auch Gäste und DJs vom „Land“, die auch ihre Musik mitgebracht hatten. So entwickelte sich die „Vakanz“ zu einem alternativen Club. Es war eine mutige Entscheidung, ab letztendlich waren wir „Kult“. Als wir schließen mussten, kam zeitgleich das Angebot, das ehemalige „Starlight“ in Röthis zu übernehmen. Es war die Geburtsstunde vom „Kiew“. Die Location war schon eine ganz große Nummer. Bei Konzerten (u.a. „Falco“, „Nits“, „Fettes Brot“, „H-Blockx“) hatten wir bis zu 1400 Besucher. Bei normalem Betrieb am Wochenende war die Bude mit Gästen aus dem ganzen Ländle voll.

WANN & WO: Fünf Clubs in knapp 40 Jahren. Während dieser Zeitspanne gab es bestimmt auch Aufreger, über die man heute sprechen darf?

Sigi Innauer: Ich kann mich an einen Vorfall mit Bandmitgliedern von den „Scorpions“ erinnern. Sie haben damals in Vorarlberg bei Peter Wolf ein Album produziert und waren abends im „Innauer“ zu Gast. Zur Sperrstunde wollten die Musiker nicht gehen. Der Drummer (Anm. James Kottak) stellte dann den Fuß in die Türe und nannte mich ein „Asshole“. Das kam bei mir natürlich nicht gut an. Ich habe mir dann einfach seinen Fuß geschnappt und ihn dann die Tiefgaragen-Einfahrt hinaufgezogen. Der Wirbel war natürlich groß. Danach war aber alles cool und sie waren rund fünf Monate Stammgäste im Club. Auch Dietmar Constantini, ehemaliger Fußballnationaltrainer, habe ich nicht reingelassen, als dieser zu spät und sichtlich angetrunken an der Türe stand. Nachdem er mich ein „Oaschloch“ genannt hatte, war für ihn Feierabend.

WANN & WO: Gerade zu dieser Zeit gab es viele Nachtclubgrößen. Hatte man untereinander Kontakt?

Sigi Innauer: Klar, speziell mit Klaus Spiegel („Sender“, „Steinhauser“), Hannes Rothmeyer („Scala“, „Conrad Sohm“), Didi Tomaselli („Notausgang“, „B190“) Reinhard Rauch („Sonderbar“, „Rauchclub“) oder Klaus Feurstein (Stone Club). Vor allem Klaus Feurstein war ein besonderer Mensch, mit dem man anregende Gespräche führen konnte. Wenn ich in Feldkirch war, habe ich ihn gerne besucht.

WANN & WO: Im vergangenen Herbst hattest du einen Hirnschlag.
Ein Grund, warum du jetzt kürzer trittst?

Sigi Innauer: Ja. Zunächst habe ich gar nichts gespürt, bis meine Frau morgens gemerkt hat, dass etwas mit meiner Hand nicht stimmt. An diesem Tag sind wir dann sogar noch wandern gegangen, sind aber später dann doch zum Arzt bzw. ins Spital. Dort hat man mich untersucht und in weiterer Folge ein sieben Milimeter großes Blutgerinsel gefunden. Es folgten Therapien. Bis heute muss ich Medikamente einnehmen. Dennoch hatte ich Glück im Unglück, es hätte auch schlimmer enden können. Der Vorfall hat mich dann auch dazu bewogen, herunterzufahren und letztlich in den Ruhestand zu gehen. Ich möchte noch etwas vom Leben haben und die Zeit mit meiner Familie genießen. Am Ende des Tages habe ich Glück, dass ich das noch
erleben darf.

<p class="caption">„Sturm und Drang“-Zeit im „Innauer“. Im Dorn­birner House-Club ging ab 1997 die Post ab!</p>

„Sturm und Drang“-Zeit im „Innauer“. Im Dorn­birner House-Club ging ab 1997 die Post ab!

<p class="caption">2007, zehn Jahre „Innauer“ in Dornbirn: Sigi Innauer mit Jasmin.</p>

2007, zehn Jahre „Innauer“ in Dornbirn: Sigi Innauer mit Jasmin.

<p class="title">Zur Person: Sigi Innauer</p><p>Alter, Wohnort: 65 Jahre, Dornbirn (aus Bezau)</p><p>Beruf: Gastronom</p><p>Familie: In einer Lebensgemeinschaft, eine Tochter, drei Söhne, ein Ziehsohn Clubs/Gastro: „Vakanz“ in Reuthe, „Kiew“ in Röthis, „Innauer“ in Dornbirn und Feldkirch als Club, später als Gastro/Bar in Dornbirn, „Vakanz“ in Dornbirn</p><p/>

Zur Person: Sigi Innauer

Alter, Wohnort: 65 Jahre, Dornbirn (aus Bezau)

Beruf: Gastronom

Familie: In einer Lebensgemeinschaft, eine Tochter, drei Söhne, ein Ziehsohn
Clubs/Gastro: „Vakanz“ in Reuthe, „Kiew“ in Röthis, „Innauer“ in Dornbirn und Feldkirch als Club, später als Gastro/Bar in Dornbirn, „Vakanz“ in Dornbirn

«Ich hatte Glück im Unglück, es hätte auch wesentlich schlimmer enden können. Ich möchte etwas vom Leben haben und jetzt die Zeit mit meiner Familie genießen.»

Sigi Innauer über den erlittenen Hirnschlag.

Kurz gefragt

Welcher Club war neben deinen eigenen dein Lieblingsspot?

Das „Scala“ in Dornbirn von Hannes Rothmeyer. Es war speziell. Nach der Sperrstunde ist man über die Stiege in die Wohnung von Hannes, wo gerne auch weitergefeiert wurde. Auch der „Notausgang“ von Didi Tomaselli war lässig.

Wenn man dein Leben verfilmen würden: Wer wäre der Regisseur?

Quentin Tarantino ist mein Lieblingsregisseur. Wenn, dann müsste er es sein.

Soundtrack deines Lebens:
Wer müsste dabei sein?

Nirvana, Christine and the Queens (französische Singer-Songwriterin) und natürlich diverse House-DJs.