„Bei mir gibt es nur die globale Sichtweise“

Frank Obrist hat Großes im Sinn: Im Talk mit WANN & WO verrät der CEO der „Obrist Group“, wie sein ­Unternehmen das größte Problem der ­Menschheit lösen will, was Didi Mateschitz oder Elon Musk dazu beitragen könnten und warum in Lindau ein ­Gegenpol zum Silicon Valley entstehen soll.

WANN & WO: Herr Obrist, Ihr Unternehmen hat kürzlich ein neues Patent zu einer Technologie eingereicht, mit der CO2-negativer Kraftstoff gewonnen werden kann. Damit wollen Sie die globale Erderwärmung eindämmen – kein kleines Unterfangen. Können Sie Ihre Erfindung in aller Kürze erklären?

Frank Obrist: Unsere Technologie sieht vor, über große Photo­voltaik-Kraftwerke im Sonnengürtel der Erde billig Strom zu erzeugen. Über Elektrolyse spalten wir Wasser in Wasser- und Sauerstoff auf. Dann entnehmen wir der Luft das CO2, kombinieren es mit dem Wasserstoff und erhalten einen flüssigen Energieträger – E-Methanol. Der Clou: Ein Teil des Kohlendioxids wird in festen Kohlenstoff verwandelt und in einer Kohlenstoffsenke in den Boden gebracht. So erschaffen wir einen CO2-negativen Kraftstoff. Dieser lässt sich mit der bereits bestehenden Infrastruktur nutzen. Das Patentamt bescheinigte uns, dass es sich um eine neue, erfinderische Idee mit einer bislang ungekannten Tragweite handelt.

WANN & WO: Das klingt sehr vielversprechend. Warum ist die Erfindung noch nicht bekannt?

Frank Obrist: Für die meisten ist es so: Da lässt einer in Lustenau einen Furz, was soll da dabei rauskommen. Ich habe aber vor fast 40 Jahren bei Felix Wankel angefangen und beschäftige mich seit 26 Jahren in meiner eigenen Firma mit diesen Themen. Und arbeitet man hart, kommt am Ende durchaus auch etwas heraus. Wir verfügen bei Obrist ja bereits über ein umfassendes Patentpaket. Blöderweise haben wir nun noch die Aufgabe vor uns, acht Milliarden Menschen auf dieser Welt von unserer Idee zu überzeugen.

WANN & WO: Haben Sie bereits Unterstützer für Ihre Pläne?

Frank Obrist: Die größte Freude haben die Vereinten Nationen. Aus diesem Grund weht auch die UN-Fahne vor unserem Gebäude. Für die UN ist unsere Technologie eine der wichtigsten überhaupt. Sie sind bereits davon überzeugt und haben uns im November auf die Klimakonferenz COP27 in Ägypten eingeladen. Da dürfen wir die Technologie auf der ganz großen Bühne präsentieren. Wir befinden uns auch in Gesprächen mit Konzernen wie Mercedes oder Aramco. Es geht natürlich auch um die Finanzierung. So ein Werk kostet zwei Milliarden Euro. Die kann ich mir nicht selbst aus der Hosentasche kratzen. Wir lösen damit nicht nur das größte ­Problem der Menschheit, es ist auch das größte Geschäft der Menschheit.

WANN & WO: Sie tragen heute ein Hemd mit dem Streckenlayout von Monza. Wie sehen Sie das Thema Motorsport? Die Formel 1 arbeitet ja ebenfalls an synthetischen Kraftstoffen.

Frank Obrist: Der Motorsport ist eigentlich ein Sinnbild für alles, was aktuell schlecht läuft. Es ist richtig, dass in der F1 eigene Kraftstoffe entwickelt werden. Allerdings versucht jeder, sein eigenes kleines Süppchen zu kochen. Die schreiben dann XYZ-Kraftstoff hin und behaupten, dass ihr Treibstoff so geheim ist, dass sie nicht mal selbst wissen, was drinsteckt. Bei uns weiß man es: nämlich pure Intelligenz. (lacht) Bei mir gibt es das kleine Süppchen nicht – nur die globale Sichtweise.

WANN & WO: Wäre Ihre Kraftstofflösung hier nicht auch interessant?

Frank Obrist: Auf jeden Fall. Vielleicht liest ja ein guter Freund von Dietrich Mateschitz dieses Interview und sagt: Hey, Didi, da gibt es eine zukunftsträchtige Idee, die dich in der Formel 1 interessieren könnte. Mateschitz hat sich bei seinem Einstieg in die Formel 1 ja auch nicht gedacht: Ich habe die größte Gaudi an der Zerstörung meiner Umwelt. Und stellen Sie sich einmal vor, die fahren in Monza in Zukunft tatsächlich mit einem CO2-negativen Kraftstoff.

WANN & WO: Stichwort „Zerstörung der Umwelt“: Hegten Sie schon immer den Wunsch, die Welt zu retten?

Frank Obrist: Nein, ganz und gar nicht. Aber wir haben ein weltweites Problem, das wir unbedingt in Angriff nehmen müssen. Und unsere Kinder werden einmal zurückblicken und sich fragen, was wir da für einen Mist gebaut haben. Wir haben aber die Möglichkeit, das, was wir „verdummbeutelt“ haben, wieder gutzumachen. 84 Prozent des weltweiten Energiebedarfs wird noch über fossile Energieträger abgedeckt – Öl, Gas, Kohle. Mit ein paar Windrädern und Teslas kommen wir da nicht weiter. Und wir müssen rasch reagieren, wenn wir die Kurve noch kratzen wollen. Wir haben nun eine Lösung für dieses Problem.

WANN & WO: Sie haben bereits einen Prototypen von Tesla entwickelt, der mit CO2-negativem „aFuel“ betrieben wird. Kennt der Tesla-Chef ihre Projekte?

Frank Obrist: Nein, bislang straft er uns durch Nichtbeachtung.

WANN & WO: Vielleicht ändert sich das ja noch, sobald Ihre Technologie bekannter ist?

Frank Obrist: Wer weiß. Tesla ist es auch nicht anders ergangen. Da kam dann auch der Musk um die Ecke und sagte, da beteilige ich mich. Auf diesen Moment warten wir jetzt noch. Der Anruf wird irgendwann kommen, von wem auch immer.

<p class="title">Zur Person: Frank Obrist</p><p>Alter: geboren 1961, Bregenz</p><p>Familienstand: Partnerschaft, sieben KinderAusbildung/Beruf/Funktionen: HTL Bregenz, 1984 bis 1996 Konstrukteur (ab 1993 Leiter der Konstruktion) bei TES Wankel in Lindau; 1992 bis 1995 Studium Betriebliches Innovationsmanagement an der TU Graz und am Management Zentrum St. Gallen; 1996 Gründung der Obrist Engineering GmbH, Lustenau</p>

Zur Person: Frank Obrist

Alter: geboren 1961, Bregenz

Familienstand: Partnerschaft, sieben Kinder
Ausbildung/Beruf/Funktionen: HTL Bregenz, 1984 bis 1996 Konstrukteur (ab 1993 Leiter der Konstruktion) bei TES Wankel in Lindau; 1992 bis 1995 Studium Betriebliches Innovationsmanagement an der TU Graz und am Management Zentrum St. Gallen; 1996 Gründung der Obrist Engineering GmbH, Lustenau

«Unsere Kinder werden einmal zurückblicken und sich fragen, was wir da für einen Mist gebaut haben.»

Frank Obrist

«84 Prozent des weltweiten Energiebedarfs wird über fossile Energieträger abgedeckt – Öl, Gas, Kohle. Mit ein paar Windrädern und Teslas kommen wir da nicht weiter. Wir haben nun eine Lösung für das Problem.» Sich weltweit von fossilen Energieträgern zu lösen, brauche viel Zeit – deshalb braucht es schnell Alternativen.

«Es muss nicht alles im Silicon Valley erfunden werden. Die haben tolle Sachen und einen Haufen Geld, aber nun muss man jene, die die Zukunft definieren wollen, auch hierher bringen.» Frank Obrist möchte das historische Felix-Wankel-Zentrum in Lindau zur Denk- und ­Forschungseinrichtung der Zukunft verwandeln.

Kurz gefragt

Sie haben mit Felix Wankel, dem Erfinder des Wankel Motors, gearbeitet. Was haben Sie von ihm gelernt?

Ja, das waren meine Lehrjahre. Felix wollte den Motor neu und anders denken, musste aber feststellen, dass sein Motor einen sehr schlechten Verbrauch hat. Bei mir ist deshalb hängen geblieben: Es muss nicht nur anders sein, es muss auch besser sein.

Wir führen dieses Gespräch im Wankel-Zentrum in Lindau, das Sie unlängst gekauft haben. Ein sehr historischer Ort.

Das stimmt allerdings. Vor 60 Jahren war hier der automobile Mittelpunkt der Erde, das Auto selbst wurde zudem nur rund 200 Kilometer von hier erfunden. In der Zwischenzeit kamen aber halt die ganzen Apples, Googles und Musks, die jetzt alle im Silicon Valley sitzen. Es muss aber ja nicht alles im Silicon Valley erfunden werden. Die haben durchaus tolle Sachen und einen Haufen Geld, aber nun muss man halt jene, die die Zukunft definieren wollen, auch hierherbringen. Und das wollen wir hier in Lindau tun: Etwas Silicon Valley an den Bodensee bringen. Ich würde mich nicht aufregen, wenn wir im Felix-Wankel-Zentrum wieder zum Mittel­punkt der Welt werden. (schmunzelt). Fotos: Sitplovsek