Vom Ferialjob zum Chefsessel

Kaum eine Frau steht so für den alternativen Kulturbetrieb im Ländle wie Heike Kaufmann. Sie baute die Poolbar mit auf und führt heute den Spielboden. Mit W&W sprach sie über Streaming-Konzerte, Abschied und Plakate als Karriere-Start.

WANN & WO: Gerade ging das Sommerquartier im Spielboden zu Ende. Wie zufrieden bist du mit der diesjährigen Ausgabe?

Heike Kaufmann: International Music mussten leider Corona-bedingt absagen. Abgesehen davon lief es aber gut. Es war sehr gemütlich, die Atmosphäre auf der Terrasse ist immer sehr angenehm.

WANN & WO: Du hast gerade schon das Thema Corona
angesprochen. Wie war für euch die Hochzeit 2020 und 2021?

Heike Kaufmann: Wir haben uns arrangiert. Als erstes Veranstaltungshaus in Vorarlberg hatten wir schnell begonnen, Konzerte zu streamen. Wir haben gemacht, was ging. Es war aber eine Zeit lang recht chaotisch, weil gefühlt alle zwei Wochen neue Regelungen galten.

WANN & WO: Die Zahlen steigen aktuell wieder und einige Betriebe sagen, noch eine Welle halten sie nicht durch. Wie sieht es bei euch aus?

Heike Kaufmann: Ich glaube, man muss lernen, mit der Situation umzugehen. Dass MitarbeiterInnen ausfallen, kann immer passieren. Ärgerlich ist es besonders, wenn Bands oder KünstlerInnen absagen müssen. Wenn das zu gehäuft passiert, steigert das nicht gerade das Vertrauen des Publikums. Ich habe aber keine Angst, dass es
wieder einen kompletten Lockdown geben wird.

WANN & WO: Du warst lange beim Poolbar Festival tätig. Bist du heuer schon dort gewesen?

Heike Kaufmann: Ja, bei Clowns und Metronomy. Heuer gibt es viele Highlights, die ich gern sehen möchte.

WANN & WO: Du hast ab 1998 bei der Poolbar gearbeitet, warst von 2006 bis 2018 gemeinsam mit Herwig Bauer Geschäftsführerin. Wie ist das, heute als Gast dort zu sein?

Heike Kaufmann: Die ersten Jahre war das durchaus gewöhnungsbedürftig. Und sehr emotional, auch wenn ich mir selbst ausgesucht hatte, das Festival zu verlassen. Es steckte ja viel Herzblut von mir drin. Mittlerweile geht es aber und es ist auch spannend zu sehen, wie sich die Poolbar weiterentwickelt.

WANN & WO: Wie kam es damals zum Wechsel?

Heike Kaufmann: Ich war einfach eine sehr lange Zeit bei der Poolbar. Die war immer spannend und die Inhalte entwickelten sich stets weiter. Aber irgendwann dachte ich mir: 20 Jahre sind vielleicht ein guter Zeitpunkt, etwas anderes zu machen und neue Erfahrungen zu sammeln. Es tut auch einem Kulturbetrieb selbst ganz gut, wenn es von Zeit zu Zeit personelle Veränderungen gibt. Und mich reizte es, am Spiel-
boden mit verschiedensten
Kulturformen zu tun zu haben.

WANN & WO: Bleibt die Musik trotzdem dein Steckenpferd?

Heike Kaufmann: Schwer zu sagen. Irgendwann war mir der reine Musikbetrieb – auch wenn bei der Poolbar natürlich mehr passiert, als nur Musik – zu wenig. Wahrscheinlich ist für mich Musik schon der Schwerpunkt, aber ich fand es eben spannend, auch mal etwas anderes zu buchen.

WANN & WO: In etwa einem Monat hast du Vierjähriges am Spielboden. Hast du schon ein Highlight aus der Zeit?

Heike Kaufmann: Das ist total schwierig, sich auf ein Highlight festzulegen. (lacht) Ein besonderes Projekt ist sicher das Human Vision Film Festival, das neben dem reinen Film ganz verschiedene Sparten einbringt. Vielleicht ist es mir auch wegen einer Geschichte so im Kopf geblieben: Der erste Lockdown war mitten im Festival. Gerade hatten wir noch einen fulminanten Eröffnungstag und waren am folgenden Morgen in St. Arbogast, um Werbung für das Event am Abend zu machen. Und am Nachmittag erreichte uns die Nachricht, dass ein Lockdown verhängt wird und alles stand plötzlich still. Das hatte einen sehr epochalen
Charakter.

WANN & WO: Du stammst aus Wiener Neustadt. Was hat dich nach Vorarlberg verschlagen?

Heike Kaufmann: Die Liebe. Im Zuge derer dann auch schnell der erste Besuch als Gast bei der Poolbar. Dann kam das Plakatieren und dann eins zum anderen.

«Die ersten Jahre war es durchaus gewöhnungsbedürftig, als Gast und nicht als Geschäftsführerin beim Poolbar Festival zu sein. Und sehr emotional, auch wenn ich mir selbst ausgesucht hatte, das Festival zu verlassen. Es steckte ja viel Herzblut von mir drin.»

Heike Kaufmann

«Irgendwann dachte ich mir: 20 Jahre sind vielleicht ein guter Zeitpunkt, etwas anderes zu machen und neue Erfahrungen zu sammeln. Und mich reizte es, am Spielboden mit verschiedensten Kulturformen zu tun zu haben.»

Heike Kaufmann

Kurz gefragt

Kultur in Vorarlberg ...
... ist vielfältig und ­abwechslungsreich.

Wenn ich mir eine Band oder KünstlerIn für den Spielboden wünschen dürfte, wäre das ...
... The National.


Der Spielboden ist für mich ...
... eine Herzensangelegenheit.

Musik ...
... ist gute Laune, oder auch schlechte Laune.